Der Podcast über die großen und kleinen Skandale Österreichs
00:00:06: Es ist der achte März, Sondag-Vormittag.
00:00:10: Beim Vorsitzenden des Stiftungsrats des ORF, Österreichs öffentlich-rechtlichem Rundfunk geht eine E-Mail ein – Absender Roland Weißmann bis zu diesem Zeitpunkt noch Generaldirektor des ORf.
00:00:23: Doch in dieser E-mail erklärt Weißman seinen Rücktritt.
00:00:27: Der Stiftungratsvorsitzende kann kaum glauben was er da liest.
00:00:33: Drei Tage ist es her, dass ihm und zwei anderen Mitgliedern des Gremiums Bilder-und Nachrichten von Roland Weißmann präsentiert wurden.
00:00:42: Sie dokumentieren wie der ORF-Chef eine Mitarbeiterin über Jahre zum Sex überreden wollte – Nacktfotos von ihr verlangt hat und ihr selbst unaufgefordert intime Bilder geschickt hat.
00:00:55: Darauf folgten hitzige Gespräche und Telefonate.
00:00:59: Weißman soll sich mit der Mitarbeiterin einigen und damit sicherstellen, dass nichts davon an die Öffentlichkeit dringt.
00:01:05: Die Frist für eine Einigung läuft noch bis Sonntag Nachmittag – doch jetzt einige Stunden davor schmeißt Weißmann plötzlich hin ohne das irgendein Dokument unterzeichnet ist!
00:01:16: Und wir wussten daher, dass es irgendwann an der Öffentlichkeit geraten wird und wollten dann nicht den Vorwurf hören, ihr wolltet's
00:01:23: das vertuschen.
00:01:24: Sie dürfen mir nicht vergessen, dass hier ein extremer Zeitdruck bestanden hat.
00:01:28: Nach diesem Tag beginnt in Österreich ein Kampf um die Deutungshoheit, in der Affäre weiß man.
00:01:35: Ist das Ganze ein Methu-Fall oder eine Intriege?
00:01:40: Ist der gefallene ORF-Chef Teta oder Opfer?
00:01:44: Ich bin Lucia Heisterkamp vom Spiegel
00:01:46: und ich bin Antonia Raut vom Standard.
00:01:48: In dieser Folge von Inside Austria.
00:01:50: schauen wir auf die zwei Seiten des ORF Skandals – dieses gefallenen Generaldirektor und die der Mitarbeiterin, die ihm Belästigung vorwirft.
00:01:59: Wir wollen wissen, warum in dem Fall inzwischen Ermittlungen gegen Frau laufen.
00:02:03: Und was die Rolle eines gut bezahlten ORF-Managers ist?
00:02:08: Der angeblich im Hintergrund die Stritten zählt!
00:02:23: Bevor es losgeht noch ein Hinweis – In dieser Folge geht's um schwere strafrechtliche Vorwürfe.
00:02:28: Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.
00:02:38: Ich hätte ja noch Verständnis wenn ... dieses Ultimatum oder diese Frist schon abgelaufen gewesen wäre, dass man dann die Flucht nach vorne antritt und sagt so ich trete jetzt zurück verstehe.
00:02:48: Das ist Anwalt Roland Gerlach hier kennt ihn schon aus der letzten Folge.
00:02:52: Er berät den ORF in der Affäre Weißmann.
00:02:55: auch er erfährt am Sonntag Anfang März vom Rücktritt des ORF-Chefs.
00:02:59: Der Stiftungsratsvorsitzende informiert ihn kurze Zeit nachdem die E-Mail bei ihm eingegangen ist Und auch Gerlacher ist sehr überrascht.
00:03:07: Es gab ja noch den ganzen Sonntage um Gespräche zu führen Und warum er das gemacht hat?
00:03:16: Schließlich müsste Weißmann ja selbst das größte Interesse an einer Vereinbarung zur Verschwiegenheit gehabt haben, meint Gerlach.
00:03:29: Vielleicht sind ihm einfach die Nerven durchgebrannt.
00:03:36: Oder er ist halt ein echter Kämpfer!
00:03:40: Die Kuh ist aus dem Stall.
00:03:42: Jetzt kämpfe ich!
00:03:43: Ich weiß es
00:03:43: nicht.".
00:03:43: Jedenfalls muss der ORF jetzt handeln und zwar schnell.
00:03:48: Es gab dann am Abend einen Termin, an dem zahlreiche Leute auch aus den diversen Direktionen des ORF teilgenommen haben Und daher weiss man uns sein Anwalt werden über Telefon zugeschaltet
00:04:00: Anwalt Roland Gerlach und die ORF-Vertreter pochen noch immer darauf, dass der zurückgetretene Generaldirektor Weißmann eine Übereinkunft mit der Mitarbeiterin unterzeichnet, die die Vorwürfe gegen ihn erhebt.
00:04:12: Da gab's dann aufs und ab – einmal ja es gibt eine Einigung, dann wieder nein es gibt keine, im Endeffekt war so das jetzt keine Gab!
00:04:20: Vor allem aber ist es eine Frage, die Die Teilnehmer der Runde an diesem Abend umtreibt Wie soll der ORF den Rücktritt des Generaldirektors am Montagmorgen öffentlich kommunizieren?
00:04:32: Roland Weißmann selbst schlägt offenbar vor, gesundheitliche Gründe zu nennen.
00:04:36: Er streitet ja ab, dass er die Mitarbeiterin Kerstin Ka belästigt hat.
00:04:41: Sprücht von einer einvernehmlichen Beziehung – was er aber zugibt ist, die Nachrichten und Bilder, die die Stiftungsräte gesehen haben geschickt zu haben.
00:04:50: Und die sehen für die anderen Beteiligten überhaupt nicht nach Einvernehnlichkeit aus!
00:04:55: Wissen Sie, das ist ja schon selten, dass ein Vorwurf der sexuellen Belästigung so gut dokumentiert ist.
00:05:02: Wie fair es jetzt ist, Telefonate, WhatsApps zu konservieren?
00:05:06: Ist eine andere Frage.
00:05:06: Aber es ist halt hier mal in nachdrücklicher Weise dokumentiert und es war auch dokumentiert, dass diese betroffene Frau nie ein intimes Verhältnis zu dem Herrn Weißmann haben wollte.
00:05:17: Das ist unmissverständlich dokumentiert.
00:05:20: Parallel wird der Kreis an Personen schon immer größer die die Vorwürfe kennen
00:05:25: Und wir wussten daher, dass es irgendwann an die Öffentlichkeit geraten wird und wollten dann nicht den Vorwurf hören.
00:05:31: Ihr wollt jetzt das vertuschen?
00:05:33: Irgendwann um Mitternacht ist klar – Die ORF-Vertreter kommen mit Weißmann auf keinen grünen Zweig!
00:05:39: Dann gab's keine Einigung, da hat man noch die Nacht abgewartet ob nicht doch noch irgendjemand sich rührt.
00:05:46: Am nächsten Morgen Montag der neunte März gehen dann fast zeitgleich zwei Pressemitteilungen raus.
00:05:52: Die eine ist vom ORF.
00:05:54: Darin heißt es.
00:05:56: In den vergangenen Tagen hat eine ORF-Mitarbeiterin gegenüber dem Generaldirektor Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben.
00:06:02: Roland Weißmann bestreitet diese Vorwörfe.
00:06:05: Die Erklärung des Anwalts von Roland Weissmann folgt nur wenige Minuten später.
00:06:10: Mein Mandant wurde vom Stiftungsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm von einer Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor vorgeworfen wird.
00:06:19: Weißman bestreitet alle Vorwurfe heisst das in der Mitteilung?
00:06:22: Trotzdem habe er sich entschlossen, zurückzutreten um Schaden vom Unternehmen abzuwenden.
00:06:28: Es sind zwei
00:06:28: völlig unterschiedliche Erzählungen die an diesem Morgen öffentlich bekannt gegeben werden.
00:06:34: In der einen ist Roland Weißmann mutmaßlich der Täter in der anderen das Opfer falscher Anschuldigung.
00:06:41: Der Kampf um die Deutungssoheit beginnt.
00:06:48: Ich möchte ganz zuerst mal sagen Sie können sich sicher vorstellen dass ich heute mit sehr gemischten Gefühlen hier
00:06:53: sitze.
00:06:54: Zwei Tage nach Weißmanns Rücktritt sitzt eine Frau in Grauem Schakett, in der Nachrichtensendung zip zwei.
00:07:00: Sie übernimmt den Chefposten im Sender – zumindest Übergangsweise!
00:07:04: Das ist eine unglaublich Ehre
00:07:05: das machen zu dürfen,
00:07:07: dieses Unternehmende leiten zu dürfen.
00:07:09: aber das wird eine herkules Aufgabe, das sage ich auch
00:07:11: ganz offen
00:07:12: nicht nur weil wir heute ein Bild vermittelt bekommen dass desaströs ist.
00:07:18: In return Herr isst eine erfahrene ORF-Journalistin Und sie will in diesem Moment erstmal den Durchblick bekommen.
00:07:25: Da wird jetzt die Compliance-Abteilung des ORF ganz viel zu tun haben, wir werden uns alles anschauen.
00:07:31: ich habe keine konkreten Dinge bis jetzt gesehen oder gehört.
00:07:36: da sind wir ganz am Beginn der Aufarbeitung.
00:07:38: Die Übergangschefin verspricht lückenlose Aufklärungen.
00:07:42: Sie hat bereits eine interne Compliance Untersuchung eingeleitet.
00:07:45: Die soll herausfinden, was genau zwischen Roland Weissmann und der Mitarbeiterin Kerstin Kerr vorgefallen ist.
00:07:53: Die Untersuchung wird von einer Juristin beim ORF und zwei Anwälten von einer externen Kanzlei durchgeführt.
00:07:59: Was Kritiker später bemängeln – die Anwältel haben schon in der Vergangenheit mit Roland Weißmann zusammen gearbeitet.
00:08:06: Sie haben ihn beraten als er die Verträge von Pius Strobel prüfen lassen wollte.
00:08:11: Pius Strohbill, das war dieser sehr gut bezahlte ORF-Manager.
00:08:15: Wir haben schon in der letzten Folge bei Ihnen gesprochen.
00:08:18: Der Vorgesetzte von Kerstin K., von dem Rodant Weißmann glaubt, dass er eine Beziehung mit ihr führt und, dass sich die beiden gegen ihn also Weißman verschworen haben.
00:08:28: Dazu kommen wir noch!
00:08:29: Erstmal schauen Sie jetzt also die Juristen – sie weiß man schon kennen den Fall an.
00:08:37: Siechten die Kommunikation zwischen den beiden.
00:08:40: Vom Zeitpunkt ihres Kennenlernens auf der Weihnachtsfeier, bis zum Kontaktabbruch im Juli, und
00:08:47: nach wenigen Wochen Anfang April ist die Untersuchung abgeschlossen.
00:08:52: Die Übergangschefin des ORF stellt die Ergebnisse der Öffentlichkeit vor.
00:08:56: Dieser Compliance-Bericht hat Weißmann unterm Strich entlastet.
00:09:01: Unser Kollege Oliver Dasgupta hat sich die zentralen Aussagen aus dem Bericht angesehen.
00:09:06: Entscheidend, weil er befund, juristisch soll es keine sexuelle Belästigung gegeben haben und auch keinen machtendes Brauch im arbeitsrechtlichen oder strafrechtlichen Sinne.
00:09:17: Was der Bericht Weißmann vorwirft
00:09:19: ist
00:09:20: ein Fehlverhalten am Arbeitsplatz.
00:09:22: Die Juristen halten schon fest das Senden- und Verlangen von intimen Fotos und wiederholte Aufforderungen eine Affäre einzugehen und Geschlechtsverkehr zu haben sein grundsätzlich geeignet die Würde einer anderen Person zu beeinträchtigen.
00:09:37: Aber sie hätten nicht eindeutig feststellen können, dass die sexualisierten Erworsen des ORF-Chefs für die Mitarbeiterin unerwünscht waren.
00:09:45: Denn Kerstin K hätte die Ernährungsversuche zwar abgelehnt aber selbst auch den Kontakt zu Weißmann gesucht und ihm stellenweise Hoffnungen gemacht – das es doch zu einer Beziehung kommen könnte!
00:09:57: Zur Erinnerung, Kerstin K. hatte ja nicht immer Haasch auf das Drängen nach Sex und die intimen Bilder von Weissmann reagiert sondern eben oft mit Augen zwingt kann.
00:10:08: Roli nein!
00:10:09: Das hatten wir doch schon so in der Art.
00:10:11: Weil, so sagt sie es, Weißmann eben der mächtigste Mann im ORF war und sie Angst um ihren Job hatte wenn sie ihn zu vehement zurückweist.
00:10:20: Einmal hat sie auch selbst ein Bild ihres nackten Oberkörpers geschickt damit er Ruhe gibt, sagt sie heute.
00:10:26: Die Juristen aus dem Compliance-Bericht schließen daraus aber, es hätte sich um eine Art einvernehmlichen Flirt am Arbeitsplatz gehandelt.
00:10:34: Was sie außerdem argumentieren – für die Mitarbeiterin Kerstin Kahr seien durch Weißmanns Avancen keine beruflichen Nachteile entstanden.
00:10:42: Immerhin arbeiteten die beiden ja gar nicht in derselben Abteilung und Weißman habe der Mitarbeiterin nie mit beruflichem Konsequenz gedroht wenn sie seine Annäherungsversuche ablehnte.
00:10:53: Auch deshalb liege keine sexuelle Belästigung vor, so die Kommission.
00:10:58: Dieser Bericht löste bei der Weißmann-Seite natürlich große Freude aus.
00:11:02: Weißman und sein Anwalt empfanden ihn als Komplettentlastung.
00:11:07: Alle Vorwürfe sollen damit quasi vom Tisch gefegt worden
00:11:12: sein.".
00:11:13: Wir müssen dazusagen – als dieser Bericht erscheint!
00:11:16: Da ist Kerstin Ka mit den Chats und Bildern noch nicht in die Öffentlichkeit gegangen... Nur ganz wenige Menschen haben bis dahin die Nachrichten und Fotos gesehen, die Weißmann ihr geschickt hat.
00:11:27: Und bei vielen entsteht durch den Komplexbericht der Eindruck ihre Vorwürfe seien komplett aus der Luft
00:11:32: gegriffen.".
00:11:33: Doch die Kritik an dem Bericht lässt nicht lange auf sich warten!
00:11:42: Ich
00:11:43: verstehe das Ergebnis der Kommission gar nicht.
00:11:46: Wenige Wochen nach dem bericht liegt der Jurist Roland Gerlach dem ORF-Stiftungsrat ein eigenes Gutachten vor… Und er kommt zu einem völlig anderen Schloss als Juristen der Compliance-Stelle.
00:11:58: Aus unterschiedlichen Gründen!
00:11:59: Die erste Annahme halte ich für unrichtig, dass die sexuelle Belästigung schon deshalb sehr unwahrscheinlich ist weil die beiden nicht in einer direkten Berichtslinie zueinander gestanden sind.
00:12:09: Der Arbeitsrechtler sagt, die Position des mutmaßlichen Täters ist nicht das ausschlaggebende Kriterium um zu bestimmen ob sexuelle belästigungen am Arbeitsplatz stattfindet.
00:12:20: Wenn der oberste Chef eines Unternehmens sich so verhält, dann ist das eine sexuelle Belästigung auch wenn die Mitarbeiterin ganz mal anders arbeitet und auch wenn es viertausend Mitarbeiter sind.
00:12:30: Das ist eine rechtlich im Gesetz nicht vorgesehene Begründung.
00:12:34: Es gibt auch zwischen Kolleginnen und Kollegen sexuelle belästigungen.
00:12:38: Auch das Roland Weißmann, der Mitarbeiterin keine beruflichen Konsequenzen angedroht habe, hält Gerlach nicht für entscheidend.
00:12:45: Auch das spielt bei der sexuellen Belästigung keine Rolle.
00:12:47: es geht darum ob ein Arbeitsumfeld geschaffen wird dass eine Frau und meistens sind sehr Frauen aufgrund des Vorgehens des anderen als unangenehm als feindselig als belastende empfindet.
00:12:57: Vor
00:12:58: allem aber über einen Argument in dem Bericht wundert sich Gerlacher Das Kerstin K., die Erwachsen vom ORF-Chef nicht entschiedener zurückgewiesen hat.
00:13:07: Das befremdet uns vielleicht alle ein wenig, dass die Betroffene sich schon auf einen sehr freundlichen... Ich würde jetzt nicht sagen Flirt-Donen aber schon sehr kameradschaftlichen Donen eingelassen hat.
00:13:18: Nur das entspricht ja auch nicht dem was in Europa gängige Rechtsprechung und Lehre ist Die Frau setzt die Grenzen Und wenn sie sich irgendwie flört mäßig verhält dann Aber immer sagt ich will keinen Millimeter weitergehen.
00:13:33: dann schließt das jedes Weitergehen des Mannes aus und der Herr Weißmann ist ständig weitergegangen.
00:13:39: Und genau das ist für den Arbeitsrechtler Gerlach der springende Punkt, die Kommunikation zwischen Weißmann und Kerstin Karzeige ganz eindeutig – dass Weißmann die Grenzen der Mitarbeiterinnen immer wieder überschritten habe.
00:13:51: Was ja auch ungewöhnlich ist, dass jemand immer wieder einer Frau sagt wie gerne mit ihr ins Bett gehen würde.
00:13:56: ich meine es ist ja auch eher grotesk nicht?
00:13:59: Was soll das?
00:13:59: Warum schreibt man solche
00:14:00: Wortseps?".
00:14:01: Da war er schon sehr beharrlich und sie war in der Zurückweisung dieser Erworsen ebenso beharrlig.
00:14:06: Und damit erfüllt das für mich schon ganz eindeutig den Datbestand einer ungewollten Annäherung, auch wenn sich jetzt nur verbal war – und das muss unangenehm sein!
00:14:15: Aus den Gründen bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass seine sexuelle Belästigung fertig
00:14:19: ist.".
00:14:21: Und dabei sei es nebensächlich warum Kerstin Ka die Erworsen von Weißmann nicht einringlicher abgelehnt hätte….
00:14:28: ob es daran lag, dass sie Angst vor seiner Macht hatte oder ob sie ihn eigentlich ganz sympathisch fand und ihm nur keine sexuelle Beziehung mit ihm wollte.
00:14:36: Aber klar war, dass sich diese Grenze immer unmissverständlich und ohne eine einzige Unterbrechung gezogen hat – immer!
00:14:44: Also das könnte der größte Idiot würde merken, da geht nix, das geht nicht.
00:14:49: Aber wie kann es sein, dass Gerlach zu einer völlig anderen Einschätzung kommt als die Juristen in dem Compliancebericht?
00:14:56: Ich glaube halt, dass ich ein moderneres – klingt das vielleicht blöd aber… Ein Verständnis der sexuellen Belästigung hat, dass eher dem europäischen Rahmenwerk entspricht.
00:15:06: Man kann sexuelle Beläßigungen sehr konservativ betrachten und man kann sie etwas moderner betrachen Und das europäische Rahmenwerk betrachtet sexuelle belästigen schon viel weitergehend als meine Kollegen, die in diesem Gutachten offenbar angenommen haben.
00:15:21: Das ist der Grund, warum wir da wahrscheinlich zu verschiedenen Einschätzungen gekommen sind.
00:15:29: Roland Gerlach ist nicht der einzige, der die Arbeit der Compliance-Stelle kritisiert.
00:15:34: Das was uns als Gleichberechnungsanwaltschaft sehr irritiert hat war dass es eine Compliance Stelle gab, die von vornherein eine Art Feststellung getroffen hat.
00:15:44: Das ist Sandra Konstatski.
00:15:46: sie leitet die gleichbehandlungsanwaltschaft in Österreich.
00:15:49: das ist eine staatliche Einrichtung die Betroffene bei Diskriminierung unterstützt.
00:15:54: Wenn Menschen am Arbeitsplatz sexuell belästigt werden, dann können sie sich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft
00:15:59: wenden.
00:16:00: Die wiederum gibt dann Empfehlungen an Unternehmen und Organisationen
00:16:03: ab.
00:16:04: Denn wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter angibt, am Arbeitsplatz sexuell Belästig zu werden, muss der Arbeitgeber aktiv werden.
00:16:12: Ich habe unmittelbar als Arbeitgebirn Abhilfemaßnahmen zu setzen und muss eigentlich die Person beschützen Und in dem Fall haben wir den Eindruck gewonnen, dass das so wie das gemacht wurde.
00:16:24: Dass es hier eher zu Benachteiligungen der Person kommt die ihre sexuelle Belästigung hier vorbringt.
00:16:31: Denn, so sagt Sandra Konstatski Es ist gar nicht die Aufgabe des Unternehmens Die Aussagen von Betroffenen also im Fall von Kerstin Ka infrage zu stellen.
00:16:41: Es gibt einen Weg wie man sexuelle Beleistigung geltend macht.
00:16:44: Das heißt ich hab mein Vorbringen Mein glaubhaftes Vorbringen Und dann entscheidet eine Gleichberechnungskommission oder ein Gericht darüber, ob eine sexuelle Belästigung vorgelegt ist oder nicht.
00:16:54: Der Arbeitgeber müsste aber gleich
00:16:55: handeln.".
00:16:56: Ein Unternehmen wie der ORF müsste also sofort Schritte einleiten, damit die mutmaßliche Belächtigung aufhört – zum Beispiel in dem der Mutmaßlige-Belästiger verwarnt wird.
00:17:07: Eine interne Compliance-Stelle kann dabei unterstützen welche Schritte sinnvoll sind.
00:17:12: Was sie aber nicht tun sollte, ist selbst zu beurteilen ob die Belästigungsvorwürfe zutreffen und das dann auch noch nach außen zu kommunizieren.
00:17:21: Das kann in solchen Fällen unseres Erachtens zu einer Täteropferumkehr führen, es führt auch dazu dass eine Art Litigation PR gestartet wird
00:17:30: Litigation PR, also PR-Arbeit die die öffentliche Meinung in einem Verfahren beeinflussen soll.
00:17:36: Und die Betroffene ist in keiner Weise geschützt weil ja ihr Vorbringen jetzt medial äußerlich als nicht wahr dargestellt wurde.
00:17:44: Gerade bei Belästigung am Arbeitsplatz sagt Juristin Sandra Konstatski ist eine sensible Beurteilung besonders wichtig Denn wenn es ein Machtgefälle gibt – zum Beispiel zwischen Chef und einfacher Mitarbeiterin, dann ist das für die Betroffene womöglich schwieriger, die Belästigung klar und deutlich abzuwehren.
00:18:01: Weil sie Angst vor Konsequenzen befürchten muss, wenn sie die Erworsen des Vorgesetzten ablehnt.
00:18:07: Deshalb hat Konstatski auch deutliche Zweifel an der Bewertung der ORF-Compliance Stelle.
00:18:13: Die Frage ist wie kommt sie zu dem Urteil dass das für Frau nicht unerwünscht war?
00:18:19: Wir haben nämlich im Gleichbehandlungsgesetz, und das ist ganz wesentlich eine Beweislastumkehr zu Gunsten der Betroffenen.
00:18:25: Also die Betroffene müssen es glaubhaft machen!
00:18:29: Und gerade in dieser Glaubhaftmachung da haben wir natürlich als Gleichberechnungsstelle sehr viel
00:18:34: Fallwissen.
00:18:36: wenn Dinge so zwischen menschlich passieren, also wo vielleicht auch keine Zeugen zeugenden sind.
00:18:41: Dann gibt es doch immer wieder Anhaltspunkte das wir beweisen können dass eben die Aussagen der Betroffenen glaubhaft sind warum etwas vielleicht eine sexuelle Belästigung war oder nicht.
00:18:51: und ich habe schwer den Eindruck dass das in der Kompleinstelle so vielleicht nicht in der Art beurteilt werden konnte.
00:19:00: Das heißt natürlich nicht, dass jeder flört am Arbeitsplatz.
00:19:03: Jeder Einladung zum Essen gleich eine Belästigung ist.
00:19:07: Das Problem kann nur darin liegen und da ist man in einer sehr hohen Position sehr gefordert, dass man sich bewusst ist.
00:19:15: Eine Avance oder eine Einladungen hat die Person, die ich da einlade auch die Möglichkeit das abzulehnen ohne zu befürchten, dass dann irgendwelche Nachteile passieren.
00:19:25: Und deshalb, sagt Sandra Konstatski, ist auch die höher gestellte Person in der Pflicht.
00:19:31: Sie muss sicherstellen, dass die Grenzen des Gegenübers nicht überschritten werden.
00:19:36: Ob Roland Weißmann das getan hat?
00:19:38: Die Kommunikation, die uns bekannt ist, sieht jedenfalls er nicht danach
00:19:43: aus.".
00:19:49: Herr Magister Weißman hatte ja von Anfang an bestritten, da es eine sexuelle Belästigung vorlag.
00:19:53: Das ist Oliver Scherbaum – ihr habt ihn schon in der letzten Folge gehört!
00:19:57: Er isst der Anwalt von Roland Weissmann.
00:19:59: Für ihn ist der Bericht der Compliance-Abteilung, der zentrale Beweis das an den Belästigungsvorwürfen gegen seinen Mandanten nichts dran sei.
00:20:07: Und mehr noch – die konnten auch nicht feststellen dass man gestern weiß mal einen beruflichen Druck ausgeübt hätte oder dass die behauptete Unerwünschtheit seines Verhaltens mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit vorlag.
00:20:20: und das ist dann auch der Kern der gesamten Causa weil ja über Wochen hinweg in der Öffentlichkeit der Eindruck erzeugt wurde Als stünde hier ein schwerwiegender Machtmissbrauch eines Vorgesetzten fest und die einzige unabhängige Untersuchung, die jemals durchgeführt wurde hat aber genau das nicht bestätigt.
00:20:36: Die Kritik der Gleichbehandlungsanwaltschaft oder des Arbeitsrechtlers Gerlach will der Anwalt Oliver Scherbaum nicht gelten lassen.
00:20:43: Das Wichtige ist dass man sich bei Beziehungen immer beides Seiten anschaut und die Einzige Stelle die es getan hat ist eben die OF-Compliance Stelle Und das muss man ja auch sagen, ganz unerwartet für den ORF.
00:20:55: zu dem Ergebnis ist das keine sexuelle Belästigungvorlag.
00:20:57: Warum?
00:20:58: Weil man sich eben die über vier Jahre hinweg andauende Kommunikation zwischen diesen beiden Personen angesehen hat und gesehen hat dass es hier wechselseitige Kommunikations gibt und auch wechsel- seitige Ernährungsversuche.
00:21:08: Wir wollen von Oliver Scherbaum wissen ob die Chats und Bilder, die wir einsehen konnten denn nicht schon den Eindruck vermitteln als hätte es hier ganz eindeutig einseitiger Erworsen gegeben.
00:21:20: Sie haben ja auch nur selektive Auswahl von Chat-Nachrichten, nämlich die, die der Falter oder auch immer ihnen die gegeben hat vorgelegt hat.
00:21:28: Aber es ist halt keineswegs
00:21:29: vollständig.".
00:21:30: Tatsächlich hat Kerstin Kahn nicht die gesamte Kommunikation zwischen ihr und Weismann vorgelegt.
00:21:35: Was sehr bezeichnend ist für den Inhalt dieser Kommunikations, weil es gibt überhaupt keinen Anlasspunkt der Artikelkommunikation hinkriegt anzuhalten und nicht vorzulegen wenn sie unbedenklich wäre oder den eigenen Standpunkt stützt.
00:21:46: Zur Erinnerung Weißmann behauptet, er habe die angeblich entlasteten Nachrichten gelöscht.
00:21:51: Auf Wunsch von Kerstin K. Deshalb könne ER sie jetzt nicht mehr veröffentlichen!
00:21:56: Kerstinkar dagegen sagt, Sie haben nur die Bilder und Nachrichten zurückgehalten in denen es zum Beispiel um ihr Kind geht – die wolle sie nicht veröffnlichen.
00:22:05: Wir wollen dann noch etwas vom Anwalt Oliver Scherbaum wissen.
00:22:09: Warum hat sein Mandant an jenem Sonntag im März von selbst beschlossen zurückzutreten?
00:22:15: Obwohl es ja noch keine Vereinbarung zu verschwiegen hat mit Kerstin Kargab.
00:22:19: Es ist eben nicht so, dass sich Freiwillige zum Rückzug entschlossen hat sondern tatsächlich wurde ihm von Beginn an vermittelt nämlich durch diese Stiftungsratspitze das sein Rücktritt alternativlos sei.
00:22:30: Es wurde auch im Wiederholter erklärt, es sei völlig unerheblich ob die Vorwürfe, die erhoben wurden zutreffen oder nicht.
00:22:38: Allein die mögliche Veröffentlichung dieser Vorwürfe und entsprechend der Bildmaterialien- und Chatnachrichten würde diesen Rücktritt notwendig machen.
00:22:47: Oliver Scherbaum sagt, der ORF hätte die Vorwörfe zunächst intern prüfen lassen müssen – bevor er den Generaldirektor zum Rücktrit auch fordert.
00:22:56: Der Stiftungsrat hingegen meint das Material war so belastend dass man Sofortschritte setzen und unbedingt verhindern musste, dass es an die Öffentlichkeit dringt.
00:23:05: Weißmanns Anwalt kann diese Argumentation nicht nachvollziehen.
00:23:08: Wenn man sich dann überlegt, dass der Rücktritt von Magister Weißman gerade damit gefordert wurde, dass eine öffentliche Eskalation und einen Schaden für den OF verhindert werden müsse – und nachdem wann der Rückdritter folgt war ausgerechnet die Stiftungsspitze unter OF selbst die Vorbefür veröffentlicht und damit für diese Eskulation
00:23:25: sorgt,
00:23:26: die angeblich vermieden werden hätte sollen, ist das schon ein massiver Widerspruch dieser Kauser.
00:23:31: Warum Roland Weißmann dann selbst zurückgetreten ist?
00:23:34: Das erklärt sein Anwalt so.
00:23:36: Ich darf mir nicht vergessen, dass hier extremer Zeitdruck bestanden hat.
00:23:39: Es ging über ein Wochenende und man hatte ja jetzt nicht Zeit gehabt, großartige Vereinbarungen schriftlich zu schließen.
00:23:45: Tatsache ist es, dass es eine grundsätzliche Einigung gab, dass man Stilschweigen behält.
00:23:50: Und der einzige, der kein Stilsschweig behalten hat war die ORF
00:23:53: selbst.".
00:23:55: Der ORF bestreitet – das es diese Einigung gibt.
00:23:58: Klar ist, Schriftlich unterzeichnet war nichts!
00:24:02: Trotzdem sieht sich Weißmann als Opfer einer Erpressung.
00:24:06: Seine Erzählung auf Grundlage von falschen Vorwürfen, was der Compliance-Bericht bestätigt habe sei er zum Rücktritt gezwungen
00:24:15: worden.".
00:24:16: Und es bleibt nicht beim Rücktritteilsgeneraldirektor!
00:24:19: Als der Bericht der Complcienceabteilung Anfang April vorliegt entlastet der Roland Weißman zwar vom Vorwurf der sexuellen Belästigung im rechtlichen Sinne – aber kurz darauf verkündet der Sender
00:24:30: Der ORF verlangt von seinen Führungskräften allerdings nicht bloß die Einhaltung zwingenden Rechts, sondern ein sehr hohes Maß an Integrität und Unterlassung jeglichen Verhaltens das geeignet ist dem Unternehmen zu schaden.
00:24:42: Jeder Anschein eines einer Führungskraft unangemessenen Verhaltenz ist daher zu vermeiden.
00:24:48: Daher wird der ORF das angestellten Dienstverhältnis mit Roland Weißmann unter Einhaltungen der gesetzlichen Vorgaben- und kollektivvertraglichen Kündigungsfrist auflösen.
00:24:58: Nach seinem Rücktritt als Generaldirektor war Roland Weißmann wieder das geworden, was er vorher war – normaler ORF-Mitarbeiter.
00:25:06: Jetzt aber erklärt der Sender für den Weißman über dreißig Jahre gearbeitet hat seine Kündigung.
00:25:19: Während all das passiert hört man von Roland Weissmann selbst nichts!
00:25:24: Es ist ein Anwalt, der Pressemitteilungen für ihn herausgibt.
00:25:27: Der gestürzte URF-Chef selbst gibt keine Interviews, macht keine Postings und gibt keine persönlichen Stellungnahmen ab.
00:25:35: Doch das ändert sich nach seiner Kündigung.
00:25:37: Dann kam über WhatsApp eine Einladung an ausgesuchte Journalistinnen und Journalisten.
00:25:45: Mit April geht Weißmann selbst an die Öffentlichkeit – mit einem Hintergrundgespräch und jeder Menge Presse!
00:25:52: Unser Kollege Oliver Dasgupp da ist auch eingeladen.
00:25:55: Das Treffen findet in einem schicken Lokal am Wiener Donaukanal statt.
00:25:59: Viele bekannte Gesichter aus der Medienwelt sind
00:26:01: da.".
00:26:02: Auf den Tischen stehen Getränke und Brötchen, statt eines informellen Austauschs wie man es sich von einem Hintergrundgespräch erwarten würde, wirkt das Ganze eher eine Pressekonferenz.
00:26:11: Die Journalisten dürfen Fragen stellen – und weiß man uns ein Anwalt wiegen jede Antwort sehr genau
00:26:18: ab!
00:26:23: Zitate durften veröffentlicht werden, aber nur nach Freigabe durch Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum.
00:26:32: Der ehemalige URF-Chef Weißman sitzt neben seinem Anwald am Ende des Tisches.
00:26:38: Man sieht ihm an dass er keine einfachen Wochen hinter sich hat
00:26:41: Mundwinkel nach unten gezogen sehr verkniffen ab und zu hatte ein bisschen gelächelt Aber der war schon sehr angespannt.
00:26:50: Die meiste Zeit überlässt er seinen Anwald sprechen Und die Statements der beiden wirken vorbereitet.
00:26:58: Message Control, das ist so ein Begriff den wir aus der Ära des Exkanzlers Sebastian Kurz kennen.
00:27:03: Das heißt bestimmte Botschaften sollen kontrolliert an die Öffentlichkeit gebracht werden um das eigene Narrativ zu verankern.
00:27:12: Genau so ist es auch bei diesem Hintergrundgespräch.
00:27:14: Im Grunde wiederholen Weißmann und sein Anwalt immer wieder mantraartig, was der auch zu uns im Interview sagt.
00:27:21: Dass es hier wechselseitige Kommunikation gibt – und auch wechselzeitige Annäherungsversuche!
00:27:25: Und deswegen können selektiv herausgenommenen Nachrichten niemals ein vollständiges Bild ergeben in einer Beziehung.
00:27:31: Ob Belästigung oder Beziehungen das hatten wir ja schon….
00:27:35: …und dann sprechen Weißmann und sein anwalt über die Kündigung für die es aus ihrer Sicht keinerlei Grundlage gibt.
00:27:42: Schließlich habe er der Compliance-Bericht Weissmann ja reingewaschen.
00:27:46: Weißmann sagte, er wäre sich gegen die Kündigung und am Arbeits- und Sozialgericht Wien seine Klage eingebracht worden.
00:27:56: Es war klar, Weissman will Geld – sehr viel Geld!
00:28:00: Er fordert insgesamt rund drei Komma neun Millionen Euro vom ORF an entgangenen Bezügen und auch schadensersatz wegen Rufschädigungen.
00:28:12: Die Botschaft, die dahinter steckt ist – mir wurde übel mitgespielt.
00:28:16: Deshalb der hohe Schadenersatz!
00:28:18: Ich bin das Opfer volle Flucht nach
00:28:21: vorn.".
00:28:21: Unser Kollege Oliver Dasgupta glaubt, dahinter könnte auch eine Strategie stecken.
00:28:27: Vielleicht pokert Weißmann darauf, dass sich der ORF diesen Prozess ersparen will?
00:28:32: Der dürfte nämlich ziemlich zäh und langwierig werden ….
00:28:36: Und für den ORF würde er wohl vor allem eins bedeuten….
00:28:39: Auf jeden Fall viele negative Schlagzeilen, das wäre sehr unangenehm und vor allem auch sehr teuer.
00:28:46: Auf mich wirkt es so als ob die Weismann-Seite die Zukunft deshalb geschildert haben könnte weil sie eigentlich den Druck maximal erhöhen wollte auf den ORF um eben zu einer Lösung oder einem Vergleich zu
00:29:01: kommen.".
00:29:01: Es könnte also sein dass Weissmann den Prozess gar nicht wirklich eskalieren lassen will.
00:29:06: Es ist aber nicht nur sein alter Arbeitgeber, gegen den er rechtlich vorgeht.
00:29:14: Während Weißmann Mitte April mit seinem Gespräch mit der Presse die Flucht nach vorne antritt hat er im Hintergrund längst weitere Schritte eingeleitet und zwar gegen die Frau, die ihm Belästigung vorwirft.
00:29:27: Er hatte eine Anzeige eingebracht.
00:29:29: Eine Anzeigel gegen Kerstin Kar und ihren Anwalt.
00:29:34: In dieser Anzeuge wirft Weißman der Mitarbeiterin Kerstine Kar zwei Dinge vor.
00:29:39: Erstens, dass sie die Telefonate mit ihm heimlich mitgeschnitten und die Aufzeichnungen weitergegeben hat.
00:29:45: Das ist in Österreich grundsätzlich verboten!
00:29:47: Der zweite Vorwurf wirkt deutlich schwerer.
00:29:50: Erlautet?
00:29:51: Erpressung.
00:29:53: Weißmann und seine Anwälte argumentieren so.
00:29:55: Kerstin Kahr und ihr Anwalt hätten im Grunde nach dem Motto agiert – Entweder du trittst zurück und zahlst die Anwaltskosten oder einen Spende an ein Frauenhaus Oder die Chats und Fotos werden an die Öffentlichkeit durchsickern.
00:30:09: Dazu muss man sagen, die Forderung nach einem Rücktritt und einer Spende bei einer sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz ist erlaubt und auch üblich, sagen uns Arbeitsrechtsexperten – und dass die Vorwürfe durchsicken könnten liegt nicht in der Verantwortung von Kerstin Kahr.
00:30:25: Trotzdem, die Staatsanwaltschaft sieht den Weismannsdarstellung offenbar zumindest einen Anfangsverdachter füllt.
00:30:31: Sie beginnt zu ermitteln!
00:30:33: Und obwohl sich die Anzeige nur gegen Kerstin Kah und ihren Anwalt richtet, wird darin noch jemand erwähnt.
00:30:40: Da kommt eben der Name Pius Strobel ins Spiel?
00:30:44: Hier sind wir wieder bei dem ORF-Manager über den wir schon öfter gesprochen haben –
00:30:49: der
00:30:49: Vorgesetzte von Kerstine Kahm, der sie einst Roland Weißmann bei der Weihnachtsfeier vorgestellt hat!
00:30:54: Der Mann, von dem Weißman heute glaubt, er würde eine romantische Beziehung mit ihr führen….
00:30:59: aber nicht nur das Weißmann glaubt auch, dass Pius Strobel bei seinem Sturz als ORF-Chef im Hintergrund die Fäden gezogen hat.
00:31:09: Genau das behauptet er in der Anzeige.
00:31:12: Um diesen Vorwurf besser zu verstehen, müssten wir noch ein bisschen mehr darüber sprechen, wer dieser Pius-Strobel eigentlich ist – Der Mann, den der österreichische Boulevard auch Gagenkaiser nennt!
00:31:39: Strobel hat in den Jahren auch mehr Geld verdient als Roland Weißmann, der Generaldirektor.
00:31:47: Er war zum Beispiel für den riesigen Umbau des ORF-Zentrums am Königlberg zuständig oder für die Umsetzung des Eurovision Song Contests.
00:31:59: Dabei hat er seine Karriere ganz anders begonnen.
00:32:05: Pius Strobel, Jahrgang in den Jungen, beginnt seine berufliche Laufbahn bei der Gendarmerie.
00:32:11: Ein Sicherheitsorgan, das es in Österreich früher mal gab.
00:32:14: Vor etwas mehr als zwanzig Jahren wurde die Gendarmarie dann mit der Polizei zusammengelegt.
00:32:19: Da ist Strobel aber schon lange nicht dabei!
00:32:21: Er ist schon früh ein politischer Mensch.
00:32:24: Hat angefangen beim Nachwuchs der SPÖ war er auch schon aktiv ist dann aber später.
00:32:30: sozusagen hat sich gelöst von der SPÖ und gehört zur Gründungsgeneration der österreichischen Grünen.
00:32:37: Beim ersten Parlamentswahlkampf der Grünen in den neunzehntachtziger Jahren zieht er maßgeblich die Fäden, doch erst nicht der Typ für eine stringente Karriere bei einer politischen Partei.
00:32:48: Hat immer mal wieder die Seite gewechselt war im Medienbereich war im Bereich Beratung PR.
00:32:55: Politik gilt als schillernd bestens vernetzt.
00:32:58: so landet er schließlich beim ORF macht dort Karriere und gilt als einflussreicher Insider mit einem beeindruckenden Netzwerk.
00:33:07: Er soll eine Mitarbeiterin beauftragt haben, Gespräche während einer Stiftungsratssitzung aufzuzeichnen ohne deren Wissen.
00:33:16: Unser Kollege sagt er hat Strobel immer als umgänglichen Typen erlebt aber auch durchsetzungsstark und gerissen.
00:33:23: Ich hab ne alte Parteifreundin, die ihn eben seit mehr als vierzig Jahren kennt.
00:33:27: Erst unlängst auf einen Kaffee getroffen und die beschreibt den als Schlitzohr.
00:33:34: Was Strobel offenbar wirklich gut kann ist sich die Dinge zu richten wie man in Österreich sagt also dass er gut darin ist sich selber abzusichern.
00:33:43: So gehörte er zum Beispiel auch zum Kreis der Vertrauten von Rodan Weißmanns Vorgänger.
00:33:49: Mit dem dürfte Strobel sich einen richtig guten Pensionsstil ausgehandelt zu haben.
00:33:53: Den haben wir schon in Folge eins erwähnt, über diesen Vertrag geraten Pius Strobel und Roland Weissmann dann aneinander als Weissman ORF-Chef wird.
00:34:02: Weil Roland Weißmann seinen Pensionsvertrag nicht
00:34:06: anerkennen wollte ein
00:34:08: Vertrag
00:34:08: der unüblich
00:34:09: war zu dem Zeitpunkt
00:34:10: schon...
00:34:10: Unser Kollege Harald Fiedler vom Standard sagt, Weiß Mann sieht den Vertrag damals als potenziell unternehmensschädigend weil er eben so unverhältnismäßig hoch ist und will dagegen vorgehen.
00:34:22: Weißmann hat
00:34:23: auch Gutachten erstellen lassen, die zum Schluss kam man, dass da jedenfalls mal auf den Verdachter Untreue kommen könnte
00:34:30: und der
00:34:31: möglicherweise zu prüfen wäre.
00:34:32: Dieses Prüfverfahren läuft noch – und Weißman gerät mit Strobeln nochmal einander!
00:34:38: Der Manager hat nämlich jede Menge Urlaubstage angestaut an die zwei Hunderts sollen es sein.
00:34:44: Er will diese Tage ausbezahlt bekommen.
00:34:46: Als Roland Weißmann noch Generaldirektor ist, fordert der Strobel dagegen auf den Urlaub endlich einzulösen.
00:34:52: Bevor er in Rente geht!
00:34:54: Dieser Streit zerrittet das Verhältnis zwischen Generaldirektor Weißman und dem Manager Strobel offenbar endgültig.
00:35:00: Pius Strobel spricht von Mobbing & Bossing – und isst seit vielen Monaten im Krankenstand.
00:35:06: So weit mal zum Clinch zwischen den beiden Und damit springen wir wieder in die Gegenwart zu der Anzeige, die Roland Weißmann gegen Kerstin Kah und ihren Anwalt einbringt.
00:35:17: Er glaubt ja, dass Kerstine Kah und Pius Strobel einen romantisches Verhältnis hätten – auch in der Gerüchteküche beim ORF kursieren solche Erzählungen!
00:35:26: Und als die Staatsanwaltschaft das Handy von Kerstina Kah ortet, da finden die Beamten das Telefon ausgerechnet am Wohnsitz von Pius Strobel also schon an den Dietz dafür, dass sie sich recht
00:35:38: nah stehen.
00:35:40: Roland Weißmann glaubt aber nicht nur, dass die beiden eine Beziehung führen.
00:35:44: Sondern das sie von langer Hand seinen Weißmans Sturz geplant haben.
00:35:49: Es
00:35:49: gibt ja den Verdacht einer Revanche, einer Rache wenn man so will.
00:35:54: Weißmanns Verdacht geht's so.
00:35:56: Kerstin K soll schon über Jahre eine Beziehung mit Pius Strobel führen – auch in der Zeit in der er Weißman ihr Wassen machte!
00:36:03: Sie habe in dieser Zeit nicht nur die Nachrichten und Bilder gesammelt, Sie soll sogar absichtlich heiß kalt mit ihm gespielt haben, um belastendes Material zu bekommen.
00:36:15: Dieses Material hätte sie dann an ihren geliebten Pius Strobel weitergegeben und der hätte sie gedrängt damit zu seinem Anwalt zu gehen, um Weismann zu fallzubringen.
00:36:25: als Racheaktion
00:36:27: Und das sind gemäß Pius Strobel da in Wirklichkeit der Strippenzier war für diesen ganzen Vorgang.
00:36:35: Es ist schon eine ziemlich steile These, die Weißmann da formuliert, sagt unser Kollege Oliver das Gupta.
00:36:41: Denn Kerstin Kahr und Strobel hätten diese Intrige ja über Jahre planen müssen!
00:36:47: Die Kommunikation, die die Mitarbeiterinnen da angeblich gezielt gesammelt hat, fand ihr zwischen dem Jahr zweizehnt neunzehn und zweitausenddreiundzwanzig statt.
00:36:55: Und erst drei Jahre später hat Kerstine Kahr ihren Anwalt eingeschaltet – alles ein ausgetüftelter Plan?
00:37:03: Ich finde, fehlt es in dieser Anzeige die Empathie für die Frau.
00:37:10: Weil Kerstin Ka hat ja auch ein eigenes Empfinden und er hat ihr nun mal diese Dinge geschrieben und geschickt und sich so verhalten wie er sich verhalten hat.
00:37:20: Und das kommt da zu kurz.
00:37:22: Denn was wir nicht vergessen dürfen ... Es war nach allem, was wir wissen immer wieder Weißmann der Kerstinnen Ka zum Sex überreden wollte der ihr unaufgefordert intime Bilder geschickt hat.
00:37:35: Trotzdem ermittelt nun die Staatsanwaltschaft
00:37:37: und Pius Strobel, der wurde vor einigen Tagen beim ORF freigestellt aber nicht wegen der Kauserrundung.
00:37:44: Weißmann und Kerstin Ka.
00:37:51: Ja da dürfte sich einiges zusammen gestaut haben.
00:37:54: jedenfalls hat Ingrid Thurnherr die Interimsgeneraldirektorin des ORF Pius Strobel Dienst freigesteckt weil es bei der Compliance-Abteilung sehr viele verschiedene Vorwürfe gegen ihn gegeben hat.
00:38:08: Das ist Anna Thalhammer, sie ist Chefredakteurin des Nachrichtenmagazins Profil.
00:38:13: Offiziell gibt der ORF keinen Grund für die Freistellung des Managers Pius Strobel an aber die Kollegen vom Profil haben recherchiert und einige Dinge veröffentlicht, die da als Gründe aufscheinen könnten
00:38:25: Einer, der für das Unternehmen sehr gut greifbar ist, ist jener, dass Pius Strobel seit vielen Monaten im Krankenstand ist.
00:38:32: Daneben aber eine Firma hat und offenbar nicht so krank war, dass er nicht trotzdem dort Geld
00:38:37: verdient.".
00:38:37: Wir hatten ja schon erwähnt, dass pius strobel offiziell in den vergangenen Monaten krankgeschrieben war.
00:38:43: Trotzdem hatte er in dieser Zeit offenbar selbstständig Unternehmberaten und eigene Honorare kassiert – und das ist noch nicht alles!
00:38:51: wie die Kollegen von Profi recherchiert haben, soll es in der Vergangenheit immer wieder Beschwerden über ihn gegeben haben.
00:38:57: Es geht um Verhalten gegenüber Mitarbeitern.
00:39:00: also es dürften viele ehemalige Mitarbeiter von ihm sich beschwert haben.
00:39:03: da hat's auch eine ordentliche Fluktuation in der Abteilung gegeben.
00:39:06: das kann man schon sagen.
00:39:07: wir das sind Dinge die sieht man einfach.
00:39:10: es dürfte schon um auch das Machtverhältnisse gehen vielleicht unangebrachtes Verhalten gegen über Frauen.
00:39:19: also solche Sachen kommen dazu.
00:39:20: Es gibt also angeblich eine ganze Liste von Vorwürfen gegen den Manager Pius Strobel.
00:39:26: Vorwörfe rund ums Arbeitsrecht, aber auch um Fehlverhalten gegenüber Mitarbeitenden.
00:39:32: Was hat das alles jetzt mit der Affäre rund um Roland Weißmann zu tun?
00:39:36: Der freut sich zwar wahrscheinlich und dass Pius Strobel keiner von den ganz Guten ist ja immer mit offenem Visier spielt.
00:39:44: Das kann man schon so sagen oder kriegt jetzt halt auch Probleme.
00:39:48: Nur würde ich jetzt ehrlicherweise nicht sagen, dass deswegen alles andere entkräftet ist.
00:39:54: Denn das mutmaßliche Fehlverhalten von Pius Strobel hat ja erst mal nichts mit der mutmaßen Belästigung zu tun die Kerstin Kade im ehemaligen Ohr F-Chef Weissmann vorwirft.
00:40:05: und selbst wenn sie eine Beziehung mit Strobel führen würde – der womöglich keiner von den Guten ist – dann ändert es ihr überhaupt nicht zum Fehl Verhalten von Roland Weißmann!
00:40:15: Und spricht ihn auch in keinster Weise frei.
00:40:18: Womöglich ist die Mitarbeiterin Kerstin Ka hier einfach im Kreuzbeuer zweier mächtiger Männer gelandet.
00:40:25: Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass Frauen beim ORF zum Spielball von Intrigen und Machtspielchen auf dem Kühlberg werden, wo der ORF seinen Sitz hat.
00:40:35: Aber damit soll jetzt Schluss sein – zumindest wenn es nach der Frau geht, die Weißmannsstelle als Generaldirektor vorübergehend eingenommen
00:40:43: hat?
00:40:44: Ja man hat halt mit der Ingrid Thurnherdeizten Sagen wir mal noch jemanden sitzen, schauen wir mal wie der nächste Generaldirektor ist.
00:40:52: Die da einfach aufräumt.
00:40:54: Anathalama sagt die wochenlangen Negativschlagzeilen für den ORF sorgen dafür dass die Interims-Generaldirektorin gerade tatsächlich durchgreift und damit einiges aufwirbelt.
00:41:05: Da gibt es ja Menschen die haben sich so in Sicherheit gewogen auch auf diesem Königlberg.
00:41:10: nun da gibt's jetzt schon ein paar die ordentlich zittern.
00:41:13: Doch Ingrid Thunherrs Zeit an der Spitze des ORF ist schon fast wieder vorbei.
00:41:17: Am elften Juni hat der Stiftungsrat nämlich einen neuen ORF-Generaldirektor gewählt.
00:41:23: Ob der mit dem System ORF tatsächlich aufräumen wird, darum geht es in der nächsten Folge und wir sprechen mit Mitarbeiterinnen die nicht mehr über die Missstände am Königlöberg schweigen wollen.
00:41:40: Insert Austria hört ihr auf allen gängigen Podcastplattformen
00:41:45: und auf spiegel.de.
00:41:46: Wenn euch unser Podcast gefällt, folgt uns gerne und lasst uns ein paar Sterne da!
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00:42:02: Alle Infos zu einem Standard-Abo findet ihr auf abo.destandard.-t.
00:42:06: Und unsere Hörerinnen können mit dem Rabattcode Standard vier Wochen lang das Angebot von Spiegel Plus für nur ein Euro pro Woche testen.
00:42:14: Alle Infos dazu gibt's auf spiegel.de.
00:42:17: Alle Links und Infos stehen wie immer auch in den Show-Nut zu dieser Folge.
00:42:21: Danke fürs Zuhören, allen die hinter den Kulissen an diesem Podcast mitwirken!
00:42:25: Das waren diesmal Johanna Röhr, Schold Wilhelm und Christoph Neuwirt.
00:42:29: Ich bin Lucia Heisterkamp
00:42:31: ich bin Antonia Raut.
00:42:32: Wir sagen
00:42:32: Tschüss und Papa.