Der Podcast über die großen und kleinen Skandale Österreichs
00:00:07: War euer Opa ein Nazi?
00:00:10: War er Mitglied in der NSDAP oder sogar in der SS.
00:00:14: In vielen Familien gab es dazu nie wirklich Antworten.
00:00:17: Großeltern und Eltern haben geschwiegen, wenn's um eigene Verstrickungen im Nationalsozialismus ging.
00:00:23: Wer mehr wissen wollte, der musste aufwendige Ahnenforschung in Archiven betreiben – das ist jetzt anders!
00:00:30: Seit kurzem kann einfach jeder vom Sofa aus checken… ob es eine NSDAP-Mitgliedskarte seiner Verwandten gab, dank KI.
00:00:37: Der Spiegel hat mithilfe von KI ein digitales Recherchetooler stellt.
00:00:42: Darüber kann man die rund zwölf Millionen Karteikarten durchsuchen, die das US-Nationalarchiv frei zur Verfügung stellt.
00:00:49: Wir verlinken euch die Suchmaschine in den Shownotz!
00:00:52: Hunderttausende Nutzerinnen und Nutzer haben damit in den vergangenen Wochen bereits nachgeforscht,
00:01:02: Also die nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei, die gab es nicht nur in Deutschland sondern auch in Österreich.
00:01:09: Und zwar schon lange bevor Adolf Hitler in den Anschluss seiner Heimat ans Deutsche Reich erklärt hat.
00:01:16: Aber wie wurde sie in Österreich so stark?
00:01:20: Ich bin Lucia Heisterkamp vom Spiegel
00:01:21: und ich bin Katharina Zingerle – auch vom Spiegel!
00:01:25: In der heutigen Folge von Insert Austria geht's um die NS-Diapie in Österreich.
00:01:30: Wir wollen wissen, warum so viele Österreicherinnen und Österreicher der Partei beigetreten sind.
00:01:35: Und wir zeigen wie man die dunklen Geheimnisse der eigenen Familiengeschichte
00:01:39: aufdecken kann.
00:01:50: Bevor wir in die Geschichte der Nationalsozialistischen Partei in Österreich eintauchen und über die Gräueltaten sprechen, die sie verursacht hat, wollen wir eine Frage vorwecklernen – nämlich, wie viele Österreicherin und Österreichern eigentlich Mitglied in der Partie waren?
00:02:06: Ich habe die Zahlen im Kopf von nineteen dreieinvierzig.
00:02:10: Da waren sechshundertneunzigtausend Menschen in
00:02:13: Österreich.".
00:02:14: Hier hörte den Historiker Kurt Bauer, er arbeitet am Ludwig-Bolzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung und hat mehrere Bücher zur NS Zeit geschrieben.
00:02:23: Er sagt, die Mitgliederzahlen bei der NSDAP sind im Verhältnis zu Bevölkerung in Deutschland und Österreich ungefähr gleich.
00:02:31: In beiden Ländern war es um die zehn Prozent – je nachdem wie man rechnet!
00:02:35: Männer und Frauen, mehr Männer als Frauen aber doch auch ein ganz entsprechender Frauenanteil.
00:02:40: Wobei der Historiker Bauer sagt die Mitgliederzahlen sind nur bedingt aussagekräftig.
00:02:45: Die wurden nämlich teilweise von den Nazis gesteuert.
00:02:48: das heißt also der Mitgliederstrom zu groß wurde.
00:02:50: hat die Partei immer wieder einen Aufnahmestopp eingeführt?
00:02:53: hätte wirklich jeder der wollte beitreten können dann hätt es wahrscheinlich noch deutlich mehr NSDAP-Mitglieder gegeben in Österreich und in Deutschland.
00:03:02: darüber sprechen wir später nochmal.
00:03:03: Aber fangen wir von vorne an, nämlich damit wie die österreichische NSDAP überhaupt entstanden ist.
00:03:11: Ja eigentlich gibt es eine NSDAB, die damals noch anders hieß zuerst in Österreicher und zwar im Altenösterreich in der Monarchie und zwar ganz konkret den Nordbömischen Deutschsprachengebieten, dem man heute als Sudetenland bezeichnet.
00:03:26: Dort fühlen sich damals viele der deutschsprachigen Arbeiter vom Zuzug tschechisch sprechender Arbeitskräfte bedroht.
00:03:33: Deshalb gründen sie um in den letzten Jahren eine eigene Partei.
00:03:37: Das war eine kleine Splitterpartei, die auch ein paar Prozent bei den Reichsratswahlen gewann und sie hieß Deutsche Arbeiterpartei.
00:03:45: aber es war das Nationalsozialistische immer schon drin.
00:03:48: Auch das Antisemitische war vorhanden Aber es war eine demokratische Partei also keineswegs eine Führerpartei wie sie dann entstanden ist.
00:03:56: Und diese Partei änderte dann ihren Namen nach einer langen Diskussion.
00:04:10: Mit dem Zerfall der Monarchie spaltet sich die Partei auf und bleibt in Österreich erst mal als kleine Splittergruppe zurück.
00:04:17: In der ersten Republik ab, also Österreichs erste demokratische Regierung fährt sie noch keine nennenswerten Wahlerfolge ein.
00:04:25: In dieser Zeit wird den München ebenfalls eine deutsche Arbeiterpartei gegründet.
00:04:30: Sie nennt sich bald um in NSDAP, Adolf Hitler übernimmt kurz darauf die Parteiführung.
00:04:36: Sie kooperiert mit der österreichischen NSDap zum Beispiel bei zwischenstaatlichen Konferenzen.
00:04:42: und während Hitlers Einfluss in Deutschland schnell größer wird wächst der Erfolg der NSDP in Österreich erst mal langsam.
00:04:49: September, in Deutschland in Deutschland, sind sie bei drei Prozent.
00:04:56: Sie schaffen es nicht an den Nationalraten.
00:04:58: Im November finden die in Österreich Wahlen statt und hinken hinter der deutschen Bewegung.
00:05:04: Die österreichischen Mitglieder der NSDAP kommen damals vor allem aus dem Deutschen Nationalen Lager.
00:05:11: Das heißt, sie verstehen sich als Deutsche und wünschen sich einen Zusammenschluss mit Deutschland.
00:05:16: Wobei das damals insgesamt eine verbreitete Ansicht in Österreich ist – nicht nur unter Mitgliedern der NSDAP.
00:05:22: Man dachte einfach man kann aus kleinem Staat überhaupt nicht überleben!
00:05:27: Die Agrargebiete befinden sich im Ungarn, die Industriegebiete sind im Böhmen.
00:05:32: also wie soll dieses Alpenland, dieses Kargeland hier überleben können?
00:05:36: So ungefähr waren auch die Gedanken gänge.
00:05:38: Mit der Zeit ordnet sich die österreichische NSDAP, der deutschen Partei immer mehr unter.
00:05:44: Sie versteht sich nun als Hitler-Bewegung und übernimmt weitgehend ihr Programm – samt Führerprinzip!
00:05:50: Volksgemeinschaftsideologie und Antisemitismus gehören ohnehin dazu.
00:05:55: Sie gewinnt dadurch mehr und mehr Anhänger.
00:05:58: Viele kommen aus dem unteren Mittelstand sind Handwerker, Kaufleute, Beamte oder Eisenbahner.
00:06:04: Im Jahr nineteenhundertzweiunddreißig, kurz vor Hitlers Machtübernahme in Deutschland finden in Österreich gleich mehrere Landtagswahlen statt.
00:06:13: Die NSDAP fährt Ergebnisse zwischen zehn und zwanzig Prozent ein.
00:06:18: Sie ist nun endgültig keine
00:06:19: Splitterpartei
00:06:20: mehr sondern auch in Österreich eine große Bewegung.
00:06:41: Hier hörte den Christsozialen-Politiker Engelbert Dolphus.
00:06:44: Er wird von dem österreichischen Bundeskanzler gewählt bei demokratischen Wahlen.
00:06:50: Aber Dolphuss wandelt das Land schon bald in einen autoritären Staat um, orientiert sich Starrkampf faschistischem Italien Mosulinis.
00:06:58: Dolphuß wurde kanzler XXXII mit einer sehr geringen Mehrheit und Anfang XIXIII aus dem dreißigsten Jänner Januar.
00:07:07: kommt Hitler in Deutschland eine Macht.
00:07:09: Und es beginnt sofort ein Spiel mit Österreicher, also erstens einmal die Österreich-Nazis, die noch nicht so besonders stark sind, jedenfalls längst nicht so stark wie in Deutschland.
00:07:18: Man kann sagen, in Österreich lagen sie zu dieser Zeit vielleicht bei zwanzig Prozent Bevölkerung in Deutschland waren es vierzig Prozent, die zur NSDAP tendiert haben.
00:07:27: und es kommt zu einem Wechselspiel.
00:07:29: Es kommt zum Forderungen Deutschlands, also Hitlers an diese österreichische Regierung.
00:07:33: Der neue deutsche Reichskanzler Adolf Hitler fordert den österreichischen Kanzler auf, die NSDAP an seiner Regierung zu beteiligen.
00:07:41: Es kommt auch wirklich zur Verhandlung – die letztlich aber scheitern!
00:07:45: Und nachdem diese Verhandlungen sich Ende Mai zerschlagen werden die österreichische Nazis, die sich schon vor der Machtergreifung sehen, werden immer stärker in ihrer Propagandaunfall mit Sabatarsche und Theroakten.
00:07:57: Also es kommt dann in der ersten Monatshälfte Juni Reihe von Anschlägen, tödlichen Anschläge.
00:08:05: Zum
00:08:05: Beispiel einen Bombenanschlag auf eine Nivellierladen im Zentrum Wiens mit mehreren Toten
00:08:10: und ein Anschlag auf christlich-deutsche Tourner das war christlich sozialer Organisation im Wesentlichen mit Handgranaten.
00:08:17: und aus diesem Grund wurde der österreichischen NSDAP am neunzehnten Juni die Betätigung
00:08:25: verboten.
00:08:25: so kam es eigentlich zu dieser Phase der Illegalität in Österreich, die so dieser hellten Phase der nationalsozialistischen Bewegung ist.
00:08:34: Während die NSDAP verboten wird beginnt den Österreich unter Engelbert Dolphus, der sogenannte Austrophaschismus.
00:08:41: Im Namen Gottes des Allmächtigen
00:08:43: und dem Alldreck ausgeht erhält
00:08:45: das österreichische Poln bis an den griechischen
00:08:47: deutschen Bundesstaaten
00:08:49: abständischer Grundlage diese Verfassung.
00:08:51: Am ersten Mai, hier ruft Dolphuss die sogenannte ständige Verfassung aus.
00:08:56: Schon ein Jahr zuvor hat er das österreichische Parlament ausgeschaltet und damit begonnen autoritär zu regieren.
00:09:03: Und es wurden Pressezensur eingeführt, es wurden Versammlungsverbote und alles was so dazugehört.
00:09:09: Ein bisschen hat man das nachgeamt was Hitler in Deutschland gemacht hat wobei allerdings wie soll ich sagen nicht in dieser scharfen Form ja aber man hat doch eigentlich alles gemacht.
00:09:20: und es gibt auch einmal Wort von einem Vertreter dieses Regimes der sagt Wir müssen Hitler über Hitlern.
00:09:27: Was der Historiker Kurt Bauer allerdings auch sagt, das Bild, dass die meisten damals von Hitler haben ist ein ganz anderes als sagen wir zehn Jahre später?
00:09:36: Im Bewusstsein der Menschen war das vieler Mensch.
00:09:39: und sagen wir so, war es ein Reichskanzer in Deutschland, der es auf angeblich wundersame Weise versteht, dass er das landwirtschaftliche sofort in Schwung bringt.
00:09:48: und so erklärt sich dann auch der Maßenzustrom zur NSDAP in dieser Zeit.
00:09:53: Dieser neue Zustrom ändert die soziale Struktur der Partei.
00:10:20: dass
00:10:22: Deutschland sich für einen Krieg rüstet, das vielen damals nicht bewusst.
00:10:26: Wer in der österreichischen NSDAP außerdem überrepräsentiert ist?
00:10:30: Das sind Akademiker!
00:10:31: Es war das Bildungsbürgertum, das nicht jüdische Bildungs Bürgermeisterin natürlich sehr stark dazutendiert hat also im Wien womit ich mich näher beschäftigt habe.
00:10:40: da haben sie sogar die Wohnorte, also die Verteilung nach Bezirken der Nationalsozialisten bei den Wahlen in der Umgebung der Hochschulen.
00:10:51: am stärksten Nationalsozialistisch versäucht war die Technische Hochschule, die jetzige Technische Universität.
00:10:58: Das liegt auch daran dass das deutschnationale burschenschaftliche Milieu an den Universitäten angesiedelt ist.
00:11:04: Als illegale agieren die österreichischen NSDAP-Mitglieder jetzt im Untergrund.
00:11:09: Viele betätigen sich geheim mehr oder weniger.
00:11:11: Ich meine, die Parteistrukturen bleiben erhalten.
00:11:14: Sie werden geheim aus Deutschland mit allem versorgt was notwendig ist.
00:11:19: Es werden Datenorganisationen gebildet.
00:11:22: Offizielle Mitgliederlisten gibt es in dieser Zeit nicht.
00:11:25: Das ist auch wichtig zu wissen, wenn wir heute mit Recherchetools in der NSDAP-Mitgliederkartei suchen?
00:11:30: In der Illegalität gibt's natürlich kein Mitgliederwesen in dem Sinn und kann keine Karteien anlegen – das wäre ja gefährlich!
00:11:36: Jetzt ist immer die Frage Leute, die vor thirty-eight schon in den NSDAB waren können sie das überhaupt beweisen dass das so war?
00:11:44: Hitler hat in der NSDAP-Mitgliederkartei Nummern bereitstellen lassen.
00:11:48: Also wenn Sie heute ja jemand sehen, eine Österreich mit einer Nummer zwischen sechs Komma eins und sechs Kommas sechs Millionen dann wissen sie den Galt als illegaler wobei das auch nicht immer so
00:11:59: war.".
00:11:59: Aus dem Untergrund heraus verüben diese illegalen NSDRP Mitglieder Terroranschläge um die österreichische Regierung zu destabilisieren.
00:12:09: Das ist in der Zeit, wo es in Österreich ständig alle möglichen Anschläge gibt.
00:12:16: Also mit Bomben und auf Züge und auf Infrastruktur allein in wenigen.
00:12:21: zwischen Oktober, Juli, hier kommt es zu über sechshundert Sprengstoffe anschlägen.
00:12:28: Das ist glaube ich heute niemand mehr so bewusst.
00:12:31: Es war nicht immer so gefährlich weil das waren Papierböller aber gefährlich genug als ein Papierbele-Explosion in einer engen Gasse hieß dass sämtliche Fenster in dieser Gasse zersprungen sind und es gab auch Dote.
00:12:43: ja es war ein illegaler Kampf der aus Deutschland gefördert wurde.
00:12:48: Im Juli, hier in Österreich ist ein Putschversuch in Wien.
00:12:54: Während wir noch berieten erschienen plötzlich einige Autos besetzt mit bewaffneten Leuten im Uniform des Bundesheeres und der Wasserkurren
00:13:04: in den Hof
00:13:04: ein und eh noch irgendeine Gegenmaßnahme getroffen werden konnte, drangen sie in alle Reime.
00:13:18: So berichtet der damalige Vizekanzler Emil Faye, wie die Nazis den Regierungssitz am Ballhausplatz stürmen.
00:13:25: Der Bundeskanzler Engelbert Dolphus versucht das Gebäude über einen Hinterausgang zu verlassen – er läuft dem Putschisten allerdings direkt in die Arme und wird von ihnen erschossen.
00:13:37: Ein Neuermann wird an die Spitze gesetzt und führt Dolphus autoritäres Regime weiter.
00:13:43: Er verschärft auch die Strafverfolgung der Nationalsozialisten.
00:13:46: Es gab Anhaltelager, es gab Tausende Nazis, die eingesperrt wurden, die auch verurteilt wurden beim Juliputsch, dann auch Todesurteile gegen Nationalsocialisten.
00:13:57: also das war nicht ganz ungefährlich.
00:14:00: Viele österreichische NSDAP-Mitglieder flüchten in dieser Zeit nach Deutschland.
00:14:04: Da sammeln sich Zehntausende österreichische Nazi-Flüchtlinge an und Hitler, Grüne Dort, Glästerbord eine SA-Truppe bilden.
00:14:11: Es gibt auch SS.
00:14:12: aber gehen wir mal auf diese SA-Truppe ein die hieß Österreichische Legion Und das ist anders als die normalen SA's werden die wirklich militärisch ausgebildet werden kassaniert.
00:14:22: Viele von diesen jungen Leuten kommen wieder zurück aus Deutschland weil sie sagen es ist ja noch viel schlimmer als bei uns.
00:14:27: Wir sitzen in einer Kaserne und werden geschliffen.
00:14:30: Das soll schon als Truppe fürs Eingreifen in Österreich, wenn es soweit ist.
00:14:35: Dann kann Hitler immer sagen ja das waren ja Österreicher die hier marschiert sind bisher keine deutschen Truppen die aufmarschieren
00:14:42: und der Zustrom bei der österreichischen NSDAP hält an.
00:14:46: Kurt Bauer sagt nicht alle diese Leute sind ideologisch überzeugte Nationalsozialisten obwohl es davon natürlich auch viele gibt.
00:14:53: ich glaube dass wesentliche Merkmal der Österreicher In dieser Zeit ist einfach Opportunismus.
00:14:59: Man sagt es sich irgendwann kommt der Hitler, da verhalten wir uns lieber klug.
00:15:03: und es ist nicht gut wenn man uns allzu scharf gegen Nazis benehmen weil wenn Deutschland einmarschiert, irgendwann kommt das dann sind wir unseren Job los.
00:15:35: Im März, ist es soweit.
00:15:38: Die Wehrmacht marschiert in Österreich ein ohne Aufwiderstand zu stoßen.
00:15:43: Vom Balkon der Wiener Hofburg verkündet Adolf Hitler den Anschluss Österreichs.
00:15:47: Die Menschenmenge auf dem Heldenplatz jubelt.
00:15:50: Die Bilder vom März sind bekannt.
00:15:52: diese ungehörige Euphorie.
00:15:54: und natürlich wollen dann alle im März illegal gewesen sein und wollen sofort eine Partei und wollen Vergünstungen und die besten Posten haben.
00:16:04: Und dann hat man am Monat nirgends sich, weil jetzt die ganzen Deutschen in Österreich kommen und hier die Posten, die sie sich glaubt haben verdient, wegnehmen.
00:16:11: Zahlreiche Österreicherinnen und Österreicher aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen wollen möglichst schnell der Partei beitreten?
00:16:19: Also das typische Mitglied gab es eben nicht, wenn.
00:16:21: die NSDAP war eigentlich von der Struktur her eine sehr moderne Partei.
00:16:26: Es waren nämlich keine Lagerpartei, es war nicht auf ein bestimmte Gruppe festgesetzt sondern es war Man sagt, zammelbewegendes Protest oder Volkspartei.
00:16:37: Oder Catch All Party ist auch so eine
00:16:39: Bezeichnung.".
00:16:40: Der Zustrom ist so hoch dass die Partei immer wieder Aufnahmestops einführt – das hatten wir schon kurz am Anfang erwähnt!
00:16:46: Denn die ganzen Mitgliedsanträge müssen ja erst mal bearbeitet werden.
00:16:50: Wir dürfen nicht vergessen….
00:16:52: Die NSDAP muss sich nicht nur um hunderttausende Anträge in Österreich kümmern sondern natürlich auch um die Millionen von Beitritten in Deutschland.
00:16:59: Das hat einmal gedauert, dass man das auch überhaupt verwaltungsmäßig erfassen konnte.
00:17:04: Er hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem
00:17:13: eigenen Territorium
00:17:14: auch nicht
00:17:15: bereits regulären Soldaten geschossen.
00:17:19: Seit O- und Fertig wird jetzt zurückgeschossen.
00:17:22: In den letzten Jahren hat sich die WM nach Polen gefällt.
00:17:27: Die Nazis propagieren das als Verteidigungssaktion.
00:17:30: Als der Zweite Weltkrieg sich ausweitert, ebt auch die Euphorie für Hitler wieder ab.
00:17:36: Viele Österreicher wie auch Deutsche wollen keinen Krieg – aber Widerstand gibt es ähnlich wie in Deutschland nur in geringem Maße!
00:17:43: Im Gegenteil viele Österreicher beteiligen sich an den Verbrechen der Nazis und Menschen aus der Zivilbevölkerung.
00:17:50: Wenn
00:17:50: ihr mehr dazu hören wollt, wir haben im Winter eine Serie über die Menschenjagd im österreichischen Müllviertel gemacht.
00:17:57: Und da erzählt wie hunderte entflohende KZ-Häftlinge grausam ermordet wurden.
00:18:02: Da geht's auch viel um die österreichische Müttheiterschaft!
00:18:04: Wir stellen euch den Link in die Show-Note.
00:18:07: Wie hoch der Anteil der Täter in Österreich tatsächlich war – ob Österreicher und der nationalsozialistischen Tätern sogar überrepräsentiert waren?
00:18:14: Das wird auch unter Historikern kontrovers diskutiert.
00:18:17: Wir stellen euch auch dazu einen Link in die Shownutz, falls ihr dazu mehr erfahren wollt.
00:18:22: Kurt Bauer sagt es gibt zumindest bestimmte Täterkreise, in denen Österreicher besonders stark vertreten waren.
00:18:29: Zum Beispiel der Kreis rund um Adolf Eichmann.
00:18:32: Eichman war ein Reichsdeutscher, der aber als Kind nach Österreich gekommen ist und er ist hier aufgewachsen und ist hier sozialisiert bis dreiunddreißig.
00:18:39: dann ist auch als Flüchtling zur österreichischen Legion gegangen.
00:18:42: Dann kam ihm zu diesem Aufstieg innerhalb der SS wurde der Judenexperte und er kam dann nach Wien, März, und da ging also diese furchtbare Judenverfolgung sofort los.
00:18:54: Und Eichmann hat diese Zentralstelle für die jüdische Auswahnung gegründet.
00:18:57: Dafür braucht er viele Mitarbeiter und da boten sich natürlich für ihn an, die österreichischen Arztis, die alle um Bosten gebettelt haben
00:19:05: aufzunehmen.".
00:19:06: Einen anderen großen österreichisch Täterkreis gab es zum Beispiel um den Kriegsverbrecher Odilo Globocnik
00:19:12: der, weil er als Gauleiter von Wien gescheitert war, dann von Himmler quasi herangezogen wurde und nach Polen geschickt wurde.
00:19:20: Und deren mit dieser Aktion rein hat.
00:19:23: Der Auftrag wurde also mit der Mordung der polnischen Juden ungefähr zwei Millionen Tote.
00:19:28: Und der hatte natürlich viele Österreicher in seinem Umfeld – in seiner Entourage immer soviel Jahr im Stab.
00:19:34: Mit denen ist er nach Bogen gegangen und die wurden dann dafür herangezogen.
00:19:38: Österreicher arbeiten auch in Konzentrationslagern zum Beispiel in Mauthausen.
00:19:43: In unserer Serie über die Müllviertler Menschenjagd geht's auch
00:19:45: darum.".
00:19:46: Aber nach dem Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland will in Österreich niemand etwas von eigenen Kriegsverbrechen wissen.
00:19:52: Stattdessen verbreitet sich der Mythos im Land, man sei das erste Opfer von Hitler gewesen.
00:20:01: Also entstanden ist mal diese Opferdese mit der Moskau-Deklaration.
00:20:05: also die Alliierte anerkennen dass Österreich das Erste Opfer der typischen Angriffspolitik Hitlers war und Die österreichischen Politiker nach dem Zweiten Weltkrieg haben das natürlich ausgenutzt.
00:20:17: Das ist ja auch im Prinzip ein Job gewesen, aber es war natürlich dazu geführt, dass Österreich sozusagen sich das Lebenslüge aufgebaut hat.
00:20:25: Dass also wir genauso wie andere Staaten als ein Prinzip erobert wurden von Deutschland und Opfer Hitlers
00:20:32: wurden.".
00:20:32: Diese Lebenslüger hält sich bis weit in die neunzehnhundertachzige Jahre – bis zur sogenannten Walltime-Affäre!
00:20:40: Darüber haben wir im Podcast schon oft gesprochen, deshalb hier nur ganz kurz.
00:21:01: Baldheim hatte das in seiner Biografie verschwiegen und behauptete später von den Verbrechen nichts mitbekommen zu haben, was völlig unglaubwürdig ist.
00:21:10: Diese Affäre hat in Österreich zu einer riesigen Debatte über die eigene Mitheterschaft geführt.
00:21:15: Das war ein richtiger Paradigmenwechsel in Österreich, würde ich sagen, der durchaus gelöst.
00:21:20: Es hat sich auch die Täterforschung sehr stark verstärkt dadurch.
00:21:26: Ich würde schon sagen, in der Geschichte der Zweiten Republik war das schon fast ein Wendepunkt.
00:21:32: Machen wir einen zeitlichen Sprung in die Gegenwart – über achtzig Jahre nach Kriegsende?
00:21:38: Wie beobachtet der Historiker Kurt Bauer heute das Erinnern in Österreich an die NS-Zeit?
00:21:44: Die Generationen, die das noch erlebt haben, wenn jemand neunzehnfünfundvierzig zehn Jahre alt war, der ist jetzt neunzig ... Also die hat uns eigentlich schon verlassen und Ich merke, dass das Wissen oft relativ gering schon ist.
00:21:58: ja also über geschichtliche Datsachen.
00:22:01: Gerade deshalb sei es wichtig, dass sich Menschen zumindest mit der eigenen Familiengeschichte beschäftigen, sagt Kurt Bauer.
00:22:08: Vielleicht darf ich hier die Geschichte meines Großvaters erzählen, der leider Nationalsozialist war schon sehr jung geworden ist, nineteen-einundbreißig aus der Steiermark.
00:22:18: Weil er so früh beitritt, erhält er damals eine niedrige Mitgliedsnummer vierhundertvierzichttausend.
00:22:24: Das war was.
00:22:24: Da galt man als alter Kämpfer, da hatte man alle möglichen Vergünstungen.
00:22:29: Und dann hat man in eine neue Nummer gegeben mit sechs Komma zwei Millionen irgendwas.
00:22:35: Das hat ihn gestört.
00:22:36: Dabei war er wohl kein einflussreiches NSDAP-Mitglied.
00:22:40: Er war Bürgermeister im kleinen Heimatdorf und ist eigentlich nie rausgekommen.
00:22:43: Er ist nicht mal bei der Wehrmacht gewesen weil er krank war aber ... Es gibt dann, und das können Sie auch noch finden.
00:22:50: Das geht über die Mitgliederkarteien hinaus – es gibt eine Parteikorrespondenz in Berlin!
00:22:54: Und da habe ich dann genau diesen ganzen Schriftwechsel und auch mehr Hintergrundinformationen, weil darüber ist in unserer Familie natürlich nie geredet worden, hab' ich auch die Hintergrund-Information wie sich mein Großvater halt bemüht, dass er diese alte Parteinummer zurückgekriegt, weil dann gehört er sozusagen zum Parteiadel mit einer Nummer vierhundertvierzichttausend.
00:23:15: Kurt Bauer sagt Die Suche, zum Beispiel über das Recherchetool vom Spiegel in der NSDAP-Mitgliederkartei von Angehörigen kann eigentlich nur ein Anfang sein.
00:23:25: Denn in der Mitgliederkarte sind nur wenige Daten interlegt – z.B.
00:23:28: des Beitrittsdatum.
00:23:30: Aber man kann diese Daten als Grundlage nehmen um weiter Ahnenforschung zu betreiben.
00:23:36: Zum Beispiel beim Bundesarchiv Berlin.
00:23:39: Dort kommen auch die NSDAP-Karteikarten ursprünglich her, die vom US-Nationalarchiv digitalisiert und frei zur Verfügung gestellt wurden.
00:23:47: Und dir die Grundlage für das KI-Recherschatool des Spiegels
00:23:50: sind.".
00:23:50: Das Bundesarchiv in Berlin verfügt aber über noch viel mehr Dokumente.
00:23:54: Man kann also im Bundesarchif Berlin anfragen und man bekommt alles was dort in diesen Personaldaten vorhanden ist, kann man sich sogar kopieren lassen gegen einen geringen Beitrag dann auch sich liefern lassen.
00:24:08: Ja, man kann sich anschauen zum Beispiel wer machts Akten.
00:24:11: In welcher Einheit hat mein Großvater gedient?
00:24:14: Wo war diese Einheit vertreten?
00:24:15: und so weiter.
00:24:16: ja dann findet man vielleicht ein bisschen raus.
00:24:19: Mit Glück gibt es irgendwelche Feldbostbriefe Aufzeichnungen Briefe von damals Tagebuch Erinnerungserzählungen.
00:24:26: viele Leute schreiben Erinnerungen aber die sind halt dann offen bis sie verbremt.
00:24:31: ich habe mich sehr stark mit diesen Erinnerung Erzählungen befasst und da muss man natürlich auch vorsichtig sein.
00:24:37: So eine Recherche kann helfen, die eigene Familiengeschichte besser zu verstehen.
00:24:41: Mit all den Brüchen und dunklen Kapiteln, die es womöglich gibt?
00:24:45: Es ist etwas das im Familiengedächtnis bleibt auch wenn man konkret gar nicht mehr weiß ist.
00:24:49: Jede Familie, jeder österreichische Familie, jede deutsche Familie hat irgendwie einen Bezug zur Nazi.
00:24:55: Wenn's ja Widerstandsgeschichte ist dann ist er schön.
00:24:57: Die ist aber meistens dann auch nicht so einfach wie man glaubt Und die meisten haben halt eine Nazi-Geschichte weil viele waren einfach Nationalsozialisten.
00:25:05: Die Zeitzeugen, die den Nationalsozialismus selbst miterlebt haben leben heute größtenteils nicht mehr.
00:25:11: Umso wichtiger ist es dass dieses dunkle Kapitel der Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät und das wir uns damit beschäftigen was in unserer eigenen Familie passiert ist.
00:25:22: Neue digitale Tools machen es heute einfach mit dieser Recherche anzufangen.
00:25:26: Zum Schluss dieser Folge haben wir noch eine Bitte.
00:25:28: Falls ihr die Supermaschine vom Spiegel nutzt und irgendwas findet, das euch überrascht oder bewegt, dann erzählt uns noch gerne eure persönliche Geschichte.
00:25:37: Vielleicht gibt's da nochmal eine eigene Inside-Outshare Folge dazu!
00:25:54: Unsere
00:26:05: journalistische Arbeit könnt ihr am besten mit einem Abonnement unterstützen.
00:26:09: Alle Infos zu einem Standard-Abo findet Ihr auf abo.destandot.at Und unsere Hörerinnen und Hörern können mit dem Rabattcode Standard vier Wochen lang das Angebot von Spiegel Plus für nur ein Euro pro Woche testen!
00:26:22: Alle Info dazu gibt's auch spiel.de.
00:26:24: slash der Standard.
00:26:30: Danke außerdem an Market Ehrenhöfer, Schold Wilhelm Benjamin
00:26:38: Braden und Christoph Neuwirt.
00:26:40: Ich bin Musiker Heisterkamm Und ich bin Katharina Zingerle.
00:26:43: Wir sagen
00:26:44: Tschüss!
00:26:44: Und Boppa.