Inside Austria

Inside Austria

Der Podcast über die großen und kleinen Skandale Österreichs

Transkript

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00:00:09: In der Nacht auf den neunzehnten Jänner, kommt eine dreihundreißigjährige Frau auf dem Großglockner ums Leben.

00:00:16: Rund fünfzig Meter unterhalb des Gipfels erfriert sie.

00:00:19: Sie ist an diesem Tag mit ihrem Partner unterwegs.

00:00:23: Er schafft es zurück ins Tal.

00:00:25: Jetzt muss sich der Mann vor Gericht verantworten.

00:00:27: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor.

00:00:30: Weil er als erfahrener Backsteiger die Tour geplant hat, hätte er rechtzeitig Hilfe holen oder die Tour abbrechen müssen, so argumentieren die Staatsanwälte.

00:00:40: Die Verteidigung weist diese Vorwürfe zurück und spricht von einer tragischen Verkettung unglücklicher Umstände.

00:00:48: In dieser Serie von Inside Austria rekonstruieren wir den Fall.

00:00:51: Wir wollen verstehen, wie das Paar in diese Notlage geraten konnte, welche Fehler bei Hochtouren fatale Folgen haben können und ob das Urteil einen Präzidenzfall schaffen könnte.

00:01:02: Um den Fall besser einordnen zu können, sprechen wir mit jemandem, der die Route kennt.

00:01:07: Nicht das Beteiligte, sondern als erfahrener Alpinist, der sie selbst gegangen ist.

00:01:23: Adrian Fusco, du bist erfahrener Bergsteiger und teilst deine Begeisterung für den Alpinismus auf deinen Social-Media-Kanälen.

00:01:30: Die haben den Namen Elpine Summit, man findet dich auf YouTube, Instagram, TikTok.

00:01:36: Und du veröffentlicht dort nicht nur Tourenberichte, sondern gibst auch Tipps rund um Tourenplanung, Sicherheit am Berg usw.

00:01:43: Hi Adrian, danke, dass du dir heute Zeit nimmst.

00:01:45: Hi

00:01:45: Servus, freut mich total.

00:01:47: Adrian, der Großglockner, der gilt dir für viele als Klassiker unter den Bergen.

00:01:52: Wie anspruchsvoll ist der Glockner denn eigentlich wirklich?

00:01:56: Es hängt immer so ein bisschen ab.

00:01:58: Welche Hütte man wählt, viele gehen den Normalweg.

00:02:01: Der Normalweg ist unter den Hochtouren eher einfacher Hochtour, sollte aber deswegen nicht unterschätzt werden, ein Hochtour setzt gewisse Grundkenntnisse voraus.

00:02:10: Natürlich gibt es noch andere Routen hoch, wie zum Beispiel den Stühlgrad oder noch ein bisschen noch schwieriger Routen.

00:02:16: Der Stühlgrad setzt dann auch schon ein bisschen mehr Kenntnisse als für den Normalweg voraus.

00:02:22: Du warst ja selber auch vor kurzem erst oben.

00:02:25: Wie hast du die Tour denn in deiner Erinnerung?

00:02:27: Eigentlich total schön, muss ich sagen, weil so spät im Jahr funktioniert es normalerweise nicht, noch den Stühlgrad zu gehen.

00:02:35: Aber es ist eine Tour, die sollten auf gar keinen Fall unterschätzen.

00:02:39: Denn es gibt ein paar Schwierigkeiten und gerade wenn man es als Tagestour macht, ist es natürlich sehr lang aus.

00:02:46: Also da braucht es wirklich auch konditionell dann noch einige Reserven.

00:02:49: Jetzt gibt es die ganze Tour zwar eher auf YouTube zum Nachschauen, aber... Kannst du uns vielleicht nochmal kurz nach erzählen, wie die so ausschaut?

00:02:59: Ja, also im Endeffekt macht man Zustieg über die Stüdelhütte, ob man da jetzt übernachtet oder nur dran vorbeiläuft.

00:03:06: Ab der Stüdelhütte betreten wir dann auch den Gletscher.

00:03:09: Vom Gletscher gibt es mehrere Varianten, also es gibt schon die Möglichkeit, dass man da auch schon in den unteren Auslauf des Stüdelgrats einsteigt, so der Normalweg.

00:03:19: Man folgt noch ein bisschen über den Gletscher und steigt dann in den Stüdelgrat ein.

00:03:23: Von dort aus geht es dann direkt weiter zum Frühstücksplatzl.

00:03:26: Und ab dem Frühstücksplatzl ist eigentlich so, dass die Schwierigkeiten zunehmen im Gradverlauf.

00:03:31: Und man auch immer sagt, wenn man über das Frühstücksplatzl hinaus ist, muss man eigentlich durchsteigen, weil das Umkennen ist dann schwieriger als das Weitergehen.

00:03:40: Genau, Frühstücksplatzl auf ca.

00:03:41: ¾. der bleiben da noch so knappe ¾. bis zum Gipfel.

00:03:48: Kletterschwierigkeiten bis zum dritten Grad, das ist immer so grob.

00:03:52: Wenn man sich den Video anschaut, dann wird es ja eben grad ab der Kletterpartie, ab der Stuhlhütte einfach auch echt beeindruckend und technisch schwierig.

00:04:02: Jetzt muss man aber dazu sagen, da hat man ja echt schon viele Höhenmeter in den Beinen.

00:04:06: Also welche Rolle spielt denn da dann in dieser Höhe auch die Erschöpfung nochmal?

00:04:12: Ja, natürlich eine große Rolle.

00:04:14: Die ganze Tour ist so um die zweitausend Höhenmeter.

00:04:18: Und natürlich, ab zweieinhalb Tausend, je nach Typ, wird der Sauerstoff einfach weniger.

00:04:25: Und das spürt man dann.

00:04:26: Also es wirkt sich halt auf die Kondition aus.

00:04:29: Ich sage immer, es gibt einen Rahmen.

00:04:30: Also das ist erstmal der erste Rahmen, um so eine Tour zu machen.

00:04:32: Das ist mein persönliches Können oder Ausdauer.

00:04:35: Also einmal, wie viel Power habe ich für so eine Tour?

00:04:38: Habe ich davor schon mal so eine große Tour gemacht.

00:04:40: Und natürlich das technische Können.

00:04:42: Das ist ein Rahmen und dann gibt es natürlich noch... Die anderen, das ist dann, wie schwierig so eine Tour ist, also die Tourenanforderung.

00:04:49: Und zuletzt kommt natürlich noch das Wetter mit dem Spiel, was auch nochmal mit reinspielt, ob ich so eine Tour gehen kann oder nicht.

00:04:56: Du hast jetzt schon ein bisschen so beschrieben.

00:04:58: Was sind denn so wirklich die größten Gefahren, die da auch mit zunehmender Höhe bei solchen Touren eine Rolle spielen?

00:05:05: Die größte Gefahr, würde ich sagen, ist einfach durch das, dass man die Höhe merkt.

00:05:10: und schon so viele Höhenmeter in die Beine hat, dass die Konzentration nachlässt.

00:05:14: Weil man sich viel mehr darauf konzentrieren muss, oder man sich zusammreißen muss, dass ich da jetzt weiter gehe.

00:05:21: Das ist anstrengend, das kostet viel Kraft.

00:05:24: Und dann schwindet der Fokus so ein bisschen, weil ich halt natürlich damit beschäftigt bin, so, ah, meistens zah, und ich krieg so wenig Luft.

00:05:31: Und jetzt muss ich dahin langen und jetzt da noch eine schwierige Stelle.

00:05:35: Also, dass einfach die Konzentration weg von den technischen Schwierigkeiten, die jetzt der Fels oder der Grad bietet, zu meinem persönlichen.

00:05:42: Also, wie ich mich jetzt bewegt noch am Berg geht und dann passiert natürlich Fehler.

00:05:46: Ganz klar.

00:05:47: Du hast schon gesagt, ihr seid ja auch als Tagestour gegangen.

00:05:50: Wenn man jetzt so eine Winterhochtour macht, wie eben den Stüttelgrad am Glockner, welche Rolle spielt das so der Zeitplan?

00:05:58: Das ist ganz essentiell, weil ich im Winter ja ganz viele Themen habe, die ich zum Beispiel im Sommer nicht habe.

00:06:05: Allein schon, welcher Schnee ist da, wie viel Schnee ist da, ist es vereist, ist es nicht vereist, hat massive Auswirkungen auf die ganze Tour, also wie lange dauert es.

00:06:14: Und eigentlich brauche ich eine solide Zeitplanung, weil irgendwann gibt es immer den Punkt, also gerade im Winter muss man auch, wird oft vergessen, wir haben eine viel kürzere Tage, also es wird viel später hell und viel früher dunkel.

00:06:27: Deswegen ist es essenziell, dass ich mir einen Zeitplan zurechtlege.

00:06:30: Wir machen das immer so.

00:06:31: Wir sagen, wir haben Checkpoints auf der Route und sagen, wenn wir bis dahin die Zeit nicht gegangen sind, dass zum Beispiel, ich sag jetzt einfach, zwei Stunden zur Stüdelhütte, fünf Stunden zum Frühstücksplatz sind es einfach Zeiten, ob die Stimme nicht so wurscht.

00:06:45: Wenn ich dann nach sieben Stunden am Frühstücksplatz stehe, dann werde ich zum Beispiel ein Grund zu sagen, okay, gut, jetzt sind wir viel zu langsam, das wird nix, da müssen wir umdrehen.

00:06:54: Und wie ist es so mit Wetter, Temperatur, seid ihr da auch so, dass man das quasi, was auch nicht halbstündlich, stündlich neu beurteilt?

00:07:02: Also wenn das Wetter natürlich schon mal grundlegend schlecht ausschaut, das ist natürlich die Definitionssache von den einzelnen Personen, wie auch immer, macht man so eine Tour nicht.

00:07:11: Aber natürlich hat, wenn ich jetzt sage, ich starte beim Schneefall oder beim starken Sturm in so eine Route rein, das nochmal ganz massive Auswirkungen, also gerade Wind.

00:07:20: Überwächtung, zusätzliche Gefährdung und natürlich im Wind kühlt man viel stärker aus.

00:07:26: Und das ist dann auch so.

00:07:27: was, wenn man natürlich in der Gruppe sagt, Mai, es ist eh schon kalt und man ist ja nicht mal oben, sondern irgendwo weiter unten, wo es schon kalt ist, es wird ja nicht wärmer.

00:07:35: Und was man ja oft auch vergisst, nur weil man im Gipfel ist, hat man ja noch lange nicht die Tour geschafft.

00:07:40: Man muss ja auch noch runter.

00:07:42: Und das ist natürlich, das muss permanent bewertet werden, wie das ausschaut mit dem Wetter.

00:07:47: Du bist ja auch nicht allein den Stüdelgrad auf dem Glocknergangen, sondern mit anderen Bergsteigern.

00:07:53: Wie schaut's denn damit der Erfahrung aus?

00:07:55: Also wie viel Erfahrung sollt eine Seilschaft, eine Gruppe da mitbringen, wenn man so eine Winterbesteigung über den Stüdelgrad gemeinsam verantwortungsvoll machen will?

00:08:05: Also man soll sowas nicht zum ersten Mal machen.

00:08:08: Dafür ist die Tour im Winter zu speziell.

00:08:13: Es braucht auf jeden Fall schon mal vom Sommer jede Menge Hochturnerfahrung, das sind so die Basics und dann natürlich auch im Wintererfahrung, weil was man halt so jetzt nicht lernen kann, nur vom Sommer ist halt auch wie Schnee aufgebaut ist.

00:08:27: Also es braucht einfach, klar man kann im Netz schauen, Lawinen etc.

00:08:30: Es braucht einfach da viel Erfahrung.

00:08:33: und der Trupp, mit dem ich unterwegs war, wir sind oft im Winter bei Bergturn unterwegs.

00:08:38: Das Erfahrungslevel ist jetzt nicht gleich.

00:08:40: Es ist schon so, dass es ein bisschen unterschiedlich ist.

00:08:43: Aber sagen wir mal, der Unerfahrenste ist immer noch weit über jetzt dem Level, was der Stühlegrad jetzt im Winter bieten würde, wobei ich auch sagen muss, wir haben ihn natürlich total super gekriegt.

00:08:53: Also eher noch zu fasssommerlichen Verhältnissen.

00:08:57: Jetzt bist du ja selber schon seit vielen Jahren in den Bergen unterwegs.

00:09:00: Hast du auch schon Situationen erlebt, wo du gemerkt hast, jetzt wird es irgendwie gerade kritisch?

00:09:07: Ja.

00:09:08: habe ich, das ist bei mir meistens dann schon so eine Gefühlssache, also wenn man irgendwo einsteigt und das Gefühl einfach nicht passt.

00:09:16: Das fühlt sich komisch an.

00:09:18: Klar, oft... ist man natürlich da und sagt, naja, jetzt bin ich da schon so früh aufgestanden und zu weit gefahren.

00:09:23: Jetzt möchte ich das irgendwie machen, aber es ist tatsächlich, man entwickelt über die Zeit der Bauchgefühl und auf das kann man sich schon verlassen.

00:09:30: Es gibt natürlich auch noch externe Sachen, wo man sagt einfach, oh, da hat es zum Beispiel dann irgendwie frisch Sticker vom Weg weg gerissen oder man sieht einen frischen Felsausbruch.

00:09:39: Man sagt, hm, macht das jetzt Sinn, da drüber zu gehen, aber eigentlich meistens ist es schon das Bauchgefühl.

00:09:46: dass es sich einfach komisch anfühlt.

00:09:48: und dann sagt man auch, heute lieber nicht.

00:09:52: Wann ist denn, deiner Meinung nach, der Zeitpunkt, wo man Hilfe anfordern soll?

00:09:58: Auch wenn man vielleicht doch irgendwie das Gefühl hat, man könnte es noch alleine schaffen oder wenn man wirklich quasi nicht mehr weiter kommt, viele zögern da ja auch einfach, wenn sie in einer Situation sind, wo sie merken, uf jetzt wird's taf.

00:10:14: Ja.

00:10:15: ist schwierig, weil alle sind ja immer tatsächlich von einem gewissen Ehrgeiz getrieben, also ich auch.

00:10:21: Aber das muss natürlich differenzieren, wir reden ja hier von der Gesellschaft, das sind mehrere Leute.

00:10:25: Also spätestens dann, wenn ich merke, ich komme überhaupt nicht mehr voran und natürlich die Kollegen dann Feedbacken oder der Kollege Feedbackt und sagt, ich spüre meine Finger nicht mehr, also ich kann jetzt hier keinen mehr sichern, ich kann nichts mehr anfassen.

00:10:39: Und man dann sagt, man kann jetzt dann noch irgendwie... runter, wobei das ja bei dem Stühlegrad nicht so easy ist.

00:10:45: Du musst dann eigentlich schon immer nach oben durch.

00:10:47: Und es dann auch gefährlich wird, dass der halt einfach sagt, ich kann mich da nix mehr erhalten, dann ist einfach vorbei.

00:10:52: Dann muss man sich das eingestehen, dann macht es keinen Sinn.

00:10:55: Also da auch dann anzufangen mit zwei anderen, denen irgendwie durchzusichern und da durchzuziehen, macht dann keinen Sinn.

00:11:00: Dafür sind wir alle nicht ausgebildet.

00:11:02: Ich bin auch kein Bergführer.

00:11:03: Na, das ist schon auch eine Kommunikationssache in der Seilschaft, dass man da offen kommunizieren muss.

00:11:10: Und ich finde, wenn die Gesellschaft eingespielt ist, dann wissen die das.

00:11:13: Wenn jemand sagt, hey, passt es auf, mir geht es nicht gut, wir müssen da jetzt was machen.

00:11:17: Wie geht man denn da mit dem eigenen, ich sage es mal mit dem Ego, auch vielleicht ein bisschen mit dem Stolz um?

00:11:23: Weil es gesteht ja niemand gern ein, dass man sich vielleicht übernommen hat, dass man Fehlentscheidungen getroffen hat.

00:11:31: Und womöglich zögert man dann zu lagen, oder wie siehst du das?

00:11:35: Ja, ist ja ein ganz wichtiges Thema.

00:11:37: Ich habe mich damit auch schon... bei mir auf dem Kanal auseinandergesetzt, weil gerade in der heutigen Zeit mit Social Media ist natürlich das coolste immer Gipfel-Selfie und man sieht auch nur Gipfel-Selfies.

00:11:48: Was vergessen wird, der Abbruch gehört beim Bergsteigen genauso dazu wie Gipfel.

00:11:54: Wenn man sich Expeditionen oder auch große Alpinisten anschaut, die machen das nicht beim ersten Mal, das sind viele Versuche und wir sehen das Ergebnis.

00:12:01: Und ich glaube, man muss da einfach bewusst werden, dass das genauso dazukört, wie an einem Gipfel zu stehen, zu sagen, umzutrehen und zurückzugehen, auch wenn es ein noch so fuchst.

00:12:10: Es könnte nämlich, wenn man es nicht macht, dann einfach sein, dass der letzte Berg war.

00:12:14: Jetzt, was ja auch immer ziemlich umstritten ist, ist so das Thema sich trennen am Berg.

00:12:21: Wie ist das?

00:12:22: Gibt es Extremsituationen, in denen es tatsächlich Die richtige Entscheidung sein kann, sich zu trennen, wen zurückzulassen oder wie schaut das allgemein so aus?

00:12:34: Ja, das finde ich sehr schwierig, sehr situationsabhängig.

00:12:39: Es kommt finde ich immer auf den Zustand der Person drauf an, also ob das überhaupt noch geht.

00:12:45: Natürlich, ich höre jetzt mal den anderen Fall, man hat einen Unfall und eine Person kann nicht weiter und ich habe genau in dem Moment kein Netz.

00:12:55: dass ich sage, ich muss jetzt irgendwie da hoch.

00:12:59: Aber generell ist eigentlich immer zu sagen, dass man eine Person nicht alleine lässt.

00:13:03: Also gerade nicht im Winter, weil das geht meistens dann nicht gut aus.

00:13:07: Also sobald es, wer noch alle wissen, die so eine Tour gehen, sobald man sich nicht mehr bewegt und man Wind oder halt einfach kalte Temperaturen hat, du kühlst sofort aus.

00:13:18: Also das dauert keine zehn Minuten, dann ist es wirklich kalt.

00:13:22: Und da wird es wirklich schwierig.

00:13:23: Also ich glaube, das Abwägungssache ist es jetzt so dringend, dass ich wirklich sage, es gibt nur die Möglichkeit, wenn ich die jetzt alleine lasse, aber eigentlich geht es nicht.

00:13:34: Wie werden denn dann solche Entscheidungen gerade eben auch, wenn Fälle dann in den Medien landen, in der Alpine Szene so diskutiert?

00:13:42: Viel.

00:13:43: Also ich kriege da viel mit, weil es natürlich sehr ... ja.

00:13:49: Erst mal ist es natürlich so, es war keiner dabei, es weiß keiner.

00:13:52: Es kann nur jeder irgendwie schätzen oder vermuten, was da war.

00:13:57: Auf der anderen Seite ist es natürlich schon sehr richtungsweisend, weil ich glaube, jetzt unabhängig von dem Fall da, wo was passiert ist, ist es schon oft so, dass halt viele berggehen.

00:14:07: Das haben wir natürlich auch gemacht mit erfahrenen Leuten, also die weit aus erfahrener sind, weil wie soll man es auch lernen, wenn man die nicht hat, klar.

00:14:14: Aber in dem Moment vertraue ich halt der Person und die muss so viel Erfahrung haben, um das Praktisch für mich und für sich selbst einschätzen zu können, wie machen wir jetzt die Tour, um was geht da, um was geht nicht.

00:14:26: Ich kann sie gar nicht wissen, ich hab die Erfahrung nicht.

00:14:28: Und deswegen, glaube ich, ist der Fall dann schon auch interessant, was dann dabei so rein rechtlich hinten herauskommt, weil das wird oft praktiziert, also genau diese Konstellation.

00:14:39: Du nutzt ja Social Media, um Touren zu dokumentieren und was aber auffällig ist, dass du dass sehr, sehr transparent mit Risiken umgehst.

00:14:48: Also wer sich deine Videos anschaut, der sieht sehr oft Achtungsticker quasi und nochmal den Hinweis und Steinschlag.

00:14:55: Wie wichtig ist dir denn dieses Thema bei eben deinen Turnberichten und deinen Videos?

00:15:02: Ja, hat einen ganz hohen Stellenwert.

00:15:04: Es ist einfach so, dass ich oft sehe die Leute verwechseln im Berg mit einem Sportgerät.

00:15:10: Und es ist so subjektiv.

00:15:12: Es gibt viele gute Alpinisten, die sagen, ja, mei, das ist halt nicht schwer.

00:15:17: Und das ist halt, finde ich, für eine breite Masse ist es halt immer schwierig.

00:15:22: Der eine sagt, das ist nicht schwer, der andere sagt, war, ist total schwer.

00:15:26: Und deswegen habe ich in meinen Videos angefangen, dass irgendwie halt nach, es gibt ja der DAV und der Schweizer Alpenclub, die haben halt einfach Sachen definiert, also man es ein bisschen einstufen kann, ob das jetzt... die Kletter-Skala ist oder die Wander-Bergsteigenskala T-I bis T-V, damit man es einfach mehr vereinheitlich hat und dann unterscheiden kann.

00:15:46: Und das ist mir halt schon ganz wichtig darzustellen, wie schwer die Touren sind und vor allem das auch zu differenzieren.

00:15:51: Nur weil es ich easy gehen kann, heißt es doch nicht, dass für alle easy ist.

00:15:55: Und deswegen weiß ich auch mehr auf die Gefahren hin, als jetzt vielleicht andere machen, weil auch einfach so viel passiert.

00:16:01: Es ist so.

00:16:01: Viele Leute passiert viel.

00:16:04: Wenn man so ein bisschen den Bag-Algorithmus auf Instagram oder TikTok erwischt hat, dann kriegt man ja doch auch ziemlich viele recht waghalsige Darstellungen reingespielt.

00:16:13: Auf den Gipfel noch schnell in den Tracking-Schuhen rauf und da die Überschreitung mit quasi nur einer Laufweste und einer Trinkblase werden Hochtouren auf Social Media und durch diese Darstellung oft mal unterschätzt.

00:16:28: Ich glaube ja, also schon, weil es halt auch natürlich ein cooles Bild vermittelt.

00:16:36: Zustiegsschuhe mal schnell irgendwo und lässig mit der Weste und alles easy.

00:16:39: Klar, das ist lässig, das ist cool.

00:16:42: Ich glaube, man hat immer Verantwortung, wie man was ins Netz reinstellt.

00:16:45: Also ich kann das ja alles so reinstellen und kann aber dann irgendwie aber auch aufzeigen, dass ich halt seit seinem Kindergarten nichts anders mache, weil ich mit die Eltern in die Berge war, ich bin ein erfahrener Alpinist, dann ist das natürlich easy going.

00:16:56: Jemand, der nicht aus den Bergen kommt, für den wird das nicht easy going sein, aber der schaut sich an und denkt sich, ah ja, ist cool, machen wir einmal.

00:17:02: Und dann steht man da und sagt, oh, Problem, weil kommen gar nicht mehr zurück.

00:17:06: Kommen wir noch mal zu dem konkreten Fall vom Glockner.

00:17:11: Wir wollen da jetzt gar nicht zu viel über Einschätzungen oder so sprechen, weil das muss ein Gericht entscheiden.

00:17:16: Aber noch mal zusammengefasst, wie sehr beschäftigt dieser Fall jetzt wirklich gerade die Szene?

00:17:21: Kann man sagen, dass da alle gebannt nach Innsbruck schauen?

00:17:25: Ja, doch, also ich würde schon sagen, dass die Szene schon ... dran interessiert ist, was jetzt letztendlich rauskommt.

00:17:33: Es gibt natürlich viele Fragezeichen, also die im Vorfeld, was man so mitgekriegt hat, die natürlich unbeantwortet sind, die auch gar nicht beantwortet können, weil es keiner weiß, also aktuell.

00:17:45: Und also in meinem Umkreis ist da schon ein großes Interesse, also wie was da dann genau passiert und vielleicht was sich dann auch noch mehr erfahren lässt, was wirklich dort passiert ist.

00:17:56: Glaubst du, dass das Urteil, egal wie es ausfällt, richtungsweisend werden könnte dafür, wie man mit Verantwortung am Berg umgeht?

00:18:06: Eine gute Frage.

00:18:07: Ich glaube, es hat ein Einfluss drauf.

00:18:09: Also definitiv, wie es damit Verantwortung am Berg weitergeht.

00:18:15: Also ich glaube, da ist schon gerade auf diesem Bezug ein großes Interesse da, was da entschieden wird.

00:18:21: Adrian, vielen Dank für deine Einschätzungen.

00:18:23: Sehr gerne.

00:18:25: Mehr Videos von Adrian über seine Backtouren und auch über Sicherheit am Back findet ihr auf seinen Kanälen, die verlinken wir euch in den Show Notes.

00:18:33: Und alles Weitere zum Fall hört ihr in den anderen Folgen dieser Reihe von Inside Austria, überall wo es Podcast gibt und auch auf YouTube, auf der Standard.at und auf spiegel.de.

00:18:44: Unsere journalistische Arbeit könnt ihr am besten unterstützen, wenn ihr ein Abo abschließt, zum Beispiel für den Standard oder auch für den Spiegel.

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00:19:00: Danke auch an alle, die hinter den Kulissen an dieser Folge mitgearbeitet haben.

00:19:04: Wenn ihr Feedback habt, schreibt es uns gerne in die Kommentare oder hinterlasst uns eine gute Bewertung.

00:19:08: Ein paar Sterne freuen uns immer.

00:19:10: Das war InSight Austria.

00:19:11: Ich bin Antonia Raut.

00:19:13: Bis zum nächsten Mal.