Der Podcast über die großen und kleinen Skandale Österreichs
00:00:04: Frohe Feiertage!
00:00:05: Inside Austria ist gerade in der Winterpause.
00:00:07: Wir hoffen, ihr auch und vielleicht ist ja gerade auch wer unterwegs zum Skifahren.
00:00:12: Passend dazu haben wir eine Best-of-Inside-Austria-Folge für euch.
00:00:16: Wie bereiten sich Österreichs Skigebiete eigentlich auf den Klimawandel vor?
00:00:20: Viel Spaß beim hören und wir sind ab zehnten Jahr nach zurück mit neun Folgen.
00:00:27: Ischgl,
00:00:28: eines der
00:00:28: besten Skigebiete der Welt.
00:00:30: Ein Delirium
00:00:30: Alpino.
00:00:31: Wer
00:00:32: einmal in Ischgl
00:00:33: war, der weiß,
00:00:33: neben dem Skifahren
00:00:35: geht es hier v.a.
00:00:36: um eines,
00:00:37: Apreski.
00:00:38: Das Ibiza der Alpen liegt im Westen Österreichs.
00:00:41: Ein Bergdorf in Tirol, das wie wohl kaum ein anderer Ort in Österreich für den Skitourismus steht.
00:00:47: Pisten, Apreski, glamouröse Partys und schicke Hotels.
00:00:51: All das hat den kleinen Ort
00:00:53: reich gemacht.
00:00:54: Als Ischgl in der Pandemie zum Corona-Hotspot wurde, ist der Tourismus vorübergehend
00:00:59: eingebrochen.
00:01:00: Inzwischen aber boomt er wieder.
00:01:03: Und das, obwohl die Winter immer wärmer werden.
00:01:06: Viele Schiebpisten nur noch mit Kunstschnee
00:01:08: betrieben werden.
00:01:09: Was aber passiert mit Orten wie Ischgl, wenn sich das Klima weiter erhitzt?
00:01:13: Hat Schiefer an den Österreich überhaupt noch eine Zukunft, wenn der Schnee schmilzt?
00:01:17: Ich bin Lucia Heisterkamp vom Spiegel.
00:01:19: Und ich bin Antonia Arwalter-Raut vom Standard.
00:01:22: In dieser Folge von Insat-Austria wollen wir wissen, wie sich Skigebiete
00:01:26: auf den Klimawandel vorbereiten.
00:01:28: Dafür sind wir nach Ischgl gereist, haben mit Bürgermeister, Klimaforschern und Touristen gesprochen.
00:01:34: Und ich bin zum ersten Mal in meinem Leben selbst hoch auf die Piste, um zu verstehen, was die Faszination am Skifahren
00:01:41: eigentlich ausmacht.
00:01:56: Ja, wir sitzen jetzt in der Gondel in Ischgl und es wird ernst.
00:02:02: Lucia, das erste Ski-Tag steht bevor.
00:02:05: Ich bin total gespannt.
00:02:07: Ich stand ja noch nie auf Skiern, ob ich das überhaupt hinkriege.
00:02:11: Ein kalter Dienstag morgen, anfangen wir jetzt.
00:02:13: Lucia und ich sitzen in einer Gondel, die langsam über die Berge gleitet.
00:02:17: Und ja, sie haben richtig gehört, Lucia geht heute zum allerersten Mal in ihrem Leben Skifahren.
00:02:23: Antonia konnte es ja gar nicht glauben, als ich ihr das erzählt habe.
00:02:26: Aber ja, ich stand noch nie auf Skieren.
00:02:29: Ich komme aus Hessen, in Mitteldeutschland.
00:02:31: Da liegen die Pisten jetzt nicht gerade um die Ecke.
00:02:33: Und ehrlich gesagt, bei mir Skifahren bisher auch einfach zu teuer.
00:02:36: Er
00:02:36: günstig ist dieser Sport wirklich nicht.
00:02:39: Allein für die Skitagespässe mussten wir heute schon seventy-sech Euro pro Kopf blechen.
00:02:44: Und dazu kommt dann ja auch noch die ganze Ausrüstung.
00:02:46: Netterweise hat mir Antonias Mutter ihre Ausrüstung ausgeliehen, da konnte ich mir die Kosten sparen.
00:02:51: Die wohne nämlich ganz in der Nähe.
00:02:53: Ja, ich komme nämlich ursprünglich aus der Gegend und wie die meisten Leute hier stand ich schon als Kind auf Skiern.
00:02:59: Ich bin zwar definitiv keine Rennfahrerin, aber ich liebe Skifahren.
00:03:03: Am liebsten gehe ich zwar mittlerweile den Berg mit Touren-Ski selber rauf, aber auch so ein richtig schöner Skitag auf der Piste macht natürlich Spaß.
00:03:11: Skilehrerin war ich allerdings noch nie und ich bin schon gespannt, wie Lucy es sich macht.
00:03:16: Der Ausblick aus der Gondel ist schon mal ziemlich schön, muss ich sagen.
00:03:20: Allerdings, so richtig nach winterlicher Schneelandschaft, sieht es noch nicht aus.
00:03:24: Und das, obwohl wir in einem der Schneereichsten Gebiete Tirol sind.
00:03:28: Unter uns liegt vor allem viel braun-grüner Wald.
00:03:31: Nur weit oben erkennt man die weißen Gipfel.
00:03:34: Die Sonne scheint und das wirkt eher frühlingshaft.
00:03:38: Ich bin gespannt, wie die Pisten gehen.
00:03:42: Wir lassen dich nicht alle Typisten gleich testen.
00:03:45: Ich will nur auf die Babypiste,
00:03:47: bitte.
00:03:48: Ab und zu taucht unter uns zwischen den braunen Bäumen ein weißes Band auf.
00:03:53: Eine Skipiste ganz eindeutsiger aus Kunst, Schnee.
00:03:56: Aber je höher wir fahren, desto weiser wird es dann doch.
00:03:59: Und als die Gondel anhält, ist überall um uns herum Schnee.
00:04:03: Okay, ich bin sehr gespannt.
00:04:06: Für alles offen und hoffe nur, ich brech mir keinen Bein.
00:04:10: Das ist meine einzige Erwartung.
00:04:12: Ich glaube, das wünschen sich unsere Herrinnen und Herrern und ich natürlich auch.
00:04:16: Schauen wir mal.
00:04:34: Auf dem Berg ist schon ziemlich viel los.
00:04:36: Überall sieht man Leute auf Skiern vorbeifahren, mit helm- und bunten Skiernzügen.
00:04:41: In einem Restaurant sitzen Leute in der Sonne und trinken schon ihr erstes Bier.
00:04:45: Es ist wohlgemerkt elf Uhr Vormittags.
00:04:47: Man hört viel Deutsch, aber auch Englisch, Spanisch und Lucia erkennt Hebräisch.
00:04:52: Wir suchen uns ein ruhiges Ecken auf einer geraden Ebene.
00:04:55: Und dann stelle ich mich zum ersten Mal in meinem Leben auf Skia.
00:05:00: Ich fange mal an mit einem Schuh.
00:05:10: Okay, also allein mit den Schuhen in die Schier reinzukommen ist schon ziemlich kompliziert.
00:05:15: Und erstmal fühlt sich alles
00:05:17: recht
00:05:17: instabil und wackelig an.
00:05:19: Aber Antonia entpuppt sich als hervorragende Lehrerin mit sehr viel Bedrohung.
00:05:32: Plus hier ist natürlich auch eine vorbildliche Schülerin und nach kurzer Zeit fahren wir tatsächlich schon die erste kleine Piste runter.
00:05:40: Wir drehen!
00:05:44: Und Blut, Blut, Blut!
00:05:46: Ja, super!
00:05:48: Sehr gut!
00:05:52: Also ich muss sagen, Skifahren macht mir mehr Spaß, als ich gedacht hätte.
00:05:56: Es ist zwar auch sauer anstrengend, aber wenn man so eine Piste runterfährt, dann kommt schon echt Adrenalin auf.
00:06:02: Okay, ich geb zu, ich hab mich auch ein paar Mal hingelegt, aber zum Glück fällt man ja relativ weich.
00:06:07: Und was natürlich auch total schön ist, das ist das Panorama
00:06:10: um ein Hero.
00:06:11: Ich sag's ja, Skifahren ist einfach lässig, Lucia.
00:06:13: Nein, also irgendwann landet man dann auch nicht mehr so oft auf dem Hintern.
00:06:17: Das wird schon auch Lucia, keines Auge.
00:06:19: Okay, dann bin ich ja beruhigt.
00:06:21: Ja, also nach ein paar Stunden auf der Piste kann ich schon verstehen, was diese Faszination ausmacht.
00:06:26: und dass man danach richtig süchtig werden kann.
00:06:28: Nach der ersten Ski-Stunde bin ich dann erst mal völlig platt und nehme den Lift nach unten.
00:06:33: Antonia, der Profi, fährt natürlich direkt die Piste runter ins Tal.
00:06:38: Die letzte Abfahrt des Tages mit jedem Hang wird auf der Seite brauner auf die Piste ziemlich aufgeschwommen.
00:06:50: Das heißt, man merkt, da fahren erst mal richtig viele Leute.
00:06:55: Und es gibt ein paar alles und Schnee, und man hört es auch.
00:07:05: Kunstschnee.
00:07:07: Ohne den geht hier gar nichts mehr.
00:07:09: Denn obwohl in Ischgl schon das Dorf auf knapp ´tausend vierhundert Höhenmetern liegt, fallen hier immer weniger Flocken, vor allem jetzt in den späten Wintermonaten.
00:07:18: Ich bin ja eben in dieser Region aufgewachsen und klar gab es schon öfter Schneearme Winter.
00:07:23: Aber sie sind eindeutig häufiger geworden.
00:07:26: Und dass es so viel heuer eigentlich seit Dezember kaum richtig viel Neuschnee gegeben hat, das ist schon ungewöhnlich.
00:07:32: Jetzt im März ist der Schneemtal größtenteils sowieso geschmolzen.
00:07:36: Und wenn man die Leute in der Gegend fragt, dann sagen auch die, dass der Winter dieses Jahr wirklich besonders warm war.
00:07:42: Und es ist nicht nur ein Gefühl, dass die Leute ihr haben.
00:07:45: Laut wissenschaftlichen Messungen hat sich das Klima in Österreich seit Beginn der Industrialisierung um etwa.
00:07:53: Die Tage, an denen Schnee am Boden liegt, haben sich seit den Sechzigern ungefähr um vierzig Tage verkürzt.
00:07:59: Wie stark der Klimawandel die Skigebiete schon heute trifft, das fängt vor allem davon ab, wie hoch oder tief sie liegen.
00:08:05: Also heute habe ich ja gerade bei den Ballungsräumen noch vergleichsweise viele Skigebiete, ein großes Angebot.
00:08:11: Wir sind mit Robert Steiger zum Videokollfer abredet.
00:08:14: Steiger ist Professor an der Universität Innsbruck und forscht zu Klimawandel und Tourismus.
00:08:19: Er beschäftigt sich unter anderem damit, ob der Skitourismus überhaupt noch eine Zukunft hat, wenn die Winter immer wärmer werden.
00:08:25: Also im Süddeutschland, am nördlichen Rand des Alpenraums oder auch in Ostösterreich in der Nähe von Wien habe ich Skigebiete, die das in einer halben Stunde oder Stunde zu erreichen.
00:08:36: Klimawandel wird solche Skigebiete in niedriger Höhenlage als erstes treffen.
00:08:40: Wie stark sich die Erde in den nächsten Jahrzehnten weiter erhitzt, das hängt natürlich auch davon ab, wie viel Emissionen die Menschheit weiter ausstößt.
00:08:48: Im besten Fall würde die Erderwärmung in Österreich bis zum Ende des Jahrhunderts um nur insgesamt zwei Grad steigen, im schlimmsten Fall um vier Grad.
00:08:56: Bei diesem Szenario würden dann Gebiete in mittleren und niedrigen Lagen zwischen siebzig und neunzig Prozent ihrer Schneemenge verlieren.
00:09:04: Bei Gebieten in Hochlagen wären es immerhin noch fünfzig Prozent.
00:09:07: Da wäre dann schiefer theoretisch aber noch möglich.
00:09:09: Ganz generell für hochgelegene oder sehr hochgelegene Gebiete, wo auch Ischgl dazu gehört, sieht man, dass es bis Ende des Jahrhunderts auch im pessimistischsten Klimaszenario noch gehen würde.
00:09:20: Allerdings auch nur mit Kunstschnee.
00:09:22: Schon jetzt stehen entlang vieler Skipisten alle fünfzig bis hundert Meter große Schneekanonen.
00:09:27: Mit Hilfe von Wasser aus Bechen oder eigens angelegten Speicherteichen lassen sie künstlich erzeugten Schneerieseln.
00:09:33: Das Gebiet er nur mit Naturschnee arbeiten, das ist inzwischen die absolute Ausnahme.
00:09:38: Es gibt noch einzelne Skigebiete in Österreich und auch in anderen Alpenländern, wo nicht beschneit wird.
00:09:44: Die zum Teil auch noch aktiv damit werben, dass man ausschließlich auf Naturschnee fährt, aber gerade so ein Winter, den wir jetzt hatten in diesem Winter, der sehr, sehr warm und auch sehr, sehr trocken war.
00:09:54: Da hatten diese Skigebiete massive Probleme überhaupt zu öffnen.
00:09:58: Robert Steiger glaubt, dass es in Zukunft wohl kaum noch Pisten in Österreich geben wird, die ohne Kunstschnee betrieben werden.
00:10:05: Allerdings, je wärmer das Klima, desto schwieriger ist es auch, Schnee künstlich herzustellen.
00:10:11: Also mit der bestehenden Beschneidungstechnik, das was wir jetzt alles so kennen, die Lanzen und Kanonen, die in den Skigebieten stehen, die brauchen ausreichend kalte Temperaturen, damit Wasser dann zu Schnee gefrieren kann.
00:10:21: Die Technik wird zwar laufend weiterentwickelt, aber unendlich sind die Spielräume nicht.
00:10:26: Und je wärmer die Winter, desto energieaufwendiger und teurer ist die Herstellung von Kunst, Schnee.
00:10:32: Und da wird die erste Frage sein, welche der Skigebiete werden noch in der Lage sein, diese Kosten zu stemmen.
00:10:38: Und das hängt davon ab, wie die Nachfrage aussieht in diesem konkreten Skigebiet, also ob die Gäste bereit sind, in diesen Skigebieten die Kosten für das Ticket, wo die Beschneiung ja mit eine Rolle spielt beim Tageskartenpreis, ob die Gäste bereit sind, in diesem Skigebiet das zu bezahlen.
00:10:55: Schon jetzt ist Ski-Fanian ziemlich teurus hobby.
00:10:58: Das haben Antonia und ich am Ticketschalter für den Ski-Pas selbst erlebt.
00:11:01: Und es sieht ganz so aus, als ob der Sport in Zukunft noch mehr als heute zum Luxushobby wird.
00:11:07: In Österreich fahren schon jetzt immer weniger Menschen Skis.
00:11:09: Der Volkssport-Ski-Fahren ist ein Mythos.
00:11:12: Nur vier von zehn Österreicherinnen fahren hin und wieder Skis.
00:11:15: Eine andere Frage ist, ob die Gäste überhaupt noch kommen, wenn die Pisten nur noch mit Kunstschnee betrieben werden und es im Tal so gar nicht mehr winterlich aussieht.
00:11:25: Wie viel Angst hat man also in Ischge vor dem Klimawandel?
00:11:35: Also ich muss irgendwie sagen, ich hätte es mir anders vorgestellt, weil ich habe irgendwie gedacht, das wäre so viel Poscher hier und dass alle mit so Gucci-Taschen und fetten Sonnenbrillen und so rumlaufen
00:11:46: würden.
00:11:46: Man hat gar keine felsmännliche Spotte.
00:11:49: Lucia und ich laufen durch den Dorfkern von Ischgl.
00:11:52: Vorbei an schicken Hotels mit Holzfassade und Hütten, aus denen die ersten Apreschi-Hits dröhnen.
00:11:57: Ich war schon öfter hier, aber Lucia kannte Ischgl bisher nur aus dem Fernsehen.
00:12:01: Ja, vor allem in der Pandemie ist Ischgl natürlich berühmt berüchtigt geworden.
00:12:06: Hier fand ja einer der ersten großen Corona-Ausbrüche in Europa statt.
00:12:09: Davon merkt man heute überhaupt nichts mehr.
00:12:12: Überall sind Leute unterwegs, die meisten sehen aus wie Touristen.
00:12:16: Irgendwie hätte ich mir Ischgl eher so ein bisschen wie das Las Vegas-Tirols vorgestellt.
00:12:20: Aber zumindest tagsüber wirkt zu mich eher wie so ein normales, gemütliches Örtchen im Tal.
00:12:26: Gut, man darf nicht vergessen, Ischgl ist ein kleines Bergdorf mit ungefähr tausend sechshundert Einwohnerinnen und Einwohnern.
00:12:33: Und noch Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts haben die meisten hier von der Landwirtschaft gelebt.
00:12:38: Noch immer sind viele auch von den Hoteliers nebenbei Bauern.
00:12:41: So Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts kamen dann der Skisport und schnell auch der Massentourismus in den Ort.
00:12:47: Heute gehört Ischgl zu den Reichsten Gemeinden in ganz Österreich.
00:12:56: Wir sind mit Werner kurz verabredet, im Bürgermeister von Ischgl.
00:13:00: Außerdem sitzt noch der Geschäftsführer des Tourismusverbandes mit dem Tisch Thomas Köhle.
00:13:05: Es gibt Kaffee und beim Smalltalk am Anfang habe ich kurz Sorge, dass
00:13:14: ich kein Wort verstehe.
00:13:19: Aber Kurz und Köhle sind natürlich Medienprofis und schalten im Gespräch dann gleich auf Hochdeutschung.
00:13:25: Für unsere Hörerinnen und Hörer und ein bisschen auch Phänosier.
00:13:28: Gott sei Dank.
00:13:28: Wir wollen wissen, wie abhängig Ischgl eigentlich vom Wintertourismus ist.
00:13:33: Wir profitieren alle davon, dass es wichtig ist.
00:13:35: Der Bürgermeister Werner Kurz sagt, fast jeder hier im Ort arbeitet, auf die ein oder andere Weise im Ski-Tourismus.
00:13:42: Und für uns ist wichtig, dass wir keine Dorflucht haben.
00:13:44: Das heißt, dass die Leute nicht weg sind.
00:13:46: Und das ist dadurch gewährleistet, dass quasi jeder die Arbeit von der Haustür hat, sei es bei der Seilbahn oder sonstigen Betrieben, in welcher Form auch immer.
00:13:53: Denn nach dem kurzen Einbruch während der Corona-Pandemie kommen die Besucher im Winter wieder massenhaft nach Ischgl.
00:13:59: In der Saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-saison-s.
00:14:06: Die Seilbahn hat über fünfhunderttausend Ski-Pässe verkauft.
00:14:10: All das bringt natürlich nicht nur Arbeitsplätze, sondern spült auch durch Steuereinnahmen viel Geld in die Gemeindekasse.
00:14:17: Angst, dass der Ski-Tourismus einbrechen könnte, wenn die Winter immer wärmer werden, hat der Bürgermeister nicht.
00:14:22: Ich kann es nur so jetzt vielleicht leidhaft sagen, aber aus dieser Sicht vom Ski-Gebiet her liegen wir sehr hoch und haben passende Handlage dazu.
00:14:31: Also wir sind da eher auf, sag jetzt mal, der Anführungszeichen auf der sicheren Seite, was der Ski-Gebiet dann
00:14:35: belangt.
00:14:36: Werner Kurz glaubt, dass seine Gemeinde sogar davon profitieren könnte, wenn in tiefer gelegenen Gebieten Skifahren nicht mehr möglich ist, dann würden womöglich noch mehr Touristen kommen.
00:14:46: Der
00:14:46: Chef des Tourismusverbands, Thomas Köhle, sagt allerdings, im Winter stößt Ischgl, was den Massentourismus angeht, mittlerweile an seine Grenzen.
00:14:55: Wir haben was die Kapazitäten anbelangt, weil der Straße im Limit erreicht, der ist dazu führt, dass man sagen muss, im Winter wird es immer viel mehr gehen, wird es immer viel mehr tragen.
00:15:05: Wo der Verbandschef dagegen viel Potenzial sieht, das ist im Sommer.
00:15:09: Denn neunzig Prozent der Übernachtungen in Ischgl finden derzeit in den Wintermonaten statt.
00:15:14: Nur zwei Prozent im Sommer, der Rest im Frühjahr oder Herbst.
00:15:18: Deswegen steigern wir die Angebote.
00:15:20: Das geht ganz stark.
00:15:21: Jetzt sind wir jetzt bereits ab Jänner, gehen wir schön die Sammerwerbung.
00:15:24: Und das Thema, das neue, nennt sich ja Coolification, heißt das jetzt schon.
00:15:27: Also die Leute wollen hin, wo sie in der Nacht schlafen können.
00:15:30: Also wir sprechen von Erderwärmung, der Tourismusverbandchef von Coolification.
00:15:36: Soll heißen, wenn es in den Sommermonaten in Südeuropa zukünftig immer heißer wird, dann wollen die Touristen vielleicht auch im Juli und August lieber in den kühlen Bergenurlaub machen.
00:15:46: Also eher also Mittelmeer bei vierzig Grad und womöglich sogar noch Wald brennen, glaubt Thomas Köhle.
00:15:51: Da können
00:15:51: wir, glaube ich, durchaus garantieren.
00:15:53: Wir kommen in der Nacht, die durchaus auf das Fenster aufmachen.
00:15:56: Wann mal, ohne dass man da friert, aber man wird auch nicht den Hitze da gestorben.
00:16:00: Also die Leute, die tatsächlich jetzt irgendwo hinfahren wollen, um die Sommerfrische hat ja wieder komplett ein neues Gewand gekriegt.
00:16:07: Deshalb arbeitet
00:16:08: Ischgl auch intensiv daran, neue Angebote für die Sommermonate zu bewerben.
00:16:13: Wandern oder Wellness zum Beispiel.
00:16:15: Wobei ich mich echt sage, Frage, würden die Leute wirklich extra zum Wandern nach Ischgl kommen?
00:16:21: ist ja nicht so, dass es nicht auch anderswo spektakuläre Berge gibt.
00:16:24: Das sieht auch der Tourismusverbandchef so.
00:16:31: Dieses Highlight fehlt ist da vielleicht ein bisschen.
00:16:34: Wo man mittlerweile extrem gut sein ist, ist das Thema Biken.
00:16:36: Da haben wir in den letzten Jahren auch richtig viel Geld investiert.
00:16:39: Zum Beispiel wurde ein neuer Fahrradpark speziell für Mountainbiker gebaut mit abenteuerlichen Trails und Strecken für verschiedene Schwierigkeitsgrade.
00:16:48: Auf seiner Website wirbt der Tourismusverband mit Action geladenen und zugleich naturnahen Biketouren.
00:16:54: In der Umgebung von Ischgl wurden jede Menge markierte Mountainbike-Routen angelegt.
00:16:58: Köhle ist zuversichtlich, dass Ischgl sich auch mit dem wärmer werdenden Klima weiterentwickelt und zukünftig mehr Gäste im Sommer kommen.
00:17:07: Was ihn da so optimistisch macht, dass Ischgl schon mal eine Krise überstanden hat, nämlich in der Corona-Pandemie.
00:17:13: Wo man nicht wusste, wie geht es weiter, weil dieses USB ein perfekter Ort für hohe Qualität, für top Niveau auch beim Feiern und auch vielleicht als ... Der Ort, der auch für die Reichen und Schönen zu finden ist, wie es vielleicht sonst auch Kützbüchler oder auch Poliz wäre, als klassische Leisteilmetropole, die muss man sich hart arbeiten.
00:17:33: Und dann kam Corona.
00:17:35: Und dann war auf einmal der Ort sich auch unsicher.
00:17:39: Geht das nur weiter?
00:17:40: Darf man das noch?
00:17:42: Köhle sagt, die allermeisten Gäste kamen zurück, als die Pandemie zu Ende ging.
00:17:46: Warum kommen die Gäste?
00:17:47: Erstens, zwei mal siebzig Prozent unserer Gäste haben Stammgäste.
00:17:51: Unter die Gäste kommen zu uns zu neunzig Prozent wegen dem tollen Skigebiet, wegen dem Wintersport.
00:17:56: Aber wenn auf der anderen Seite das feiern, die Events, für die immer wirklich viel Geld ausgeht, für die Konzerte, für die das bekannt ist, für das ist Lifestyle, wenn der Ort für das dann nicht mehr stehen dürfte oder für das nicht mehr stört, dann wären sie wahrscheinlich nicht so zahlreich wieder zurückgekommen.
00:18:10: Der Touristiker meint, diesen Lifestyle, die Partys für die Ischgl berühmt ist, die könnte es grundsätzlich auch im Sommer geben.
00:18:18: Das
00:18:18: heißt auch Apples Skis.
00:18:21: Es klingt
00:18:29: ein bisschen, als würden der Bürgermeister und der Tourismusverbandchef den Klimawandel als Chance sehen.
00:18:36: Dafür aus Ischgl nicht nur ein Hotspot für den Winter-Tourismus zu machen, sondern auch für den Sommersport.
00:18:42: Und dass der Tourismus durch den Klimawandel sobald einbricht, das glauben sie nicht.
00:18:47: Nach dem Gespräch fragen wir uns allerdings, ob die beiden die Lage nicht etwas zu optimistisch sehen.
00:18:52: Denn auch wenn Skifahren mit Hilfe von Kunstschnee vielleicht in Ischgl noch lange möglich ist, würden die Touristen wirklich noch in Massen kommen, wenn zwar die Pisten beschneit sind, aber im Tal alles braun aussieht.
00:19:04: Gehört eine verschneite Winterlandschaft nicht irgendwie zum Skifahren dazu?
00:19:08: Und kann es wirklich gelingen, die Touristen mit apre Bike und Partys auch im Sommer ins Patsnau zu locken?
00:19:24: Wir sind im Kitzloch.
00:19:28: Ja, in dem Kitzloch.
00:19:30: Die Aprescipa, die in der Pandemie berühmt geworden ist, weiß ich hier, dass Corona-Virus ausgebreitet hat.
00:19:36: Heute läuft die Party, als hätte es das Cluster mit Tausenden Infizierten in ganz Europa nie gegeben.
00:19:43: Wenn, dann ist hier vielleicht sogar noch mehr los, als in den anderen Aprescipas in der Nähe.
00:19:47: Kellner tragen Sektflaschen mit Wunderkerzen und Tablos voll beladen mit Schnapsgläsern durchs Lokal.
00:19:53: Stampel mit Flügel drin.
00:19:55: Stimmt, Antonia hat mir erklärt, es ist so eine Mischung aus Vodka und Red Bull.
00:19:59: Ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie schnell die Stimmung hier
00:20:02: ist.
00:20:14: Wenn man mit Leuten ins Gespräch kommt, dann merkt man ziemlich schnell, Es stimmt schon, was der Tourismusverbandschef gesagt hat.
00:20:20: Die Leute kommen auch wegen solcher Partys nach Eschgl.
00:20:29: Ich glaube,
00:20:34: dass die Atmosphäre
00:20:38: ist
00:20:38: toll,
00:20:40: überall
00:20:41: Musik und Part
00:20:42: time.
00:20:43: Aber würden die Touristen auch nur zum Feiern nach Isch gekommen, auch wenn nur noch Kunstschnee liegt und im Tal alles grün ist, oder eben im Sommer?
00:20:51: Und hier, Kunstschnee ist natürlich nicht das Stichschild.
00:20:53: Und deshalb, den
00:20:54: ich hier schon
00:20:55: streamen und dann kann, das ist gilig.
00:20:59: Ähm,
00:21:01: ja, natürlich beschnussen und besser, ja.
00:21:03: Natürlicher
00:21:03: Schnee
00:21:04: ist was anderes als die Kunstschnee.
00:21:06: Ein Nutschoff.
00:21:07: Die meisten, mit denen wir an diesem Tag sprechen, sagen schon ziemlich klar,
00:21:11: für sie ist
00:21:12: es auch die Winterlandschaft, die Ischgl ausmacht.
00:21:14: Und wenn die sich stark verändert, dann sind sich viele unsicher, ob sie trotzdem noch kommen würden.
00:21:20: Beim feuchtfröhlichen Abrischy, wo Leute zu lauten Schlagerhits auf den Bänken tanzen, da wirkt es erst mal nicht so, als würden sich hier viele Gedanken über den Klimawandel machen.
00:21:31: Aber wenn man die Besucher fragt, dann denken offenbar doch viele darüber nach, wie lange es die weiße Schneelandschaft in Ischgl noch gibt.
00:21:40: Um neunzehn Uhr läuft dann im Kitzloch auch schon der Rausschmeißersong.
00:21:43: Die Party ist vorbei.
00:21:45: Und das ist ja wohl nicht nur für Berliner Verhältnisse ziemlich
00:21:47: früh.
00:21:48: Antonia und ich schlendern da noch ein bisschen durchs Dorf.
00:21:51: Aber ehrlich gesagt, viel mehr als Essen und Aprici gibt's hier nicht zu tun.
00:21:56: So richtig viel Charme hat der Ort an sich jetzt nicht, finde ich.
00:22:00: Man merkt eben schon, dass alles darauf ausgerichtet ist, hier möglichst viele Menschen übernachten zu lassen und schnell auf die Pisten zu bringen.
00:22:07: Ich kenne Ischgl auch im Sommer und tatsächlich wäre ich jetzt nicht auf die Idee gekommen, ausgerechnet in diesem Ort meinen Sommerurlaub zu verbringen.
00:22:15: Die Hotels sind dann doch ziemlich leer und man merkt, dass der Ort darauf ausgelegt ist, im Winter das Dutzend der Einwohnerinnen und Einwohner aufzunehmen, was dann eben schon ein bisschen ausgestorben wirken kann.
00:22:27: Und Party ist dann eben auch keine Juli und August.
00:22:31: Ja, das mit den Partys könnte man natürlich auch im Sommer einführen, aber trotzdem.
00:22:34: So eine sichere Sache ist die Perspektive mit dem Sommertourismus für uns jedenfalls nicht.
00:22:39: Und deshalb wunderts uns schon ein bisschen, dass der Bürgermeister und der Tourismusverbandchef so wenig Sorge haben, dass der Klimawandel den Reichtum von Ischgl gefährdet.
00:22:49: Aber vielleicht will man hier auch einfach deshalb nicht so viel übers Klima reden, weil der Skitourismus ja selbst auch keinen besonders guten Ruf hat, wenn es um die CO-Zwei-Wilanz geht.
00:22:58: Der Kunstschnee, die Seilbahnen, die Präparierung der Pisten und ja auch die Apreschi-Hütten.
00:23:03: All das braucht wahnsinnig viel Energie und trägt natürlich auch zum Klimawandel bei.
00:23:08: Zerstört der Skitourismus also mitunter seine eigene Grundlage?
00:23:17: Hallo, ich bin die Lena Öller, ich bin Pressespeicherin von Protect Our Winters Österreich, kurz PAU.
00:23:23: Lena Öller macht zwei Dinge, von denen ich erst mal gedacht hätte, dass sie in ziemlichem Widerspruch stehen.
00:23:28: Sie geht gerne Skifahren und sie ist Klimaaktivistin.
00:23:32: Protect Our Winters ist ein Klimaschutzverein, der aus der Bergsport-Community entstanden
00:23:36: ist.
00:23:37: Wir sind gerne in der Natur unterwegs und die ... Natur beziehungsweise die Berge und auch eben der Winter sind die Grundlage für unsere Sportarten, also dass wir die überhaupt ausleben können.
00:23:48: Und deswegen liegt uns das natürlich auch sehr am Herzen, die Natur und die Gegebenheiten eben so zu beschützen, dass sie auch in Zukunft noch da sind.
00:23:56: Lena Öller setzt sich also für Klimaschutz ein, damit Winterspots weiterhin möglich ist.
00:24:01: Was aber sagt sie dazu, dass der Skisport selbst eine Klimasünde sei?
00:24:04: Also,
00:24:04: das ist leider ein sehr hartnäckiges Gerücht, was sie so hält in der Debatte.
00:24:09: Grundsätzlich ist es so, dass der Skitourismus oder der Skibetrieb selbst eigentlich kaum zum Klimawandel beiträgt.
00:24:17: Und die Industrie, die hinter diesen Skigebieten in Tourismusorten steht, die hat auch in den letzten Jahren einen ziemlichen Wandel hingelegt, so wie das eigentlich in fast keiner anderen Branche passiert ist.
00:24:26: Lela Öller sagt, Die Herstellung von Kunstschnee zum Beispiel verbraucht zwar relativ viel Energie, allerdings muss man genau hinschauen, woher dieser Energie kommt.
00:24:36: Viele Skigebiete in Österreich nutzen Ökostrom und produzieren den auf Dach selbst.
00:24:40: Von dem her gibt es da wirklich gute Entwicklungen.
00:24:43: Deshalb sehen wir das nicht so kritisch.
00:24:46: Denn auch engagieren wir uns in dieser Branche, weil das eben unser Tätigkeitsfeld ist und unser Handlungsfeld.
00:24:51: Und wir sagen, hey, wir wollen die Szene von innen heraus verändern und dazu brauchen wir alle Stakeholder.
00:24:56: Tatsächlich zeigen auch Zahlen von Klimaforschern, dass der Skibetrieb allein keine wahnsinnig hohe Klimabilanz hat.
00:25:03: Ein Skiter kommt auf ungefähr so viel CO-Zwei wie ein Auto auf einer Strecke von vierzig Kilometern.
00:25:09: Was da allerdings nicht mit eingerechnet ist, das ist die An- und Abreise zum Urlaubsort.
00:25:14: Die macht nämlich je nach Berechnung zwischen fünfzig und siebzig Prozent der Emissionen aus.
00:25:19: Wenn
00:25:19: man jetzt auch in Österreich anreist, egal ob mit dem Auto oder mit dem Zug, ist immer noch klimafreundlicher als jetzt jeder Urlaub mit Kurzstreckenflug.
00:25:26: Da zählen auch Städtetrips dazu.
00:25:28: Wünschenswert wäre es für Lena Öller, dass in Zukunft noch mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Skigebiete reisen.
00:25:35: In Ischgl fällt uns jedenfalls auf, dass vor allen Hotels und Ferienhäusern jede Menge Autos parken.
00:25:42: Auch riesige Parkgaragen gibt es.
00:25:44: Dabei fahren regelmäßig Busennuss ganz etal, mit denen man problemlos überall hinfahren kann.
00:25:49: In der Hauptsaison sogar alle zehn Minuten.
00:25:51: Die werden auch genutzt, vor allem nach dem Abrischie.
00:25:55: Aber an und abreißen tun die meisten eben doch noch mit dem eigenen PKW.
00:25:59: Antonia und ich sind natürlich vorbildlich mit dem Zug angereist.
00:26:03: Und ganz ehrlich, Das war schon okay.
00:26:05: Sogar die achtstündige Anreise aus Berlin.
00:26:07: Die einzigen Probleme hatte ich da beim Start mit Verspätung bei der Deutschen Bahn.
00:26:11: Ganz
00:26:11: püktlich war die ÖBB übrigens auch nicht dieses Mal.
00:26:14: Wer siehst du?
00:26:15: Das ischgl die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht noch offensiver bewirbt, das ärgert Lena Öller.
00:26:21: Und nicht nur das.
00:26:22: Bei der Anreise wird an zweiter Stelle die Anreise per Flugzeug beworben.
00:26:26: Das finden wir nicht gut.
00:26:29: empfehlen Tourismusgebieten generell, sie sollen eigentlich die Anreise bei Flugzeug nicht bewerben.
00:26:34: Dabei hat sich Ischgl sogar schon im Jahr zehnt, damit gebrüstet, angeblich klimaneutral zu sein.
00:26:40: Eine Recherche des Standard hat dann später gezeigt, dass dieser Anspruch niemals erfüllt wurde.
00:26:45: Bäume, die angeblich als Kompensation für Emissionen in Peru gepflanzt werden sollten, die sind dort nie angekommen.
00:26:52: Stattdessen hatte sich Ischgl für viel Geld ein Klimazertifikat von einer Münchner Firma gekauft.
00:26:57: Inzwischen ist der Klimaneutralitätsclaim auch wieder verschwunden.
00:27:01: Generell ist es auch so, dass wir jetzt Ausgleichszahlungen für ebenso Aufforstungsprojekte nicht aus Lösung ansehen.
00:27:08: Also das verlagert ja nur das Problem.
00:27:09: Und in allen Fällen, die ich kenne, ist das Greenwashing.
00:27:13: Die Bäume müssen jetzt erst einmal wachsen, bis sie ein gewisses Kontingent an Emissionen ausgleichen können.
00:27:18: Und meistens wird der Inge mit Zahlenwild um sich geworfen und es hat alles in den Tannen und Fuß.
00:27:23: Ischgl gehört laut Lena Öller zu den Skigebieten, die verhältnismäßig eher wenig für den Klimaschutz tun.
00:27:29: Aber es gibt andere Orte, die versuchen, mit positiven Beispiel voranzugehen.
00:27:35: Auch wenige Kilometer entfernt von Ischgl.
00:27:37: Das ist das Herz unserer Energieerzeugung
00:27:40: von Energie.
00:27:41: Das ist Angelo Janczer von den Backbarn in See.
00:27:44: Ich treffe ihn an einem perfekten Frühlings-Ski-Tag in dem kleinen Ort, der von Ischgl aus ungefähr zwanzig Minuten talauswärts liegt.
00:27:52: Das Skigebietsee ist um einiges kleiner als Ischgl, aber gerade auch bei Einheimischen, hier aus der Gegend ziemlich beliebt.
00:27:59: Ich schnalle also noch mal die Skia an.
00:28:01: Lucia durfte im Tal bleiben, denn hier wollte ich mir etwas mehr anschauen als nur den Anfänger-Hügel.
00:28:06: Sorry, Lucia.
00:28:11: Angelo zeigt mir, wie im Skigebiet in See die Schneekanonen betrieben werden.
00:28:16: Wir stehen jetzt an seinem Skiveg und da ist ein relativ unspektakulärer grauer Quader.
00:28:24: Was ist das?
00:28:26: Ja, der graue Quader, das ist jetzt einfach unserem Wasserkraftwerk, die Oberstufe.
00:28:30: Der Bau ist nicht wirklich störend in der Landschaft.
00:28:33: In dem engen Tal hier zwischen den Bäumen fahren die meisten Skifahrer wahrscheinlich dran vorbei, ohne ihn überhaupt zu bemerken.
00:28:39: Aber von diesem kleinen, quadratischen Betonbau aus wird Strom für das ganze Skigebiet produziert.
00:28:45: Da
00:28:45: wird jetzt für den Seitenbrecher das Wasser gesammelt.
00:28:48: Und jetzt, wenn man dann die Talabfahrt und dann jetzt gerade stehen, weiter nach unten fahren, dann können wir mal zur Unterstufe, wo das Wasser mit extrem hohen Druck in eine Turbine rein speist wird.
00:28:58: Und da erzeugen wir dann eigentlich unseren Wasserkraftstrom.
00:29:02: Das ist für die Bergbahnen hier ein echter Gamechanger.
00:29:05: Denn das Skigebiet in See steht vor denselben Herausforderungen wie Ischgl und eigentlich fast jedes Skigebiet.
00:29:11: Kunst, Schnee zu erzeugen, wird immer wichtiger.
00:29:13: Man arbeitet natürlich immer dran, dass der Untergrund, die Grundbeschneidung und dass die Pisten natürlich super hergerichtet sind, dass natürlich der Skibetrieb aufrecht erhalten werden kann, weil natürlich die Wirtschaft bei uns maßgeblich davon abhängt.
00:29:27: Um die Pisten hier den ganzen Winter über zu beschneiden, müssen die Bergbahnen einen ziemlichen Aufwand betreiben.
00:29:33: Was natürlich extrem gebraucht wird, ist einerseits Wasser und andererseits Strom.
00:29:38: Das sind die zwei wichtigsten Faktoren, die es bedarf, wenn es um Ressourcen geht.
00:29:44: Und da ist natürlich der Wasserbedarf enorm.
00:29:48: Dieser Ressourcenverbrauch ist es ja auch der Skifahren mitunter klimaschädlich macht.
00:29:52: Die Umweltschutzorganisation WWF rechnet vor, dass pro Hektar künstlich beschnalltes Skigebiet etwa eine Million Liter Wasser im Jahr verbraucht werden.
00:30:00: Das entspricht ungefähr dem Bedarf einer Großstadt wie Hamburg.
00:30:04: In den Alpen führen einige Flüsse schon bis zu siebzig Prozent weniger Wasser als Voreinführung der Schneekanonen.
00:30:10: Jedoch leben wir natürlich im Gebiet, wo Wasserknappheit bei uns ist überhaupt kein Thema.
00:30:18: Wenn man sich das anschaut, werden die Autos mit Trinkwasser gewaschen.
00:30:21: Jede Klospülung funktioniert mit Trinkwasser, weil nur Trinkwasser zur Verfügung steht.
00:30:25: Es gibt hier kein Wasser.
00:30:27: Und diesen Wasserreichtum nutzt man im Skigebit C auch, um das zweite Ressourcenproblem zu lösen.
00:30:33: Die Energie.
00:30:33: Seit knapp fünfzehn Jahren haben wir ein eigenes Wasserkraftwerk.
00:30:36: Wir erzeugen unseren eigenen Strom als Wasserkraft.
00:30:39: Und den Strom nehmen wir natürlich her auch für unsere Beschneiung.
00:30:43: Für das Skigebietensee ist das also eine Win-Win-Situation.
00:30:46: Man ist klimafreundlicher, weil kein Strom aus nicht nachhaltigen Quellen gebraucht wird.
00:30:50: Und billiger ist es auch noch.
00:30:52: Mehr noch, das Wasserkraftwerk erzeugt sogar überschüssige Energie.
00:30:56: Also wir produzieren, wenn man es umrechnet, viel Strom, wie die Infrastruktur des Skigebiets benötigt.
00:31:01: Und dahingehend haben wir auch eine erneuerbare Energiegemeinschaft gegründet, wo die ganzen Hotelbetriebe und Tourismusbetriebe im Dorf auch den Strom jetzt sozusagen von der Bergbahn beziehen.
00:31:11: Die Beschneiung ist in den vergangenen Jahren auch deutlich effizienter geworden.
00:31:15: In See fährt schon ein hochmodernes Pistengerät mit GPS.
00:31:18: In den kommenden Jahren sollen es noch mehr werden.
00:31:20: Es wird der neue Standard werden, dass einfach Pistengeräte oder Pistenpräpariermaschinen GPS-Geräte eingebaut haben, damit dann der Schnee, der auf der Fläche verfügbar ist, dass der so optimal und effizient wie möglich verteilt wird, um natürlich Ressourcen zu schonen und zu sparen.
00:31:37: Es wird also nicht einfach über die Piste drüber präpariert, um schneefreie Stellen zu vermeiden, sondern die Pistengeräte wissen ganz genau, wo es noch Schnee braucht und präparieren dann nur dort nach.
00:31:49: Nichtsdestotrotz, nur mit nachhaltiger Energie, kann so ein Skigebiet natürlich nicht betrieben werden.
00:31:54: Nein, das nicht.
00:31:55: Also ein bisschen.
00:31:56: Gerätemaschinen werden nach wie vor mit Diesel gedacht.
00:31:58: Da muss man offen und ehrlich sein.
00:32:00: Schmierstoffe oder Seilbahnen sind klassische Schmierstoffe wie bei jedem technischen Gerät in dem Sinn.
00:32:06: Trotzdem, sagt der Bergbahnen-Mitarbeiter, sei die Branche sehr um eine Nachhaltigkeitswende bemüht.
00:32:11: Weil wir sind ja massgegelt, wir sind gerade winterdurch, wir sind von Klima abhängig und dadurch setzen wir natürlich auch viele technologische Innovationen, die wir uns helfen, Ressourcen zu schonen und die effizient und optimal zu verteilen.
00:32:24: Diese Innovationen sind aber mitunter ziemlich teuer und die Preisteigerung kommt auch beim Konsumenten an.
00:32:31: Ein Skiticket in See ist zwar etwas günstiger als in Ischgl, aber kostet immer noch über sechzig Euro am Tag.
00:32:38: Angelo glaubt, dass trotzdem auch in den nächsten Jahren immer noch genug Touristen kommen werden, die bereit sind, hohe Preise zu zahlen.
00:32:46: Fragt man Ihnen allerdings, ob Skifahren langfristig eine Zukunft hat, dann wird er schon etwas nachdenklicher.
00:32:51: Bis ins Tal runter ist die Meinung landläufig, sagen wir mal, zwanzig Jahre, circa.
00:32:58: Meine Ansicht nach und in meiner Generation und mit den ganzen Menschen, die mit denen Ihnen natürlich auf der Arbeit zu tun haben, ist so... Ich bin jetzt thirty- zwei Jahre alt und ich werde in der Pension immer noch in den See ski fahren.
00:33:10: Also wir gehen stark davon aus, dass wir noch ski fahren gehen.
00:33:13: Und das auch, falls ihr Enkerkinder habt, dass die auch doch schwingen ziehen können.
00:33:17: Ob es die bis zur Pension schaffen, ist natürlich eine andere Frage.
00:33:20: Aber die nächsten fünfzehn Jahre haben wir in der Hinsicht keine Sorgen und keine
00:33:25: Bedenken.
00:33:30: Egal wen man in Ischgl und in der Umgebung fragt, die meisten haben keine große Angst vor dem Klimawandel.
00:33:35: Sie glauben, dass Skifahren zumindest in den nächsten fünfzig Jahren noch möglich ist.
00:33:39: Jedenfalls wenn man mit genügend Kunstschnee die Pisten präpariert.
00:33:43: Gut möglich allerdings, dass der Skitourismus in den nächsten Jahren noch teurer wird.
00:33:48: Und dann gibt es noch ein Problem.
00:33:50: Auch wenn man in Ischge und See vielleicht Ende März noch problemlos Skifahren kann.
00:33:55: Bei mir in Berlin oder auch bei Antonia in Wien war es zur selben Zeit schon richtig frühlingshaft.
00:34:00: Da sitzen die Leute draußen in den Cafés oder bei Apropos Spritz und träumen vom Sommer und nicht vom Skifahren.
00:34:06: Das Ganze nennt sich Backyard-Effekt.
00:34:08: Wenn es in meinem Hinterhof keinen Schnee gibt, dann habe ich auch weniger Lust auf Hintersport.
00:34:13: Und das könnte natürlich in den nächsten Jahren ein immer größeres Problem für den Wintertourismus werden.
00:34:18: Auch wenn es auf den Becken noch Schnee gibt, was bringt das, wenn in Berlin und Wien keiner mehr auf die Idee kommt, Skifahren zu gehen?
00:34:25: Und wenn selbst in den Skigebieten dann nur noch die Pisten weiß sind, das Tal aber eben so braun-grün wie Niederösterreich oder das Saarland.
00:34:40: Zum Abschluss unserer Reise treffen wir ein Mann, der Ischgl wie kaum ein anderer geprägt hat.
00:34:46: Günther Alois, siebenzig Jahre alt, schulterlanges weißes Haar.
00:34:50: Er empfängt uns in der Lobby seines Hotels.
00:34:53: Günther Alois ist Hotelier.
00:34:55: Und auch sowas wie das Ofor Terrible des Tirolatorismus.
00:34:59: Seit Jahrzehnten steht dafür verrückte Ideen im fremden Verkehr, die für Schlagzeilen sorgen.
00:35:04: Und manche davon haben sogar schon gegen Gesetze verstoßen.
00:35:08: Das war der Rote Ind, da haben wir es so wie angefangen.
00:35:11: Dann halt so Grenzen sprengen, Schockieren, Legen brechen.
00:35:16: Alois hat einen dicken Bildband mitgebracht, in dem viele seiner Projekte und Ideen festgehalten sind.
00:35:22: Zur Fünfhundert-Jahr-Feier vom Tirols Landeshauptstadt Innsbruck, nineteenhundertsechsundneinzig, hat Günther Alois zum Beispiel den Fluss in Rot gefärbt, was nicht erlaubt war.
00:35:31: Dafür saß er sogar ein paar Stunden im Gefängnis und musste hunderttausend Schilling, um gerechnet siebentausend Euro Strafe zahlen.
00:35:38: Die Aktion hat ihm aber auch viel Aufmerksamkeit beschert.
00:35:41: Und Aufmerksamkeit, die braucht man, um Touristen anzuziehen.
00:35:45: Das hat Günther Aloys früh verstanden.
00:35:47: Er war maßgeblich daran beteiligt, Ischgl sein heutiges Image zu verpassen.
00:35:51: Also nicht nur als Ort für den Skisport, sondern auch eben für große Partys und Events.
00:35:56: Er zeigt uns Bilder von Stars, die er für Konzerte in das kleine österreichische Bergdorf geholt hat.
00:36:02: Elton John mit.
00:36:03: Elton John war der erste große Künstler.
00:36:05: Elton John war eben schon da, Tina Turner, Rihanna, Robbie Williams, Helene Fischer, die Black-Hide-Peace.
00:36:12: Alle kamen nach Ischgl, nachdem Günther Annoys die Idee mit den Pop-Koterten am Berg durchgesetzt hatte.
00:36:18: Auch heute noch, glaubt er, dass sich Ischgl immer weiterentwickeln muss.
00:36:22: Er sagt, für den Gast kann es gar nicht verrückt genug sein.
00:36:25: Ein Projekt von ihm sorgt schon seit Jahren für Schlagzeilen.
00:36:29: Das ist ein Lieblingstemmer der Medienwesen, die Königspinguine.
00:36:35: Günther Alois möchte auf der Ithalpin Ischgl Königspinguine ansiedeln.
00:36:40: Komischerweise hat sich noch kein Zoo gefunden, der da mitspielen will.
00:36:44: Aber wir schaffen es vielleicht schon noch.
00:36:46: Ja, also Sie sind noch dran.
00:36:47: Wir sind da immer dran.
00:36:53: Du musst noch manchmal getutet haben, Sachen sind zu weit entspannt.
00:36:57: Dann dauert es einfach.
00:36:58: Du wirst immer näher, näher, näher.
00:37:00: Und auf einmal geht es dann.
00:37:01: Und der selbst erklärte Visionär hat auch eine Idee, was man tun könnte, wenn auf den Bergen irgendwann kein Schnee mehr liegt.
00:37:08: Die Alternative zum Skifahren heißt nämlich Slope Gliding.
00:37:11: Übersetzt Pistenschweben.
00:37:13: Statt auf Skiern sollen die Gäste zukünftig mit Balance in das Tal runtergleiten.
00:37:18: Die fliegen so runter über der Piste, so zehn Meter oder fünf Meter über der Piste.
00:37:22: Manchmal tatscht es ja auch und dann geht es wieder weiter.
00:37:27: Und dafür braucht man kein Schnee.
00:37:30: Die Ballon sollen in einer kleinen Tasche transportierbar sein, sodass man sie auf den Berg mitnehmen und an der Bergstation aufblasen lassen kann.
00:37:38: Dann schnallt man sich an den Ballon dran und schwebt den Hang hinunter.
00:37:45: Ob sich Slope Gliding tatsächlich als Alternative zum Skitourismus durchsetzt, wer weiß.
00:37:51: Im hochgelegenen Ischgl rechnen erstmal die meisten damit, dass Wintersport sowieso noch lange möglich ist.
00:37:56: Zumindest mithilfe von künstlichem Schnee.
00:37:59: Ob sich allerdings der Massentourismus hält, wenn im Tal und überall sonst kaum mehr Schnee liegt und wenn Skifahren zukünftig noch teurer wird.
00:38:07: Ischgl arbeitet jedenfalls auch in einem Imagewechsel, will künftig nicht nur Winter-Hotspot sein, sondern auch Urlaubsort für kühlere Sommertage.
00:38:17: Aber selbst wenn das Klima in den österreichischen Bergen im August bestimmt ziemlich angenehm ist, ob Ischgl im Sommer wirklich so viel zu bieten hat, dass dieselben Massen wie im Winter kommen?
00:38:28: Lucia und ich hätten jedenfalls Lust bekommen, das auch im Sommer nochmal auf den Prüfstand zu stellen.
00:38:35: InSideAustria hören Sie auf allen gängigen Podcastplattformen auf www.insideAustria.de
00:38:39: und auf www.spiegel.de.
00:38:41: Wenn Ihnen unser Podcast gefällt, dann folgen Sie uns doch und lassen Sie uns ein paar Sterne
00:38:44: da.
00:38:45: Kritik, Feedback oder Vorschläge zum Podcast, wie immer gern an www.insideAustria.de
00:38:50: oder an www.podcast.de.
00:38:52: Unsere journalistische Arbeit können Sie am besten mit einem Abonnement
00:38:55: unterstützen.
00:38:56: Alle Infos zu einem Standard-Abo finden Sie auf abo.standard.at.
00:39:00: Und unsere Hörerinnen und Hörer können mit dem Rabatt-Code Standard vier Wochen lang das Angebot von Spiegel Plus für nur ein Euro pro Woche testen.
00:39:08: Alle Infos dazu finden Sie auf spiegel.de.
00:39:12: Alle Links und Infos stehen wie immer auch in den Show Notes zu dieser Folge.
00:39:15: Danke fürs Zuhören und allen, die auch hinter den Kulissen an diesem Podcast mitwirken.
00:39:19: Es waren diesmal Schold Wilhelm, Janis Schakarian und Christoph Neubild.
00:39:23: Ich bin Lucia Heisterkamp.
00:39:24: Ich bin Antonia Arbeiter-Raut.
00:39:26: Wir sagen Tschüss und Papa.