Der Podcast über die großen und kleinen Skandale Österreichs
00:00:06: Ich habe sehr früh angefangen beim ORFs Redakteurin zu arbeiten.
00:00:10: Mein erstes Praktikum war schon mit achtzehn oder neunzehn Jahren.
00:00:14: Das ist
00:00:15: Marina,
00:00:16: sie heißt in Wirklichkeit anders und wir haben ihre Stimme verfremdet.
00:00:21: Sie will ihre Geschichte gerne anonym
00:00:23: erzählen.
00:00:24: Marina war lange bei dem ORF
00:00:26: Und in den zehn Jahren habe ich in verschiedensten Abteilungen gearbeitet als Journalistin Und hab da aber auch leider einige Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt
00:00:37: machen müssen.
00:00:39: Wir haben in den letzten zwei Folgen über den Fall Weißmann gesprochen, darüber wie der Mann an der Spitze des ORF über Jahre eine Mitarbeiterin zum Sex überreden wollte, Nagtfotos von ihr forderte und ihr selbst unaufgefordert intime Bilder schickte.
00:00:55: Wir habe rekonstruiert, wie all das öffentlich wurde – und Roland Weißman in die Gegenoffensive gegangen ist!
00:01:02: Er hat Anzeige gegen die Frau erstattet, die ihm Belästigung vorwirft.
00:01:06: Und behauptet ein einflussreicher ORF-Manager hätte im Hintergrund die Strippen gezogen
00:01:12: um ihn
00:01:13: – also Weismann – zu Fall zu bringen.
00:01:16: In der Affäre Weisman kommt vieles zusammen.
00:01:19: Es geht um mutmaßlichen Machtmissbrauch, um sexuelle Belächtigungen aber auch um unverhältnismäßige Gehälter, Postenbesetzungen und Intrigen.
00:01:28: Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass diese Themen beim ORF auftauchen.
00:01:33: Immer wieder gab es in der Vergangenheit Geschichten mit ähnlichen Mustern – eine davon ist die von Marina!
00:01:41: Ich bin Lucia Heisterkamp vom Spiegel
00:01:42: und ich bin Katharina Zingele auch vom Spiegel.
00:01:45: In dieser Folge von INSET Austria erzählen wir, warum die Causa rund um Roland Weißmann kein Einzelfall ist ….
00:01:52: Und wie wollen wissen ob mit einem neuen ORF-Chef alles
00:01:56: anders wird?
00:02:09: Bevor es losgeht, noch zwei Hinweise vorab.
00:02:11: Erstens meine geschätzte Kollegin Antonia Raut ist gerade krank.
00:02:15: Deshalb springt heute Katharina Zingerle vom Spiegel ein.
00:02:18: Die hört ihr vielleicht in Zukunft auch öfter hier.
00:02:21: Schönes Tabis, Katharina!
00:02:24: Und das andere kennt Ihr schon?
00:02:25: In dieser Folge geht's mal wieder um strafrechtliche Vorwürfe.
00:02:28: Natürlich gilt für alle wie immer die Unschuldsvermutung.
00:02:31: und jetzt geht´s los!
00:02:38: Ich habe das Glück gehabt, als Praktikantin vom ORF zu arbeiten.
00:02:43: Was mich natürlich total gefreut hat.
00:02:46: Marina sitzt im Studio des Standard in Wien.
00:02:49: Es ist das erste Mal, dass sie vor einem Mikro über ihre Erfahrungen
00:02:52: spricht.".
00:02:53: Das was damals passiert ist liegt Jahre zurück.
00:02:56: Sie ist damals gerade mit der Schule fertig geworden und hat einen Traum – sie will unbedingt Journalistin werden!
00:03:03: Und es ist überglücklich, als sie ein der heiß begehrten Praktikumsplätze beim ORF bekommt.
00:03:08: Österreichs größtem Medienunternehmen.
00:03:10: Es war natürlich auch sehr anspruchsvoll, es ist viel Druck auf einen.
00:03:15: Die erste Position die ich dann gehabt habe das war sehr Tagesartig, also man hat sehr Tagesaktuell arbeiten müssen und war vor allem das Screenen von Meldungen aus aller Welt.
00:03:26: Man kann sich das vorstellen man sitzt am vorm PC und vor einem mit zehn Bildschirmen.
00:03:33: Ihre Praktikumstage sind hektisch sie spürt viel Druck obwohl sie ja noch ganz neu im Nachrichtengeschäft ist.
00:03:40: Und da sitzt man also und einmal musste ich dann erleben, dass ein Kollege aus einem älteren Kollegen nicht mein direkter Chef aber der kam halt zu mir oder hinter mir.
00:03:54: Er war auf jeden Fall in einer Position über mir was nicht schwer ist weil er selber Praktikantin ist und hat begonnen als ohne irgendwas am Anfang zu sagen meine Schultern zu massieren
00:04:07: und
00:04:07: dabei meine Arbeit
00:04:08: zu loben.
00:04:10: Dieser Moment ist über zehn Jahre her.
00:04:13: Aber Marina erinnert sich noch genau an das schwere Gefühl der Hände auf ihren Schultern, alles andere ist verschwommen.
00:04:22: Ich weiß es habe ich weitergearbeitet und die Bildschirme angestarrt hat den Moment zwei Minuten fünf Minuten gedauert länger ich könnte es nicht sagen trotzdem hat sie das sehr in meinem Gedächtnis irgendwie gebrannt.
00:04:40: Auch kleine Details sind bei ihr hängen geblieben.
00:04:43: Also ich weiß schon genau eben die Wester an dem Tag angehabt, der dunkelblaue Wester.
00:04:49: Ich weiß die Hände wie sie auf der Schulter waren und ich weiß jetzt natürlich viele Jahre später wie falsch das war von ihm.
00:05:01: aber ja in dem Moment war mir das überhaupt nicht bewusst und dann war der Moment auch wieder vorbei
00:05:07: Was Marina damals durch den Kopf schießt.
00:05:10: Es sind doch nur Hände auf ihren Schultern.
00:05:12: Harmlos, stellt dich nicht so an.
00:05:16: und trotzdem fühlt sich die Berührung extrem unangenehm an.
00:05:20: Wenn ein älterer Kollege eine junge Praktikantin ungefragt an den Schultern massiert dann ist das eine Machtdemonstration Eine Grenzüberschreitung.
00:05:30: So sieht sie es heute
00:05:40: zu einer Stelle gehen sollen, hat das bei anderen Kolleginnen auch gemacht.
00:05:45: Also auch wenn der Moment kurz war – das was es irgendwie danach mit mir gemacht hat ist auf jeden Fall net kurz oder ja man hat immer wieder Konzept hoch in
00:05:57: Arbeitskontexten.".
00:05:58: Es ist nicht die einzige Grenzüberschreitung, die Marina beim ORF erlebt.
00:06:03: Einige Jahre später, sie ist Mitte zwanzig, arbeitet sie fest beim Sender.
00:06:07: Einmal im Dezember feiert ihre Redaktion eine Weihnachtsfeier, wie das so jedes Jahr üblich ist.
00:06:13: Es gibt Essen und Getränke ...
00:06:16: Kann sich das ganz klassisch vorstellen?
00:06:17: Wir sind alle in einer Hunde gestanden mit alten Kolleginnen und neuen Kollegen.
00:06:21: Es waren auf jeden Fall viele Menschen anwesend.
00:06:24: Lockere Stimmung natürlich!
00:06:25: Marina fühlt sich wohl in der Runde.
00:06:28: Sie ist froh nach vielen Jahren Praktiker endlich richtig beim Sender angekommen zu sein.
00:06:32: Um plötzlich... bericht es wirklich aus einem männlichen Kollegen gegenüber mir heraus direkt an mich gerichtet, aber wir ist ihm nichts.
00:06:42: Und dann hat er den Satz gesagt und das kann ich wirklich Wortwirkli so wiedergeben.
00:06:45: Ich hab's damals aufgeschrieben und vielen Kolleginnen auch danach immer wieder erzählt der mit dem Vorwurf gemacht hat in der Runde du hast dir deinen Job sowieso nur bekommen weil du deinem Chef einen geblasen
00:06:56: hast.".
00:06:57: Du hast den Job doch nur bekommen, weil du deim Chef ein Geblasenn hast.
00:07:02: Das sagt der Kollege völlig aus dem Nichts.
00:07:05: Ohne Kontext mitten in die Runde.
00:07:07: Ich war in dem Moment sprachlos, ich habe mir sehr geschämt und schäme mich jetzt nach wie vor wenn ich das aussprechen
00:07:16: muss.
00:07:17: Das kann ich ganz ehrlich zugeben.
00:07:19: Marina hofft dass irgendwer aus der Runde etwas sagt den Kollegen zur Rechenschaft zieht ihn darauf hinweist wie sexistisch und frauenverachtend sein Kommentar ist.
00:07:29: aber niemand sagt etwas.
00:07:31: Das war schon irgendwie ruhiger.
00:07:32: kurz, die Leute haben
00:07:34: halt auf den Boden geschaut.
00:07:36: Ja und dann ist das Gespräch halt irgendwie weitergegangen und ich bin halt einfach weg gegangen.
00:07:40: also das war so mal direkte Reaktion
00:07:42: drauf Was Marina damals weiß.
00:07:44: der Kollege der sie da vor allen anderen sexistisch beleidigt hat dem eilt in der Redaktion ein Ruf voraus.
00:07:52: Also das wussten alle wie er mit Frauen umgeht.
00:07:55: Das wusste ich auch davor, also da rede ich jetzt von eben abfälligen Kommentaren, sei es über die Arbeit der Frauen oder das Aussehen und das war so ganz alltäglich aber im Job gar nicht im Kontext von einer Weihnachtsfeier oder so... Aber es wurde einfach hingenommen!
00:08:11: Es wurde ja vor mir hingenomen sogar bis es direkt gegen mich danach gerichtet hat.
00:08:16: Heute denkt Marina sie hätte damals zur Personalabteilung gehen sollen oder zu irgendeiner Beschwerdestelle im Unternehmen
00:08:23: Weil das schon ein krasser Ausrutschern an verbaler Gewalt ist, einfach gegenüber mit einer falschen Behauptung in dieser Runde aufzustellen.
00:08:32: In der Dimension, wo ich auch sagen muss, er hat mir danach immer wieder eingredet ja was hat er überhaupt gemeint und warum?
00:08:38: Und ich wollte es irgendwie
00:08:39: analysieren.".
00:08:40: Der Kollege arbeitet bis heute beim ORF – und immer wieder fragt sich Marina, was passiert?
00:08:46: wer?
00:08:46: hätte sie eine Beschwerde gegen ihn eingelegt?
00:08:49: Hätte mich vielleicht mal Karriere gekostet, hätt's mal karriere Schwierige gemacht.
00:08:52: Also diese zwei Erfahrungen mögen vielleicht nicht groß sein oder eben nur ganz kurze Momente gewesen sein.
00:08:59: Aber ich weiß, dass sie mir auf jeden Fall immer begleiten werden, weil mit diesen großen Fragen begleitet werden.
00:09:06: Also hätte ich irgendwas anders machen
00:09:08: sollen.".
00:09:09: Marina arbeitet heute nicht mehr beim ORF – aber sie sagt in den Jahren, in denen sie dort war habe sie immer wieder beobachtet wie sich Vorgesetzte gegenüber Mitarbeiterinnen sexistisch verhalten.
00:09:20: Hier ein abfälliger Kommentar, da ein geschmackloser Witz.
00:09:24: Dort einen kurzer Griff an die Schulter oder auf den Oberschenkel – so etwas sei Teil des Alltags
00:09:29: gewesen.".
00:09:51: Marina ist mit ihren Erfahrungen nie an die Öffentlichkeit gegangen.
00:09:54: Bis jetzt!
00:09:56: Aber es gibt andere Fälle beim ORF, die für Aufmerksamkeit gesorgt haben.
00:10:00: Da ist zum Beispiel eine ORF-Managerin, die gegen ihren Arbeitgeber vor Gericht zog.
00:10:05: Die sich diskriminiert gefühlt hat bei Postenbesetzungen.
00:10:09: Da gab es auch die Vorwürfe sexueller Belästigung, die sich gegen einen ehemaligen ORF Manager gerichtet haben.
00:10:17: Unser Kollege Harald Fiedler vom Standard kennt er schon aus den letzten Folgen.
00:10:20: Er sagt, die Managerin hatte ihrem Vorgesetzten damals vorgeworfen immer wieder Grenzen überschritten zu haben.
00:10:27: Er habe zum Beispiel anzügliche Sprüche gebracht oder ihr von ihren Sexfantasien erzählt.
00:10:32: Nachdem sie Beschwerde gegen ihren Chef eingereicht hatte sei sie von ihm gemobbt worden.
00:10:37: Sie habe die Abteilung gewechselt und seit dann vom ORF bei Postenbesetzungen übergangen wurden.
00:10:42: Das Gerichtsverfahren wurde im Januar dieses Jahres mit einer Vergleichszahlung beendet.
00:10:47: Soll heißen, der ORF hat da Frau Geld gezahlt.
00:10:50: Angeblich eine sechstellige Summe damit sie die Vorwürfe fallen lässt.
00:10:54: Wir hätten gern mit der Managerin selbst über ihre Erfahrungen gesprochen aber wegen des Vergleichs darf sich nicht öffentlich äußern.
00:11:01: In anderen ORF-Skandalen aus der jüngeren Vergangenheit geht es zum Beispiel um geschönte Berichterstattung.
00:11:07: Zwei spektakuläre Fälle waren einerseits der des damaligen niederösterreichischen Chefredakteurs, dem vorgeworfen wurde als Chefredaktör seine Funktion missbraucht zu haben im Sinne der ÖVP Niederösterreich.
00:11:21: Dieser Chefredakter soll veranlasst haben dass sein Landesstudio wohlwollend über die konservative ÖVPs berichtet hat.
00:11:28: Es gab dann eine interne Untersuchungskommission und inzwischen ist das Chefredacteur zurückgetreten.
00:11:34: Der zweite Fall, von dem unser Kollege hier spricht, betrifft einen Geschäftsführer beim Sender ORF-III.
00:11:40: Dem auch Dutzende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktuelle und ehemalige vorgeworfen haben seinen Führungsverhalten, seinen Umgang mit der Belegschaft...
00:11:50: So soll der Geschäftsführer Mitarbeiter gegängelt und sie zum Beispiel nach ihrer sexuellen Orientierung gefragt haben.
00:11:57: Außerdem wird ihm vorgeworfen für die sozialdemokraten Einfluss auf das Programm genommen zu haben.
00:12:03: Auch hier gab es eine interne Untersuchung, der Geschäftsführer musste sich einer Schulung unterziehen.
00:12:08: Sein Job hat er aber bis
00:12:09: heute.".
00:12:10: Wieder andere Vorwürfe beim ORF drehen sich um politische Postenbesetzungen – das also einige Leute ihre Jobs mutmaßig deshalb bekommen haben weil sie für eine bestimmte politische Richtung stehen und entsprechende Connections haben!
00:12:24: Also das sind Unmengen.
00:12:25: Das reicht von Besetzungen des Direktoriums, von Chefredaktionen und so weiter bis hin zu sehr kleinen
00:12:33: Redaktionsjobs.".
00:12:35: Und dann sind da natürlich die jüngsten Affären der vergangenen Monate.
00:12:39: Zuerst der Rücktritt von Roland Weißmann wegen der Belästigungsvorwürfe – und dann noch die Freistellung des Managers Pius Strobel.
00:12:47: über den hatten wir in der letzten Folge ausführlicher gesprochen.
00:12:50: Der bestverdienende Mann beim ORF der mutmaßlich als selbstständiger Berater Honorare kassiert haben soll, während er beim Sender krankgeschrieben war.
00:13:00: Und dem offenbar viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Fehlverhalten vorwerfen.
00:13:22: Das heißt auch, er steht immer in Rechenschaftspflicht.
00:13:25: Sein Anspruch muss besonders hoch
00:13:27: sein.".
00:13:28: Das sehen auch viele der Journalistinnen und Journalisten so die für den Sender arbeiten – und sie wollen die Missstände in ihrem Haus nicht länger hinnehmen.
00:13:40: Also mein Name ist Lisa Lindt.
00:13:42: ich bin Redakteurin im ORF beim Wirtschaftsmagazin ECO.
00:13:46: Lisa Lindh arbeitet seit vierzehn Jahren beim ORF.
00:13:49: Sie war schon in unterschiedlichen Redaktionen und ist mittlerweile auch Mitglied im Betriebsrat.
00:13:53: Sie hat also ein gutes Gespür dafür, wie gerade so die Stimmung im Sender
00:14:01: ist.".
00:14:03: sehr, sehr viele nach wie vor wahnsinnig stark mit unserem Unternehmen identifizieren.
00:14:08: Also die Leute machen ihren Job einfach wirklich wahnsinnigt gern!
00:14:11: Die letzten Wochen und Monate haben aber schon natürlich dazu geführt dass da ein Stück weit Fassungslosigkeit und Wut sich auch breit macht – die Vorwürfe der Missstände, die da aufgetaucht sind.
00:14:21: Aber es blieb nicht nur bei Fassungslossigkeit und
00:14:25: Von allen Seiten kam so irgendwie dieser Wunsch.
00:14:27: Wir müssen was machen, das können wir uns ja nicht gefallen lassen.
00:14:30: Das sind Missstände mit denen haben wir nichts zu tun und wir wollen uns dafür nicht rechtfertigen müssen in der
00:14:35: Öffentlichkeit.".
00:14:36: Irgendwann entsteht die Idee eine Social Media-Aktion zu starten?
00:14:40: Oder dem Hashtag Nicht Mit Uns formulieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Forderungen an die Unternehmensspitze An erster Stelle steht durchgreifen statt weg schauen
00:14:50: Das Machtmissbrauch auch tatsächlich geerntet werden muss.
00:14:53: Und das war eben in der Vergangenheit zum Teil nicht der Fall, dass das wirklich passiert ist.
00:14:58: Das ist uns aber ganz wichtig weil die Menschen einfach im ORF ein vertrauensvolles Umfeld haben müssen um auch arbeiten zu können.
00:15:05: und da muss es auch einfach wirklich Konsequenzen geben bei Fehlverhalten unabhängig davon wer die Person isst und wen die Person vielleicht kennt.
00:15:13: Eine weitere Forderung lautet Da geht's um die Top Honorare, die Einige an der Spitze des ORF kassieren.
00:15:21: Das drastische Beispiel kennen wir ja schon das des Managers Pius Strobel.
00:15:26: Der soll im Jahr twenty-fünfundzwanzig satte vierhundertneunundsechzigtausend Euro verdient
00:15:31: haben.".
00:15:31: Und nicht nur das!
00:15:33: Streitpunkt zwischen Strobel und dem damals noch Generaldirektor Holland Weißmann war auch Strobels Rentenvertrag – den hatte er mit Weißmans Vorgänge ausgehandelt.
00:15:43: Laut Medienberichten soll da Manager Strobel damit Anrecht auf eine jährliche Rente in sechsstelliger Höhe haben.
00:15:49: Der ORF hätte insgesamt zwei Komma vier Millionen Euro dafür zurückgestellt, heißt es.
00:15:54: Nicht nur die Beitragszahler – auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Redaktionen machen solche Summen fassungslos.
00:16:02: Also ich kann versichern, der überwiegende Teil der Menschen im Haus verdient nicht einmal annähern so viel wie diese Top-Verdinerinnen.
00:16:11: Ich bin seit vierzehn Jahren im Haus jetzt und hatte keinen einzigen Lohnabschluss, der Über der Inflation lag.
00:16:17: Nicht wenige Kolleginnen und Kollegen arbeiten sogar unter prekären Verträgen oft befristet sagt die Redakteurin Lisa Lindt.
00:16:25: Das heißt, da gibt es einen ganz großen Wunsch der Belegschaft.
00:16:28: Dass es faire Bedingungen und faire Gehälter für alle gibt statt irgendwelcher Sonderverträge für einige wenige die man dann vielleicht auch gar nicht erklären kann.
00:16:37: Zwei weitere Forderung drehen sich darum wer zukünftig im ORF sitzt Und auch in dessen Aufsichtsgremium dem Stiftungsrat.
00:16:45: Die Unterzeichner wollen dass bei der Auswahl der Leute Kompetenz- und Fachwissen an erster Stelle stehen und nicht Parteipolitik und Vitamin B.
00:16:54: Inzwischen haben sich über siebenhundert von insgesamt rund viertausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Aktion beteiligt.
00:17:00: Auch prominente Namen aus dem Sender wie der Moderator Armin Wolf sind dabei.
00:17:05: Eine offizielle Reaktion von der Spitze des ORFs gab es bislang nicht, aber in dieser Spitze ist ja auch gerade einiges im
00:17:12: Bewegung.".
00:17:13: Nachdem Rücktritt von Roland Weißmann hat die langjährige Journalistin Ingrid Thurnher den Chefposten übernommen – allerdings nur Übergangsweise!
00:17:21: Vergangener Woche hat der Stiftungsrat jetzt einen neuen Generaldirektor gewählt.
00:17:28: Die letzten Stunden waren so ein bisschen ESC-Gefühl?
00:17:32: Als österreichischer Medienredakteur hat Harald Fiedler die Wahl des neun Uhr F-Chefs natürlich beobachtet, wobei man sagen muss, die Wahl selbst findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
00:17:42: nur die Mitglieder des Stiftungrates sind zugelassen
00:17:45: Aber eine ganze Horde von Journalistinnen und Journalisten, Kameraleuten sitzt da im Vorzimmer und wartet darauf, dass irgendjemand von diesen thirty-fünf Stiftungsräten oder sonst wer uns verrät wie es gerade steht.
00:17:59: Die Sitzung findet auf dem Königlberg in Wien statt am Hauptsitz des ORF.
00:18:03: Sie zieht sich bis tief in die Nacht.
00:18:06: vor der finalen Abstimmung erklärt jedes Mitglied im Raum der Reihe nach für wen er oder sie stimmen wird Und die Redakteure im Vorzimmer können Punkte zählen.
00:18:16: Ein bisschen wie beim ESC.
00:18:17: Wir konnten quasi von draußen ein Nachvollziehen mit all unseren Quellen, wir haben da zusammengearbeitet, quasi ein Medienübergreifendes Datenteam.
00:18:25: Wer gerade jetzt dran ist, wie die Person stimmt und macht schon ein bissel booken und zitieren können.
00:18:30: okay es kommt ein Block von SPÖ oder ÖVP in der Anstiftungsrede und die werden wohl so oder so abstimmen.
00:18:37: Wir haben's ja schon in Folge eins erzählt Der Stiftungsrat ist politisch besetzt unterteilt in Fraktionen, die sich Freundeskreise nennen.
00:18:45: Die Regierungsparteien haben jeweils die Mehrheit im Gremium – so können sie also maßgeblich bestimmen, wer der Alleingeschäftsführer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird.
00:18:55: Insgesamt neun Kandidatinnen und Kandidaten sind noch im Rennen.
00:18:58: Darunter zum Beispiel ein früherer ProSieben-Manager, die Herausgeberin des Karwallmagazins Express oder die URF-Magazinschefin.
00:19:07: Es ist schließlich weit nach Mitternacht bis klar wird, wer das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren führen wird.
00:19:13: Mein Bewerbungskonzept für den ORF steht ja unter dem Titel ein ORF, der im Österreich vertraut.
00:19:21: Das Publikum muss dem ORF wieder vertrauen und da geht es nicht nur um die unabhängigen Nachrichtensendungen des ORF sondern es geht vor allem um die Frage was ist dagegen wert für die Haushaltsabgabe, die wir alle als Bürgerinnen und Bürger zahlen?
00:19:36: Clemens Pick, den hört man hier im Interview beim Sender UE.
00:19:41: Er bekommt einundzwanzig von fünfunddreißig Stimmen – alle von Stiftungsreden die zu den Regierungsparteien SPÖ oder ÖVP gehören.
00:19:49: Es
00:19:49: war doch eine sehr klare eindeutige Mehrheit.
00:19:53: Anders als sein Vorgänger ist Clemens pick kein ORF-Urgestein.
00:19:57: er kommt von der österreichischen Nachrichtenagentur APA.
00:20:00: Die beliefert Medien und Unternehmen mit tagesaktuellen Berichten Wobei wir dazusagen müssen, dass der ORF größter Eigentümer der APA ist.
00:20:09: Clemens Pick war dort jahrelang CEO
00:20:11: und das seiner Führung war die APA sehr technologie-und innovationsorientiert hat sich sehr stark weiterentwickelt von KI bis also die machen auch Serverinfrastruktur und ich weiß nicht was alles in so einer Art technologische Infrastruktur für die österreichische Medienbranche und darüber hinaus.
00:20:28: Unser Kollege Harald Fiedler glaubt aber, dass es nicht nur die Innovationsfreude von Clemens Pick war, die die Stiftungsräte letztlich überzeugt hat.
00:20:36: Sondern vor allem noch etwas.
00:20:38: Eben dieser Rücktritt von Roland Weißmann und das Gefühl in diesem ORF – das hat ja auch ein ÖVP-Politiker gesagt – müsse einen frischer Wind hinein, man braucht einen Kandidaten von außen der aufräumt, der vielleicht nicht im ORF Gefüge verhabert ist wie man in Österreich sagen würde….
00:20:55: Aber was genau hat der neue Mann an der Spezi jetzt vor?
00:20:59: Wie will er den Scherbenhaufen aufräumen, den sein Vorgänger hinterlassen hat?
00:21:03: Grundsätzlich natürlich geht es für einen neuen ORF-Chef Clemens Pick.
00:21:07: Vor allem jetzt einmal darum das Bild des ORF und die Struktur des OR F – die Organisation, dass die Compliance im ORF so aufzustellen, Teilweise spektakulären Fälle, die da ist in den vergangenen Monaten zu Tage oder getreten sind.
00:21:23: Oder noch mal hochgekocht sind einfach die hinter sich zu lassen und eine Art Neubeginn auch von der Unternehmenskultur herzuschaffen.
00:21:31: Nur wie er das schaffen will bleibt noch recht wage.
00:21:35: Er hat unter anderem mehr Diversität versprochen und möchte mehr Frauen in Führungspositionen.
00:21:40: Und Clemens Pick will das Programm für die Zuschauer attraktiver machen Denn auch in Österreich steigt wie in vielen Ländern die Skepsis gegenüber dem Rundfunkbeitrag, also die Gebühr mit der alle Einwohner den ORF finanzieren.
00:21:53: Er hat irgendwie einen gewagten Satz geprägt, irgendwie schon in den Interviews-Vorderbestellungen.
00:21:57: er will dass die Österreicherinnen und Österreicher wieder gern zahlen für den OR F und ihnen einen Gegenwert vermitteln und gegen Wert bieten.
00:22:06: das ist eine ziemliche Challenge würde ich sagen.
00:22:08: So will Clemens Pick zum Beispiel mehr Angebote für jüngere Zielgruppen schaffen oder für Menschen aus ländlichen Regionen, wo die FPÖ stark ist.
00:22:16: Die würde den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nämlich am liebsten abschaffen.
00:22:20: Im Herbst wollen die Rechtspopulisten sogar einen Volksbegehren gegen den ORF
00:22:24: starten.".
00:22:25: Es sind ohnehin schwierige Zeiten für einen ORF-Generaldirektor – die jüngsten Skandale kommen dazu absolut in Unzeit!
00:22:32: Es wird wohl keine einfache Aufgabe für Clemens Pick das verlorene Vertrauen wiederherzustellen….
00:22:38: Man muss aber auch dazusagen, Clemens Pick beginnt seine Arbeit als Generaldirektor erst im nächsten Jahr.
00:22:43: Bis dahin führt noch die Übergangschefin Ingrid Thurnherr und auch ihr ist vermutlich klar wie ernst die Lage für den Sender gerade ist.
00:22:51: Unser gesamtes Kapital ist das Vertrauen unseres
00:22:54: Publikums
00:22:54: und dem ist eine besondere Offenheit geschuldet
00:22:58: und eine
00:22:58: besonderen
00:22:59: auch
00:23:00: sozusagen
00:23:01: Klarheit im
00:23:03: Leben von Werten
00:23:04: und Prinzipien.
00:23:05: Das müssen wir
00:23:06: als Organisationen, als
00:23:08: ORF
00:23:09: der Öffentlichkeit vorleben.
00:23:11: Und deswegen glaube
00:23:12: ich, uns sollten wir auch in unserem Unternehmen andere Maßstäbe
00:23:16: ansetzen.".
00:23:17: Hier hört man Ingrid Thurnherr in der Nachrichtensendung ZIP II im März kurz nach dem Rücktritt von Roland Weißmann – da verspricht sie volle Aufklärung!
00:23:27: Aber der Compliance-Bericht, den Sie beauftragt, steht schon wenige Wochen später scharf in der Kritik….
00:23:33: Darüber hatten wir ausführlich in der letzten Folge gesprochen, weil der Bericht Weißmann vom Vorwurf der Belästigung freispricht.
00:23:40: Expertin etwa von der Österreichischen Gleichbehandlungsanwaltschaft zweifeln an dieser
00:23:44: Einschätzung.".
00:23:45: Die interne Aufklärung ist aber auch noch nicht vorbei – Ingrid Thornherr hat inzwischen einen sogenannten Transparenzbeirat einberufen.
00:23:53: Der soll sich nicht nur den jüngsten Fall rund um Roland Weißman anschauen sondern auch frühere Vorfälle im ORF rund um Belächtigungsvorwürfe und Machtmissbrauch.
00:24:03: Ein Bericht des Beirats wird Ende Juni erwartet.
00:24:06: Es wird dann auch noch, vielleicht heuer noch, nächstes Jahr ein großer Bericht das Rechnungshofs kommen über den ORF der sich auch viele dieser Fälle und die Verwendung öffentlicher Mittel im Zusammenhang mit diesen Fällen nach meinem Wissenstand sehr genau anschaut, Sonderverträge, die da eine Rolle spielen.
00:24:30: also wir sind dann noch eine Weile gut beschäftigt.
00:24:32: Es ist also einiges in Bewegung am Königlberg.
00:24:35: Auch die Vorwürfe gegen den Manager Pierre Strobel werden geprüft, Strobel wurde ja mittlerweile vom Dienst
00:24:40: freigestellt.".
00:24:41: Und dann gibt es noch die Ermittlungen, die Roland Weißmann in Gang gesetzt hat.
00:24:46: Seit er Anzeige gegen die Mitarbeiterin Kerstin Ka und ihren Anwalt gestellt hat untersucht die Staatsanwaltschaft den Fall – sie hat inzwischen das Handy von Kerstine Ka beschlagnahmt.
00:24:56: Bis die Ermittelungen abgeschlossen sind dürfte es aber noch dauern, sagt Harald Fiedler.
00:25:00: Das braucht halt einfach, weil die Solide das recherchieren prüfen und dann entscheiden, regnen sie es vor Gericht?
00:25:07: oder wie ein österreichischer Minister schon mal gesagt hat entweder ist die Suppe zu dünn.
00:25:13: Die Mitarbeiterin Kassinkar hat ihrerseits angekündigt rechtlich gegen Roland Weißmann um den ORF vorzugehen.
00:25:19: Sie will unter anderem Schadensersatz fordern und die Bewertung der internen Kompleinsuntersuchungen anfechten.
00:25:26: Ob all das tatsächlich irgendwann vor Gerücht landet?
00:25:28: Ist völlig offen.
00:25:30: Wir dürfen auch nicht vergessen, es geht hier um den höchstpersönlichen Lebensbereich von zwei Menschen.
00:25:35: Vorwürfe rund um Belästigung und Machtmessbrauch sind juristisch oft schwer auf den Boden zu bringen.
00:25:41: Auch wenn die Kommunikation zwischen Roland Weißmann und Kerstin Kahr gut dokumentiert ist, es dürfte schwierig werden nachzuweisen was genau in vier Jahren zwischen den beiden vorgefallen
00:25:50: ist.
00:25:51: Und auch die Frage wo sexuelle Belächtigungen anfängt, ist unter Juristen umstritten?
00:25:56: Das zeigt der unterschiedliche Blick von Arbeitsrechtlern auf den Compliance-Bericht des OHF.
00:26:01: Aber selbst wenn der Fall eines Tages vor Gericht landet, liegt das noch in weiter Zukunft?
00:26:06: Also bis da eine rechtskräftige Entscheidung da ist – es wird ja in mehrere Instanzen gehen würde ich jetzt auf jeden Fall nicht mit zweizig sechsundzwanzig rechnen, zwanzig siebenundzwantig vielleicht mit einer ersten Entscheidung und dann geht's halt munter hinauf in Instanze und das würden uns unter schon nach einige Jahre beschäftigen.
00:26:23: Was parallel dazu auch noch läuft, ist die Klage von Roland Weissmann gegen den ORF.
00:26:28: Er fordert rund drei Komma Neumillionen Euro an entgangenen Bezügen und Schadensersatz wegen Rufschädigung – gut möglich dass der Sender sich in dem Fall auf eine Ausgleichszahlung mit Weißmann einigt um sich einen teuren und aufwendigen Prozess zu ersparen!
00:26:43: Die Frage ob Weißmans Kündigung jetzt gerechtfertigt war oder nicht?
00:26:47: Die wäre damit immer noch nicht geklärt.
00:26:52: Die Affäre rund um den gefallenen ORF-Chef hinterlässt viele offene Fragen.
00:26:58: Aber vor allem hat sie eins, nämlich Risse gezeigt.
00:27:02: Risse in einer verkrusteten Struktur, in der Männer in Führungspositionen ihre Macht missbrauchen und Gehälter an der Spitze teils völlig unverhältnismäßig sind.
00:27:13: Diese Strukturen sind über Jahrzehnte gewachsen und wurden lange stillschweigend so hingenommen.
00:27:19: Ob der Fall weiß man je vollständig aufgeklärt wird?
00:27:22: ist offen, aber er hat Probleme sichtbar gemacht.
00:27:26: Viele im ORF wollen die alte Unternehmenskultur so nicht mehr hinnehmen und auch viele Beitragszahler haben das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Sender
00:27:33: verloren.".
00:27:34: Die wichtigste Aufgabe des neuen ORFchefs dürfte sein dieses Vertrauen wiederherzustellen – denn der öffentlich- rechtliche Rundfunk bekommt scharfen Gegenwind!
00:27:43: Der Generaldirektor hat kaum eine andere Wahl als mit den alten Strukturen aufzuräumen….
00:27:50: Unser Kollege Harald Fiedler traut ihn zumindest
00:27:58: zu, dass er
00:28:14: das auch kann.
00:28:18: und auf spiegel.de
00:28:19: Wenn euch unser Podcast gefällt, dann folgt uns gerne
00:28:23: Kritik, Feedback oder Vorschläge zum Podcast.
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00:28:48: alle Infos dazu gibt's auf spiegel.de.
00:28:51: slash der Standard.
00:28:52: Alle Links und Infos stehen wie immer auch in den Show-Notes zu dieser Folge.
00:28:55: Danke fürs Zuhören und allen, die hinter den Kulissen an diesem Podcast mitwirken!
00:28:59: Das waren diesmal Johanna Röhrer, Schold Wilhelm und Felix Klein.
00:29:02: Ich bin Lucia Heisterkamp
00:29:04: Und ich bin Katharina Zingerle.
00:29:05: Wir sagen tschüss
00:29:06: und baba.