Inside Austria

Inside Austria

Der Podcast über die großen und kleinen Skandale Österreichs

Transkript

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00:00:07: Heute hört ihr eine Inside Austria Live-Folge, die bei der Missing Link Podcast nach dem am fünfundzwanzigsten Februar

00:00:12: in Wien aufgezeichnet wurde.

00:00:14: Meine Kollegin Kim Höbel und ich, Bärte Hausbüchler vom Standard- und Kolumnistin Ingrid Brodnick sprechen dabei über gewalt

00:00:20: an

00:00:20: Frauen – speziell auch digitale Gewalt!

00:00:49: Ein Niederösterreicher gesteht, seine Lebensgefährtin ermordet zu haben.

00:00:53: Er ist bereits wegen häuslicher Gewalt amtsbekannt.

00:00:56: Diese drei Taten haben sich allein in den letzten Monaten in Österreich zugetragen und wir könnten die Liste an dieser Stelle noch fortsetzen.

00:01:03: Sie haben eins gemeinsam Es sind mutmaßliche Femizide Das heißt, die Opfer sind tot weil sie Frauen sind.

00:01:09: Solche Taten wie Antonia sie hier nennt sind leider nur die Spitze des sehr traurigen Eisbergs.

00:01:16: Viele Frauen in Österreich werden auch Opfer von häuslicher Gewalt, vom Missbrauch und anderen Übergriffen.

00:01:23: Wenn wir nicht schon im privaten Umfeld darüber sprechen dann hören wir von solchen Taten hauptsächlich über die Medien.

00:01:30: also wir sehen es im Fernsehen, hören es im Podcast oder lesen in den Zeitungen davon immer mehr aber auch in den sozialen Medien.

00:01:39: Und gerade diese sozialen Medien können eben auch Schauplatz von solcher Gewalt werden, vor allem von digitaler Gewalt.

00:01:46: Die folgenden Hasskommentare sind online überall einsehbar.

00:01:51: da steht dann zum Beispiel ich zitiere halte deine Lügenfresse oder auch die hat sich eh nur hoch geschlafen.

00:02:00: Das sind noch verhältnismäßig harmlose Beispiele für das was an Belästigungen und Bedrohungen online zu lesen ist, was Frauen da tagtäglich abbekommen.

00:02:11: Und ja wir wissen, wir haben uns kein vielgutthema für diese Liveaufzeichnung von Inside Austria heute ausgesucht aber es ist ein Thema das mindestens die Hälfte der Menschen in Österreich tagtägig betrifft nämlich Frauen.

00:02:25: Wir sprechen heute über Gewalt an Frauen und auch über die mediale Dimension davon worum's eben nicht egal ist wenn Schlagzeilen lauten Beziehungsdrama oder Bluttat aus Leidenschaft anstatt den Femizid beim Namen zu nennen.

00:02:42: Wir wollen heute aber nicht nur über diese direkte und eindeutigste Form der Gewalt sprechen, sondern auch über digitale Gewalt – und wie dadurch Menschen, Frauen in Onlineräumen zum Schweigen gebracht werden sollen!

00:02:55: Ich bin Antonia Raut vom Standard

00:02:57: Und ich bin Kim Höbe vom Spiegel

00:02:59: Und wir sind sehr froh dass wir über dieses harte Thema zu zweit debattieren müssen, sondern zwei Expertinnen bei uns auf der Bühne haben.

00:03:07: Nämlich einmal Berthe Hausbüchler vom Standard.

00:03:10: Sie leitet dort das Ressort Die-Standard – das geschlechterpolitische Ressord und hat dadurch natürlich oft auch mit Gewalt an Frauen zu tun!

00:03:17: Danke, Berthe, dass du heute da bist.

00:03:21: Genau, und die Kolonistin und Autorin Ingrid Brotnig

00:03:24: ist heute bei uns zu Gast auf der Bühne.

00:03:26: Ihr Buch Feindbild Frau beschäftigt sich eben vor allem mit diesen medialen Gewalterfahrungen von Frauen insbesondere von Politikerinnen.

00:03:35: Vielen Dank, Ingrid, dass du da bist!

00:03:43: Wir haben den Begriff des Femizids jetzt schon benutzt.

00:03:46: er hat sich auch in den vergangenen Jahren immer mehr etabliert.

00:03:49: aber Bärde bitte erkläre uns trotzdem noch mal zum Beginn was bedeutet eigentlich der Begriff Feminizid?

00:03:55: Ja, also der Begriff hat es mittlerweile aus feministischen Kreisen und auch aus Gewaltschutzkreisen hinaus in den Mainstream geschafft.

00:04:06: So die allgemeine Definition wie es verwendet wird ist dass das eine Tötung von Frauen oder Mädchen aufgrund ihres Geschlechts ist.

00:04:15: verschiedene Institutionen die WHO, die UN haben doch noch einmal genauere Definitionen.

00:04:21: Die sich in gewissen Feinheiten durchaus unterscheiden.

00:04:25: also beim Anken ist der Fokus stark auf die häusliche Gewalt, die betont wird.

00:04:30: aber grundsätzlich geht es eben um die Tötung von Frauen und Mädchen und das ist das Zentrale dabei dass man mit diesem Begriff die Gesamtgesellschaftliche die strukturelle Ebene abbildet.

00:04:43: Dass eben herausgestellt wird, das ist jetzt kein Einzelfall sondern es sind bestimmte Umstände die Tötungen an Frauen meistens begleiten zum Beispiel dass es der Partner oder der Ex-Bartner ganz, ganz überwältigen großen Teil der Fälle.

00:05:01: Dass es im häuslichen Bereich passiert, dass es im Rahmen von Beziehungsgewalt passiert.

00:05:07: Also das sind alles so Marker die ganz typisch für Femizide sind und man muss vielleicht dazu sagen Es ist noch immer ein politischer Begriff was ja auch etwas Gutes ist.

00:05:19: aber es ist kein juristischer Begriff und auch kein exakt wissenschaftlicher Begriff.

00:05:25: Es ist ein Begriff, wo man einfach auf eine geschlechte Hierarchie hinweisen kann und soll.

00:05:31: Aber es gibt eben in den vielen Ländern in Europa keine juristische Definition die dann auch zum Beispiel vor Gericht relevant wäre.

00:05:41: Okay also Täter werden jetzt nicht für einen Femiziden verurteilt sondern eben für die Tötung oder für den Mord versteht?

00:05:47: Genau!

00:05:47: Beate wie viel Femicide gibt das denn überhaupt in Österreich so im Jahr?

00:05:52: Also wir haben in den letzten Jahren circa zwischen fünfundzwanzig und dreißig Femizide.

00:05:58: Im vergangenen Jahr waren es deutlich weniger, da waren sechzehn Feminizide.

00:06:03: das ist natürlich ein womöglich positiver Trend.

00:06:08: aber ich muss sagen womöglich weil das ist auch das Problem daran Wir wissen nicht woran's denn liegt dass es hat zwei tausend achtzehn eine sehr hohe Spitze gegeben der war uns fast vierzig.

00:06:19: Aber das ist immer so.

00:06:19: das Problematische daran, dass man nicht weiß.

00:06:22: Ist das vergangener Jahr zum Beispiel ein Jahr wo es Zufall war, dass mehr Frauen massive Gewalt überlebt haben oder haben womöglich... Maßnahmen, die kürzlich ergriffen wurde vielleicht schon gewirkt.

00:06:38: Da ist zum Beispiel die verpflichtende Täterberatung von sechs Stunden vom Gewalttäterngemein, wenn sie aus einer gemeinsamen Wohnung weggewiesen wurden diese Beratungen jetzt machen müssen das gibt es noch nicht sehr lange und da wäre natürlich wahnsinnig wichtig und spannend zu wissen Hat das womöglich etwas genützt?

00:06:57: Das Problem ist eben, wir wissen es nicht.

00:06:59: War das jetzt ein zufälliger Ausreißer nach unten hin?

00:07:02: wird sich Heuer wieder einbändeln auf die fünfundzwanzig bis dreißig aber das ist ungefähr der Rahmen in dem wir uns derzeit leider bewegen.

00:07:11: also einfach viele Faktoren den so eine zählung mit reinspielen.

00:07:15: kannst du uns noch sagen so viel überblick?

00:07:17: wo steht österreich dann im internationalen vergleich?

00:07:22: Ja, da sind wir wieder beim Begriff Femizid und sogar bei der Definition von geschlechtsspezifischer Gewalt.

00:07:28: Das wird in jedem Land anders erfasst!

00:07:31: Also es gibt ja selbst im Österreich – in der Kriminalstatistik scheint nicht auf – in welcher Beziehung die Frauen zum Täter standen?

00:07:40: Wir können das kaum vergleichen.

00:07:42: Es ist ein Riesenproblem, dass diese Vergleichbarkeit nicht gegeben ist weil jede Polizei Gewalt unterschiedlich erfasst.

00:07:52: Es gibt wahrscheinlich Polizeistationen, wo eine geschlechtsspezifische Gewalt nicht mal alles so erfasst und registriert wird.

00:08:00: Insofern ist diese Vergleichbarkeit wahnsinnig schwierig.

00:08:03: Deutschland hatte zum Beispiel im Jahr acht Femizide.

00:08:09: Das muss man natürlich, Deutschland ist viel größer als auch ein Riesenproblem mit Gewalt gegen Frauen und mit Femiziiden.

00:08:16: aber das eben eins zu eins zwischen den Ländern zu vergleichen.

00:08:19: ich habe das oft versucht es ist nicht wirklich seriös.

00:08:23: Das heißt auch wenn Österreich da in manchen traurigen Rankings an der Spitze steht?

00:08:28: Ist es eigentlich schwer auch die Frage zu stellen warum sie jetzt gerade in Österreich so viele gibt weil eigentlich die Vergleichbarkeit so schwer.

00:08:35: Genau, die Vergleichbarkeit ist eben wegen der unterschiedlichen Erfassung oder wegen der fehlenden Definition so schwer.

00:08:42: Aber wenn wir noch einmal auf Österreich zu sprechen kommen es gibt schon ein Spezifikum in Österreich und zwar ist die weltweite Entwicklung schon so dass die Tötung von Frauen zurückgeht.

00:08:54: Bei uns ist es so in Österreich, dass wir eine sehr niedrige Mordrate haben aber dass wir innerhalb dieser niedrigen Mordratte eine konstant hohe Morddate an Frauen

00:09:05: haben.

00:09:06: also dieses Missverhältnis zwischen den Geschlechtern das ist in Österreich konstant und seit Jahren schon so und das scheinen wir nicht in den Griff zu bekommen.

00:09:16: Das ist wirklich ein Österreich-Spezifikum.

00:09:18: Du hast gesagt, der Begriff Femizide ist mittlerweile relativ etabliert.

00:09:23: Ingrid gerade im digitalen Raum ist aber oft immer noch Anstoß für Debatten und Diskussionen.

00:09:30: Du recherchierst da wahnsinnig viel eben auch zu Gewalt an Frauen wie mit- und überfrauen online gesprochen geschrieben wird?

00:09:38: Was fällt dir darauf in Bezug auf den Femicitbegriff und Gewalt?

00:09:43: Es gibt einen Versuch, Femicide als Thema wegzuwischen, klein zu reden.

00:09:51: Also zum Beispiel selbst in Fällen wo es eindeutig ein Femizid ist oder wo wirklich viel darauf hindeutet zb.

00:09:59: wenn eine Frau unmittelbar nach der Trennung daraufhin getötet wird dann postet schnell einen User.

00:10:07: das is kein Femiziert.

00:10:09: also es werden nicht nur die Fälle dazwischen oder die Unklarenfälle angezweifelt sondern Zum Teil gibt es den Wunsch, diese Debatte so nicht zu führen.

00:10:18: Dann ist es so dass auch eine Gefahrensituation sein kann für Frauen dieses Thema überhaupt anzusprechen.

00:10:26: Das habe ich in meinem Buch drin.

00:10:28: Ich hab's eher im Kontext der Problematik fehlender Verfolgung von Prungen gegen Frauen.

00:10:35: Das war, ich glaube, im Jahr.

00:10:36: ist es im Jahr oder im Jahr des Jahres, der hat die Feministin Beatrice Frasl auf Twitter damals noch darauf hingewiesen.

00:10:44: Ich glaube das war Februar, auf jeden Fall sehr früh im Jahr, dass schon sechs Frauen ermordet worden sind also sechs Femizide.

00:10:52: und dann hat jemand an sie geschrieben du bist die Siebte angezeigt, nachdem ja einige Menschen auch ich gesagt habe sie soll das anzeigen.

00:11:02: Das ist gefährliche Drohung, das Verfahren ist eingestellt worden.

00:11:06: wir haben in Österreich sehr viele Schwierigkeiten rund um den Tatbestand der gefährlichen Drohungen dass das oft nicht zu einer starken Ermittlung führt und das ist auch deswegen so relevant, dass eine Frau die feministisch das anprangert prompt eine eigene Ermordung angekündigt bekommt.

00:11:23: uns hat mir auch erzählt Also, dass sie zur Polizei gegangen ist um das anzuzeigen.

00:11:27: Sie hat erzählt, da hat der Polizist zu ihr gesagt, er hat sich wie ein Scherz erlaubt.

00:11:33: Ein schlechter!

00:11:35: Jetzt hast du ja schon von Trennung gesprochen.

00:11:38: Eifersucht und Trennungen sind oft irgendwie mit Femiziden verknüpft, sag ich mal.

00:11:44: Das ist aber jetzt generell nichts was nur Männer erleben.

00:11:47: Frauen genauso.

00:11:49: Warum inkredit denkst du das trotz dem Männer in solchen Situationen vielleicht potenziell eher zu Tätern werden?

00:11:55: Wenn man sich anschaut gewalt dann ... sind wir ja, dass Männer eher Täter bei Gewalt sind.

00:12:01: Das ist online und offline gleich.

00:12:03: Und das ist die Grund.

00:12:06: dahinterliegende Struktur – es ist die Sozialisierung wahrscheinlich im Sinne von wie gehe ich mit Problemen um oder wie reagiere ich in Situationen?

00:12:14: Da muss man davon ausgehen, dass zum Beispiel Burschen wenn sie heranwachsen sehr häufig ein gewaltvoller Umgang durchaus nahegelegt wird.

00:12:23: Also zum Beispiel, wenn es zu Rangeleien auch zur wirklichen Brügelein in der Schule kommt dann heißt schnell bei Burschen ja hohen zurück setz dich durch Frauen hingegen oder Mädchen hingegen lernen schon sehr früh zb pass lieber auf dich auf steck zurück und diesen dieses Problem lösen.

00:12:41: und umgang mit Gewalt kann so viele Formen annehmen.

00:12:45: das zweite ist natürlich diese Vorstellung von Geschlechtern würde ich mal vermuten, nämlich dass sich Frauen als mein Besitz sehe und quasi über dieses Gefühl die Partnerin ist nicht ein vollwertiger Mensch sondern sie gehört mir das noch einmal weniger wegstecken kann.

00:13:01: Also ich würde stark vermuten die Beate weiß das sicher tausendmal mehr aber da sehr viel in der Sozialisierung wie Burschen aufwachsen und auch wie gesellschaftlich Männlichkeit kommuniziert wird manche Formen des Umgangs normalisieren.

00:13:17: Nicht bis zur Ermordung, aber im Kleinen wird sehr viel Gewalt bei Männern auch mal hingenommen.

00:13:25: Beata, hast du sonst noch einen Gedanken dazu?

00:13:28: Ja also da würde ich schon als allererste sagen wir stehen einfach in der Tradition des Patriarchats und wir müssen uns vergegenwärtigen dass bis in den siebziger Jahren in Österreich ein Familienrecht herrschte bei dem der Vater einfach das Oberhaupt war.

00:13:43: Der Mann, der Vater war quasi der Chef und die Frau oder auch die Kinder waren ihm unterstellt.

00:13:50: Das ist noch nicht zu lange her und das wirkt natürlich immer sehr stark nach!

00:13:57: Und es hat sogar eine Studie gegeben vom Institut für Konfliktforschung, die eben auch das bestätigt was du gesagt hast.

00:14:04: Das Besitzdenken ein stark verankertes Besitz-Denken bei einem Mann ist ein Warnsignal für einen Femizid.

00:14:12: also Besitz Denken und die Neigung zum Beispiel die Partnerin oder eine andere Frau zu kontrollieren.

00:14:18: Also das sind ganz klare Hinweise dass diese gesellschaftliche Positionierung noch extrem stark inkorporiert ist in Männern und auch schon im Buben, dass sie einfach bestimmen können.

00:14:32: Und das es eine massive Grenkung für Männer ist wenn Frauen ihre Autonomie einfach beanspruchen und sich eben beispielsweise trennen wollen.

00:14:41: da gibt's einfach noch riesige Unterschiede darin wie Frauen und Männer darauf reagieren?

00:14:46: Gerade mit dem Extremfall des Femizids vor Augen wird dann ja Medienkritik rund um diese Vorfälle oft so ein bisschen weggewischt.

00:14:55: So im Sinn von, naja müssen wir da jetzt darüber diskutieren ob man jetzt Blut tat oder Beziehungstrama sagt?

00:15:01: Das ändert ja nichts an dem Fakt!

00:15:03: Da wird dann oft so fast schon vorgeworfen dass das den Diskurs verschieben würde.

00:15:09: aber warum ist es denn wichtig dass wir eben Femizide als solche benennen und nicht die Bluttat als Leidenschaft betiteln?

00:15:18: Naja, weil es für Methide quasi alles Naturgewalt beschrieben wird.

00:15:22: Wenn ich von Einversuchtsdrama spreche... Was bedeutet das?

00:15:27: Natürlich könnte man sagen naja die Leute wissen schon was dahinter steckt aber da hat Sprache einfach eine riesige Wirk macht.

00:15:34: Das wissen wir.

00:15:36: Und es ist nicht die Eifersucht, die einen packt und dann muss sich eine Frau töten.

00:15:42: Da gibt's ja offensichtlich klare Unterschiede zwischen Männern und Frauen, sondern dass sie seine Person war, die diese Tat gesetzt hat und nicht die Umstände – also das ist ganz wichtig bei Gewalt gegen Frauen -, verharmlosend eingeführt werden.

00:16:01: Und das ist eben bei so Beschreibungen wie Eifersuchtsdrama, Familien, Tragödie sind Erzählungen die Naturgewalten darstellen und Männer und ihre Aggressionen – es ist ja auch eine alte Erzählung, dass sie es nicht anders können oder auch die Frau als etwas Furchtbares provoziert.

00:16:21: Das sind ganz alte Bilder und Stereotypien mit denen wir es zu tun haben bewusst betienen oder nicht.

00:16:29: Und das ist eine medienethisch total wichtige Entscheidung und Reflexion.

00:16:34: vor allem

00:16:36: Wir wollen jetzt über noch zwei ganz konkrete Fälle sprechen, in denen es einerseits um digitale Gewalt und auch um Femizide geht Ein Fall, über den du auch in deinem Buch schreibst Ingrid.

00:16:46: Da spielt die Grünen-Politikerin Sigrid Maurer eine wichtige Rolle.

00:16:50: Der Fall ist recht komplex, hat uns auch medial alle lang begleitet.

00:16:54: Kannst du uns vielleicht noch mal ganz kurz zusammenfassen, worüber wir hier sprechen?

00:16:58: Ich versuche es kurz, weil dieser Fall ist so kompliziert aber auch heftig!

00:17:03: Die grünen Politikerin Siegred Maurer als ich gerade nicht im Parlament war, war am Weg ins Büro, ist sexistisch angemacht worden.

00:17:12: Im Büro öffnet sie ihren Facebook-Account und sieht Facebooknachrichten.

00:17:17: Und in zwei Nachrichten hat ihr jemand zu tiefstupszöne Botschaften geschickt, was er gern mit dir aufhören würde – und dass ihr dann auch zwei Euro dafür geben würdet.

00:17:26: so richtig, richtig tief!

00:17:28: Man kann es bis heute nachlesen.

00:17:30: Sie hatte juristisch keine gute Handhabe, das immer wieder bei der fehlenden Möglichkeit für Betroffene sich zu wehren und hat sich entschieden, sie macht das öffentlich.

00:17:39: Hat gesagt, das war der Betreiber des Bier-Lokals, des Biergeschäfts wo sie vorbeigegangen ist.

00:17:44: Weil es war von der Account dieses Geschäftes.

00:17:46: Dann hat er gesagt nein das war ja nicht und hat sich geklagt.

00:17:50: also krasse Situation Frau macht obszönen Nachrichten öffentlich und wird geklakt.

00:17:56: Also irgendwie das Gegenteil von dem man was man glaubt was rauskommen sollte.

00:18:00: Das war dann ewig lang.

00:18:01: Sie ist zuerst verurteilt worden Und da möchte ich kurz ein Detail aus dem Urteil sagen.

00:18:06: Ich habe die Formulierung nicht im Kopf ich gebe das jetzt sicher falsch wieder aber im Sukkus.

00:18:10: Der Richter selbst hat ihm der erste Instanz angemerkt, dass dieser Mann, der Betreiber des Lokals aggressiv quasi unangenehm aufgetreten ist.

00:18:18: Er steht in diesem Urteil drin aber er hat es im Quasi ausgelegt für die Geradlinigkeit das er sich so ärgert und sich so unfair behandelt fühlt.

00:18:27: also Es wird angemerkten, dass der eine aggressive Art hat.

00:18:30: Auf jeden Fall geht der Fall bis zum Höchstgericht.

00:18:32: Das wird aufgehoben.

00:18:33: Erfolg für Sigrid Maurer, der Typ zieht die Klage zurück andere Dinge gewinnt sie.

00:18:37: Das geht scheinbar gut aus und ich habe das im Buch drin.

00:18:40: Bis dahin ist es eigentlich ein Erfolgsbeispiel, wie eine Frau sich wert etwas sichtbar macht und sehr viel Unterstützung bekommt weil sie hat auch Geld in einem Klarksfonds gesammelt.

00:18:51: Nur ist das Heftige dass die Geschichte hier nicht wirklich ändert, weil der Bierwirt, der Betreiber dieses Geschäfts ist dann noch einmal stark in den Medien gewesen.

00:19:02: er hat seine Ex-Partnerinnen nach der Trennung erschossen und er ist auch verurteilt, und er sitzt im Maßnahmenvollzug.

00:19:12: Und da sind sehr viele Ebenen drinnen weil es natürlich einerseits interessant ist dass sein Mann solche Nachrichten höchstwahrscheinlich geschrieben hat.

00:19:21: in einem weiteren Seitenstrang eines anderen Gerichts wird auch davon ausgegangen das der dann seine Ex-Partnerin umbringt.

00:19:30: und die Sigrid Maurer hat mir dann erzählt Ihre Anwältin, die Maria Wintager hat damals auch gesagt das hättest du sein können.

00:19:37: Also das war auch immer.

00:19:38: die Frage ging wen hatte der eine Wut sozusagen und sie hat dann damals als Politikerin in der Regierungskonstellation ÖVP Grüne ein Gewaltschutzpaket losgetreten.

00:19:50: dass Geld für auch Männerberatung umgang mit Männern wenn Sie Aggressionen spüren möglich ist uns erzählt dann ist am Ende doch etwas zusammengebrochen war auch bei einer Traumotherapeutin in einer Sitzung, um abklären zu lassen ob sie da einen okayen Umgang damit hat.

00:20:08: Und dieser Fall meint er ist wirklich total eigen gelagert aber der zeigt auf so vielen Ebenen Gewalt gegen Frauen und auf so viele Ebene wie eigentlich unser Staat nicht wahnsinnig viel gemacht hat, außer dass der Mann jetzt die Maßnahmen vollzug sitzt.

00:20:27: Aber es ist auch manch eine Lücke sozusagen und nur ein Detail.

00:20:31: Sigurd Mauer hat das sehr viel gewonnen und wird auch Geld zurückbekommen.

00:20:36: Nur das kriegt sie nicht weil er sitzt im Maßnahmevollzug und wird da kein Geld verdienen so zu sagen.

00:20:41: Das ist jetzt nicht das Wichtigste aber das ist für betroffene Frauen oft ein Problem, dass sie auch selbst wenn sich gewisse Dinge gewinnen auf den Kosten sitzen bleiben.

00:20:51: Ja, dieser Fall betrifft jetzt doch auch eine Politikerin sehr zentral und über wie eben solche öffentliche Personen mit Backlash gerade auch online umgehen wollen wir dann noch ausführlicher sprechen.

00:21:02: Wir möchten noch über den zweiten Fall sprechen der sich bald zum fünften Maljert und der auch Kim sehr persönlich betroffen hat.

00:21:09: Genau ich war damals nämlich hier noch in Wien wohnhaft und weiß noch ich kam aus dem Urlaub zurück.

00:21:15: Ich habe schon von Weitem gesehen, dass irgendwie die Fassade unseres sonst sehr weißen Wohnhauses vor der Ruß war und kam dann näher.

00:21:24: Und habe gesehen, das ist die Trafik unten im Haus also Kiosk würde man Deutschland sagen oder Späti in Berlin ausgebrannt war.

00:21:31: und ich bin dann hoch zu meinen Mitbewohnerinnen und die haben erzählt es am Vortag Nadine W., Das war die Trafikantern bei uns im Haus mit Benzin übergossen wurde von ihrem Ex-Freund und hat dann sie den Laden in Brand gesetzt.

00:21:46: Sie eingesperrt, es haben noch Passanten versucht mit Einkaufswegen die Tür aufzubrechen.

00:21:53: aber erst die Feuerwehr konnte sie befreien Und sie ist auch im Krankenhaus gestorben durch die starken Verbrennungen.

00:22:00: Jetzt ist der Fall wie Antonia schon sagt er schon fünf Jahre her Aber beartig glaube ich Nicht nur mich, sondern auch die Medien sehr beschäftigt bis heute.

00:22:09: Was denkst du, woran liegt das?

00:22:12: Also, der Interessant daran ist, dass es eigentlich kein klassischer Femizid ist in dem Sinn wie sie sonst mal in den allermeisten Fällen passieren.

00:22:22: Ist am Arbeitsplatz passiert in einer Trafik also quasi in der Öffentlichkeit.

00:22:27: Das ist eigentlich etwas was bei Femizin sehr selten sind dir sehr, sehr oft wenn nicht in den allermeisten Fällen in einen eigenen vier Wänden passieren.

00:22:36: Also das ist etwas Außergewöhnliches auch die Form dass sie angezündet wurde.

00:22:42: also ich denke schon dass da so große Rolle spielt dass das eine besonders krasse Form eines Femizids ist und dass man natürlich anders damit umgeht.

00:22:56: problematisch wenn man versucht, das so herauszustellen.

00:23:00: Es ist trotzdem ein Femizid und wenn man hier quasi eine Hierarchie der Brutalität aufmacht ja?

00:23:08: Weil es gibt da immer so grad bei struktureller Gewalt zu diesen Willen dass man das bis zu einem gewissen Grad auslagert.

00:23:15: Das war dieser krasse Fall dieser furchtbare Femizzit Genau!

00:23:21: Und über den reden wir.

00:23:22: Aber es gibt laufend furchtbare Fälle von Femiziden und zum Beispiel heuer sind schon zwei Frauen erwürgt worden.

00:23:31: Also was das für ein Gewaltpotenzial voraussetzt?

00:23:36: Und es ist eine so schreckliche Tat, also natürlich ist das total nachvollziehbar dass man über diesen Fall redet.

00:23:43: wichtig und richtig, dass dort auch ein Gedenkstein ist.

00:23:47: Ich war vor einigen Wochen in Innsbruck und bin durch die Stadt gegangen.

00:23:51: Und dann habe ich ein ähnliches... Das war auch so ein kleiner Schrein mit verschiedenen Bildern von Frauen, die an Femiziden gestorben sind.

00:23:59: also das macht viel mit einem wenn man doch eine Stadt geht und einfach bemerkt daran wird gedacht.

00:24:07: Das ist ganz ganz wichtig.

00:24:09: Nur eben, wir dürfen keine Einzelfälle daraus machen und müssen einfach alle im Blick behalten.

00:24:15: Auch wenn das oft aus medialer Sicht weniger interessant ist die Kontinuität zu betrachten.

00:24:22: aber da müssen wir einfach hinkommen.

00:24:25: Absolut ja ich finde es auch total schön dass dort jetzt eben eine Gedenkstätte eingezogen ist wie du sagst weil was hätte man aus dem Raum sonst machen sollen?

00:24:34: Ja was medial dann doch auch oft eine sehr breit diskutierte Frage ist, gerade auch im Boulevard ist die Herkunft von Tätern.

00:24:43: Oft wird geweitert Frauen als importiertes Problem dargestellt.

00:24:49: Was sagen denn da eigentlich die Daten?

00:24:52: Also es gibt eine Untersuchung, die hat sich die Datverdächtigen von Femiziden zwischen Jahrzehnten und Jahrzehnzehnte angesehen dass diese Datverdächtige zu zweitrittel Österreicher waren und achtzehn Prozent waren die datverdäftigen Männer aus Drittstaaten.

00:25:14: Da sind sie überrepräsentiert im Verhältnis zur Bevölkerung, aber man muss sagen das Männer mit Migrationshintergrund Hier eine Alterskohorte haben, wo Männer generell mehr Verbrechen und mehr Gewaltverbrechen begehen.

00:25:30: Das heißt es ist sehr schwierig diese Sachen jeweils isoliert anzuschauen.

00:25:35: aber ja es stimmt Gewalt ist natürlich ein weltweites Problem und sicher kein importiertes Problem.

00:25:42: die WHO spricht von dreißig Prozent aller Frauen weltweit, sind irgendwann in ihrem Leben von Gewalt betroffen.

00:25:50: Das ist überall auf der Welt so und natürlich sind die Männer, die nach Österreich kommen nicht weniger gewalttätig als die, die hier immer schon gelebt haben.

00:26:00: Bleiben wir noch kurz bei den Tätern.

00:26:03: In der Berichterstattung wird denen oft sehr viel Raum eingeräumt.

00:26:07: Denken wir an den Fall in der Steiermark ermordeten jungen Frau, da wurden Schlagzeilen verbreitet in Richtung ich habe sie doch geliebt.

00:26:18: und wie sehr der Täter nicht geweint hat im Verhör das wurde auch sehr kritisiert dass er eben den Tätern so viel Raum gegeben wurde.

00:26:25: warum ist es ein Problem?

00:26:27: Weil es seine Perspektive eingenommen wird.

00:26:30: Also weil einfach das geht bis hin zu ja fast schon empathischen Blicken auf den Detail, dass man auf ihn schaut worunter er gelitten hätte wie eifersüchtig er war oder auch im Fall der Steirerin, dass er sich neben ihr kleingefühlt hatte.

00:26:49: also das wurde in einem Bericht sehr stark insuiert unter ihr als Person, dass sie erfolgreicher wäre gelitten

00:26:57: hat.

00:26:58: mag alles sein aber was hat das damit zu tun?

00:27:01: also?

00:27:02: Was ist das für eine Erklärung?

00:27:03: Was is' das für Eine Erzählung?

00:27:05: die ist völlig irrelevant.

00:27:06: Also es ist einfach ein Blick auf den Däter der derart in einen Reichtfertigungsdiskurs geht und auch schon so in einer Richtung Deta-Opferumkehr Die wir ja gerade bei geschlechter spezifischen Gewalt extrem oft haben vor allem bei sexualisierter Gewalt.

00:27:23: Was hat sie denn angehabt?

00:27:24: Sie hat zu viele Männer gehabt, also bis hin zur Ausbreitung ihres Sexuallebensvorgerichten.

00:27:31: Also das ist einfach wieder eine geschlechtsspezifische Betrachtung auf Männer und Frauen die hier bespielt wird und da muss man sehr vorsichtig sein.

00:27:41: Ich kann über den konkreten Fall nicht so viel sagen weil ich bin im Senat eins des Presserats Aber es gibt das größere Phänomen der Litication-PA.

00:27:55: Das heißt, dass auch manche Rechtsanwaltskanzleien, rechtsanwältinnenkanzlei bewusst versuchen in Medien zu kommen um eine Erzählung auch medial präsent zu machen die vor Gericht zum Beispiel mildernd wirken könnten.

00:28:10: und das heißt sie sind vielen Gebieten ein großes Thema mittlerweile inwieweit quasi die Erzählungen die dann die Verteidigung von Gerichten übernehmen möchte medial angestoßen.

00:28:21: Und im Journalismus hat auch eine Frage immer zum Beispiel, ich werde nichts nicht darum umherkommen die Verteidigung gar nicht zu zitieren.

00:28:30: Aber

00:28:30: z.B.,

00:28:30: wenn ein Beitrag nur noch da die Veteidigung bringt und das nicht einordnet wie ist es zum Beispiel in Fragezeichen?

00:28:38: Noch so ein gutes Beispiel sehen wir gerade was so die Verzerrung des Blicks auf den Täter angeht im Fall Jeffrey Epstein der gern in den Medien oder auch in Diskussionen als Monster bezeichnet wird Beate, warum ist gerade das so schwierig, den er zu entmenschlichen?

00:28:55: Ja, das ist wieder das Thema der Auslagerung.

00:28:58: Also die Gewalt an Frauen, die passiert durch Monster, dies ja also nicht durch Männer, nicht doch ganz normale Menschen – das ist gerade im Fall von Epstein.

00:29:09: oder auch wenn wir uns den Fall Billigot anschauen wo im Fall Bellico extrem oft von monströsem gesprochen wurde, ist das gerade in diesem Fall absurd.

00:29:20: Weil wir sehen ja wer war da mittendrin?

00:29:23: Honorige Wissenschaftler, Politiker, reiche Männer ganz normale Männer.

00:29:30: vor allem im Fall bellico sehen wir quer durch alle Schichten hat Dominic Bellico in einem Radius von nur fünfzehn Kilometer Männer gefunden, die bereit waren eine sichtlich setierte Frau zu vergewaltigen.

00:29:45: Also das hat mit monströs oder demonisch überhaupt nichts zu tun.

00:29:49: Das ist wieder so ein Versuch, das wegzustellen außerhalb dessen was alltäglich möglich

00:29:55: ist.".

00:29:56: Das gibt es übrigens auch online, das ist ganz interessant.

00:29:59: Wenn über Femizide berichtet wird, ist das ein häufiges Pustingverhalten, dass es heißt... Es ist so schrecklich was für Monster in unserer Gesellschaft leben.

00:30:07: also das ist natürlich auch eine Sprachwahl wo ich nicht auf das strukturelle Problem eingehe sondern quasi wie in einem Märchenunivers umso tuers ob's Menschen geben und daneben Monster

00:30:17: Aber es sind Männern und keinem Monster.

00:30:20: Wir haben im Vorfeld auch ein bisschen geredet zu dieser medialen Ebene Vielleicht etwas, ich fand das wichtig.

00:30:26: Weil ihr hattest es auch ursprünglich mit angedacht.

00:30:29: wenn man sich die mediale Berichterstattung anschaut und die Beate hat das schon hervorgehoben Es gibt einzelne Fälle die werden hervorgehoben oder es einzelne Opfer die werden er vorgehoben.

00:30:39: Und ich finde es gibt auch eine Auffälligkeit.

00:30:41: Das sind oft sehr junge und teils auch sehr gut aussehende Frauen.

00:30:45: Und wir haben ja eine krasse Verzerrung, dass es einen unsichtbaren Gewalt, unsichtbare Morde gegen Frauen gibt – zum Beispiel gerade ältere Frauen sind in unserer Gesellschaft oft ihnen unsichtbar und die eignen sich anscheinend nicht so gut als Thema.

00:30:59: Das ist natürlich das Allerärgste eigentlich!

00:31:02: Es ist nämlich ein bisschen eine unfaire Debatte.

00:31:04: wenn wir zwar gewisse Fortschritte machen dann kann die Influencerin hergezeigt werden mal nicht die Fotos aus dem Urlaub oder was weiß ich, wo man auch schon erkennen kann quasi eine adrette Person.

00:31:19: Aber die Unsichtbarkeit von Frauen, die nicht in Schönheitsideale reinpassen oder nicht die passenden Altersgruppen haben.

00:31:28: das ist schon ein ernsthaftes Problem.

00:31:32: welches Leid nehmen wir wahr und welches nicht?

00:31:35: Vor allem weil man an der Stelle auch sagen muss dass gerade zum Beispiel kürzlich in einem Artikel der Wiener Zeitung rausgestrichen wurde Rund die Hälfte, knapp die Hölfte der Femizide in den vergangenen Jahren mit unter Frauen über fünfundsechzig betroffen hat.

00:31:48: Dass sie dort Opfer wurden also dass sogar ältere Frauen eigentlich noch mal häufiger mit unter Opfer werden als eben die oft so doch präsenteren jungen Frauen.

00:31:59: Wir wollen jetzt trotzdem nochmal auf den Gewaltvorgang im digitalen Raum zu sprechen kommen.

00:32:07: Du hast in deinem neuen Buch Feindbildfrau vor allem untersucht, wie Personen der Öffentlichkeit dort mit Untergewalt erfahren und zum Schweigen gebracht werden sollen.

00:32:18: Du hast dich v.a.

00:32:19: auf Politikerinnen konzentriert!

00:32:22: Wie kam es dazu?

00:32:23: Weil wir in regelmäßigen Abständen von besonders krassen Felden hören – also in Österreich wäre das sowas wie die Secret Moura oder auch jetzt gerade Bertemain Reisinger wird oft massiv heftig beleidigt oder in Deutschland Renate Kühnerst, jetzt Riccada Lang.

00:32:42: Und wir kriegen teilweise Gerichtsverfahren mit.

00:32:45: Erstens gibt es oft schon keine gute Zusammenfassung wie das jemals insgesamt war – man kann nämlich Gebedereintrag nachlesen!

00:32:51: Ich wollte das systematisch aufarbeiten und mich hat auch interessiert was sind denn die wiederkehrenden Abwertungsformen?

00:32:57: Ich glaube sie sagen viel aus und ich habe zum Beispiel zehn Typen der wiederkehrenden Beleidigung und Bedrohung gegenüber Frauen herausgearbeitet.

00:33:06: Ich gebe nur ein paar Beispiele.

00:33:08: Das sind zum Beispiel Abwertungen basierend auf einer sexuellen Verwertungslogik.

00:33:13: Das wäre so ein klassischer Kommentar wie, dich will keiner ficken?

00:33:18: Wo quasi der Wert einer Frau schon einmal über sowas eingeführt wird sei es in die eine oder andere Richtung.

00:33:24: dann ist auch interessant.

00:33:25: das gibt natürlich sexualisierte Drohung.

00:33:28: Es geht teilweise gegen die Familie.

00:33:29: also Drohungen gegen die Familien- oder Kinder ist auch ein beliebtes Spiel.

00:33:33: und dann Dinge Auf den ersten Blick niederschwelliger sind aber für Frauen in der Öffentlichkeit ein ernsthaftes Problem.

00:33:41: Das ist das Kompetenzabsprechen, das Kleinmachen und das Hinterfragen des Intellects weil was den Frauen verweigert wird ist für vollgenommen zu werden.

00:33:52: Und das Interessante auch diese Punkte sind überlappend.

00:33:55: es gibt Postings die schaffen drei oder mehr Typen zu vermischen.

00:33:59: Oder ich finde auch ganz interessant Abwertungen mit Bezug auf andere Frauen.

00:34:04: Das ist so klassisch.

00:34:05: Dann postet jemand dumm wie und dann wird eine andere Politikerin genannt, oder ich habe einen FPÖ-Politiker in einem Buch zitiert die mir sexistische Nachrichten gezeigt hat unter anderem ein E-Mail wo jemand an sie adressiert geschrieben hat, ah jede Praterhauer ist mehr lieber als Sie!

00:34:21: Und das ist so interessant.

00:34:23: da merkt man es wie so die Hierarchisierung von Frauen die prostituierte als ist angeblich minderwertig, also eine sozial benachteiligte Gruppe in vielen Fällen und dann wird sie noch drunter geordnet.

00:34:37: Und warum?

00:34:38: Ich finde diese Gewalt hängt in vielen Punkten schon zusammen weil wir müssen gerade über digitale Prozesse, digitale Debatten so ein bisschen ist da die Gefahr das versucht wird sehr viele gesellschaftliche Errungenschaften zurückzubauen.

00:34:51: Das beginnt bei der Gleichwertigkeit der Frau dass die Frau eine vollwertige Gesprächspartnerin ist dass der Frau im öffentlichen Raum nicht zugestanden wird.

00:35:04: Wir reden da jetzt so ein bisschen abgeklärt über so extrem krasse Kommentare und also ich kenn's nur aus persönlicher Erfahrung, das schon ein Kommentar, der auch vielleicht nicht rein positiv ist, schon irgendwie unter die Haut gehen kann!

00:35:19: Wie haben deine Gesprächspartnerinnen das beschrieben?

00:35:21: Was macht so massive digitale Gewalt mit einem...

00:35:26: Ich habe einen Kapitel in Buch Da geht es um sexualisierte Drohungen, weil das ist eine widerkehrende Methode und eine Politikerin die im Buch auch zitiert wird.

00:35:37: Die erzählt von Fällen wo sie Vergewaltigungsdrohungen bekommen hat lastig vom N-Wort Tod ficken und das geht dann noch weiter.

00:35:46: Und wie schwierig es ist dass man da juristisch für diese konkreten Postings jemand verurteilt wird.

00:35:52: und Sie erzählten sich in der subtilere Drohung.

00:35:54: nur ganz kurz.

00:35:56: Vor ein paar Jahren, einige Jahre ist eine junge Frau in Indien in einem Bus von mehreren Männern brutalst vergewaltigt worden und ist dann auch gestorben.

00:36:04: Und als das war hat diese Politikerin einen Post auf Twitter bekommen mit der Aussage er würde ihr gern einen Busfahrt durch Indien spendieren.

00:36:13: und sie nennt es eine subtile Drohung.

00:36:15: also die schon sehr viel gewohnt, die hat auch unsubtilere Drohungen gewohnte.

00:36:19: und sie sagt Die subtile Drogen wirkt aber gleich wie die Unsubtiile.

00:36:24: und sie hat mir dann erzählt, sie ist als junge Frau selbst vergewaltigt worden.

00:36:28: Und jedes Mal wenn Sie so etwas liest fragt sie sich wie das wieder wäre?

00:36:35: Das ist bei digitaler sexualisierter Gewalt so wichtig dass diese ja nicht in einem luftleeren Raum passiert sondern einerseits Frauen passiert die sexuelle Gewalt zu erlebt haben und andererseits auch Frauen dass nicht in dieser heftigen Form erlebt haben, ja auch eine Welt aufwachsen, wo ihn von klein an gesagt wird pass auf.

00:36:57: Das heißt dieses nimm dich lieber zurück oder sei vorsichtig.

00:37:02: also das heißt all diese Post die rufen etwas hervor und sie doch erzählt nach einer Sendung von Anne Will hat sie so arg die Kommentare bekommen, dass sie eine Woche arbeitsunfähig war.

00:37:14: Und als sie dann beim nächsten, bei der nächsten Talkshow in der Sendung in der Maske saß, hat sie angemerkt wie sie zu zittern beginnt.

00:37:20: und das ist wie mit einer sexualisierten gewaltvollen Sprache versucht wird Frauen aus der Öffentlichkeit wegzudrängen.

00:37:28: Ich habe noch eine Frage, weil ich finde ... Also, ich hab den Fall auch in der Buch gelesen und das ist natürlich krass.

00:37:34: Und wie geht mir aber nicht aus dem Kopf?

00:37:36: Dass es auch ein bisschen feige ist, weil sich diese Täter eben digital verstecken hinter einem anonymen Namen oder halt sich da eher genau einfach verstecken können.

00:37:47: Kann man denn sagen, ob digitale Gewalt dann immer zu physischer Gewalt wird?

00:37:51: also beim Fall des Sigrid Maurer war's ja so, aber gibt's da irgendwelche Zahlen zu?

00:37:56: Ich kenne dazu keine gute Untersuchung.

00:37:58: Es gibt Indikatoren, dass es einen Zusammenhang geben könnte wo wir ein bisschen abseits von der sexualisierten Ebene.

00:38:07: Wir haben natürlich so einzelne Fälle Wo Menschen sich online radikalisiert haben und dann zu einer Tat schreiten Also wo zum Beispiel Leute so eine Wut auf das System oder auf Corona Regeln entwickelt haben Und dann einen jungen Studenten in einer Tankstelle auch erschießen.

00:38:23: ich würde eher sagen die Gefahr ist dass ein gesellschaftliches Klima erzeugt wird, in dem Gewalt zunehmend normalisiert wird.

00:38:31: Also eine Normenverschiebung ist das manche Formen von Gewalt gegenüber Frauen als notwendige Notwehrreaktion des Mannes gegenüber allzu feministische Frauen in solchen Communities dargestellt wird.

00:38:44: Da ist jetzt der am Ende der Zusammenhang belegbar.

00:38:47: jemand quasi misshandelt seine Freundin in einer Beziehung weil er diese Videos gesehen hat da, aber gesellschaftlich würde ich mich zumindest sorgen was das auslöst.

00:38:59: Das ist feige weil die Leute die solche Nachrichten schreiben das sind die allerersten die sehr auf die Anonymität achten und es ist aber mutig von Politikerinnen wie dieser sie wird den Buch auch namentlich genannt.

00:39:09: ich tu mir nur schwer öffentlich dann zu drüber reden.

00:39:12: dass ist mutig für eine politikerin.

00:39:14: darüber reden und das ist auch schon eine Verteidigungsform Und eine andere Politik, da ging es nicht um so sexualisierte Dinge.

00:39:22: Da wurden zum Beispiel auch ihre Kinder bedroht.

00:39:23: aber dir das nicht gesagt wie die Chisel-Beliko?

00:39:27: Die Scham muss die Seite werfen, aber so wechseln.

00:39:31: Man muss diese Scham irgendwo überwinden und das ist glaube ich ganz wichtig.

00:39:35: Das ist doch eine Art Selbstbehauptung.

00:39:37: Nicht Ich bin das Problem sondern das Problem sind die Leute, die sowas schreiben.

00:39:41: Du hast jetzt schon angesprochen dass eben drüber reden, schon mal ein extrem wichtiger Schritt ist es auch zu kritisieren das offen zu legen was man da eigentlich mitmacht.

00:39:51: Aber es gibt ja grundsätzlich auch sowas wie rechtliche Handhabe.

00:39:56: Wie war so deine Erkenntnis?

00:39:58: Wie oft waren da die Personen erfolgreich Beziehungsweise vielleicht auch?

00:40:03: Was kann man den Plattformen selber da irgendwie erreichen?

00:40:08: Ich kann ganz kurz sagen was ich glaube was das Wichtigste wäre Das allerwichtigste insgesamt wäre in Plattformregulierung, die wirklich einerseits die Auswirkungen von Algorithmen, ihr spalten das Potenzial zurückfahrt aber auf nationaler Ebene.

00:40:26: wäre es wichtig, gewisse Lücken zu schließen und ich sage nur ganz kurz.

00:40:29: Einem wiederkehrende Methode gegen Frauen ist die sexualisierte Drohung, die aus juristischer Sicht keine gefährliche Drohungen darstellt.

00:40:36: in vielen Fällen weil's nicht konkret genug ist, weil jemand nicht schreibt Ich stehe morgen um sieben dreizig in der Baumgasse vierunddreißig und vergewaltige dich auf der Türmatte sondern da steht drin du gehörst vergewaltet Und dann heißt es keine Absicht erkennbar oder nicht konkret genug.

00:40:51: wird nicht das gefährliche Drogen eingestuft Dann habe ich ein Problem.

00:40:55: Dann könnte ich es vielleicht als Beleidigung noch verfolgen, nur in Österreich muss die Beleitung vor Publikum mindestens drei anderen Leuten passieren und bei vielen E-Mails wird das nicht der Fall sein.

00:41:07: Jetzt haben wir eine krasse Situation einer Frau mit Vergewaltigung gedroht.

00:41:11: Es wird nicht aus Drohungen eingestuft und sie kann es nicht einmal als Belegung verfolge.

00:41:16: Und selbst wenn man's als Belebung vervolgen würde, wenns geht... dann ist das Problem, dass man ein Prozessrisiko hat.

00:41:22: Wenn man doch verliert, zahlt man den eigenen Anwaltanwalt in die Anwältin-Anwalt dagegen und die Prozesskosten.

00:41:29: kurz gesagt dieser Lücke wäre schließlichbar zum Beispiel mit einem neuen Tatbestand für sexuelle Gewalt.

00:41:36: es gibt verschiedene Konstruktionen.

00:41:38: Das Strafrecht kann sich auch ändern wenn sich die Gewalt ändert.

00:41:43: Wir kommen leider schon zum Abschluss.

00:41:45: Ich hätte noch eine Frage, habt ihr Tipps oder Ratschläge?

00:41:49: Wenn man sich jetzt nicht auf das System verlassen kann für hier die Zuschauer in einem Raum oder die Podcast-Hörerin was tue ich denn wenn ich Opfer von digitaler Gewalt werde?

00:42:00: Das Wichtigste ist, mal nicht alleine zu bleiben.

00:42:02: Ich kann zum Beispiel in einer WhatsApp-Freundinnengruppe mal schreiben was ich erlebe.

00:42:06: die werden oft schon Tipps haben.

00:42:08: Es kann auch ein Zugang sein dass ich es öffentlich mache.

00:42:10: das muss immer die betroffene Person für sich selbst entscheiden weil das kann noch verletzend sein so sagen war's da drin.

00:42:16: aber es kann auch eine Verteidigungsform sein und eine Sache wenn es gerade besonders wild ist dann kann man das Body-System anwenden.

00:42:25: Das heißt zum Beispiel der besten Freundin Zugang zum E-Mail-Prostfach, zum Social Media Account geben, dass die das monitort, dass sie notfalls was löscht oder dokumentiert falls man es anzeigen möchte.

00:42:37: weil Gewalt, digitale Gewalt will ja Menschen fertig machen.

00:42:41: Dass die sich auch unsicher fühlen oder nichts anderes denken und die Person ist besser Sie geht dazwischen spazieren oder macht ganz einfach etwas anderes und jemand anders hält das von ihr fern.

00:42:52: Beate, hast du noch was hinzuzufügen?

00:42:54: Naja nachdem in Österreicher nichts so viel über Hass gegen Frauen im Netz geredet wird.

00:42:59: Muss ich immer auf die Tipps von der Ingrid Brotnick zurückgreifen kann.

00:43:02: das hat nicht hinzufügen.

00:43:04: Dann hatten wir jetzt die perfekten Damen auf der Bühne.

00:43:07: Wir sagen danke dass ihr da wart und auch hier an die Veranstalter

00:43:12: Und danke ja auch an Euer liebes Publikum, dass ihr an diesem doch schon fortgeschrittenen Abend dieses ziemlich harte Thema noch mit uns hier diskutiert habt.

00:43:23: Vielen Dank liebe Beate Ingrid, dass sie euch die Zeit genommen hat!

00:43:26: Und wir sagen ein bester Insight-Austria-Manier ne?

00:43:29: Tschüss und...

00:43:30: Baba!

00:43:35: Insight Austria

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00:43:40: auf spiedelpunkt.de.

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00:44:18: Danke fürs Zuhören, und allen die hinter den Kulissen an diesem Podcast mitwirken!

00:44:23: Das war diesmal vor allem Christoph Neuwirt.

00:44:26: Ich bin Kim Höbe

00:44:27: Ich bin Antonia Raut.

00:44:29: Wir sagen Tschüss und Baba.