Der Podcast über die großen und kleinen Skandale Österreichs
00:00:06: Und man war da
00:00:07: ein Schwall
00:00:08: an chronographischen Material,
00:00:11: an
00:00:11: Dickpicks direkt.
00:00:12: An Videos mit Sound.
00:00:15: Teilweise auch eine Aufnahme von einem Genital.
00:00:17: Also ich würde sagen, zwölf, dreizehn, vierzehn sicherlich die allerersten Penis-Bilder beschickt bekommen und überhaupt sexuelle Inhalter her.
00:00:24: Vier von zehn Frauen in Österreich haben schon mal ungewollt ein sogenanntes Dickpick bekommen – also ein Foto von einem Penis!
00:00:32: Bei den Frauen unter dreißig sind es sogar zwei von drei Frauen.
00:00:36: Ich habe nichts zu verstecken, ich schäme mich nicht und trotzdem fühlst du dich so beschämt und beschmutzt – und du hast nichts getan!
00:00:42: Was viele Männer als Flirtversuch sehen ist für Frauen eine grobe Grenzverletzung.
00:00:47: Und es geht auch um Machtdynamiken.
00:00:50: Wenn das nicht konsensual ist
00:00:51: dann
00:00:52: ist das ja auch
00:00:53: ein Ausleben von
00:00:55: «Ich hab hier das Sagen» und »Du hast jetzt gar nichts mit zu reden«.
00:00:58: Expertinnen sehen ungewollte Dick Picks als Klarenfall von digitaler sexualisierter Gewalt.
00:01:04: Aber in Österreich waren sie lange Zeit nicht strafbar.
00:01:07: Ich so, Sie wollen mir sagen, da darf ich mich das schicken oder meine Einwilligung.
00:01:10: Wir können ja nichts
00:01:11: machen!
00:01:12: Bis Frauen sich das nicht mehr bieten
00:01:14: lassen wollen.
00:01:15: Meine Mandantin ist zu mir gekommen mit diesem Thema und ich habe dann gesagt dass
00:01:18: es
00:01:19: nicht geht weil das nicht straffbar ist.
00:01:20: aber ich habe vorgeschlagen dass wir stattdessen
00:01:22: eine politische
00:01:23: Kampagne machen
00:01:24: um das Ganze
00:01:25: unter Strafe zu stellen.
00:01:26: Das war eine fremde Person und es ist so, dass es nicht strafbar ist, Dickpicks zu schicken.
00:01:31: Muss ich das selber machen?
00:01:32: Die Polizei hilft mir dann nicht!
00:01:34: Ich bin Kim Höbel vom Spiegel Und
00:01:36: ich bin Antonia Raut vom Standard.
00:01:38: Seit einem Jahr gibt's in Österreich den sogenannten Dick-Pick-Paragraf.
00:01:42: In dieser Miniserie von Inside Austria erzählen wir vom holprigen Weg dorthin.
00:01:47: Wir treffen Frauen die mit Dickpics massiv belästigt wurden.
00:01:51: Sie erzählen uns was die übergriffigen Nachrichten mit ihnen gemacht haben und wie sie schließlich aktiv wurden.
00:01:58: Und wir schauen uns einen Fall genauer an, der zeigt – noch immer kommen viele Männer mit digitaler sexualisierter Gewalt
00:02:05: einfach davon!
00:02:33: Im Standard-Podcaststudio hat gegenüber von mir eine Frau Platz genommen.
00:02:37: Sie heißt Judith, sie erzählt ihre Geschichte heute nicht zum ersten Mal.
00:02:42: Eine Kollegin der österreichischen Tageszeitung Kurir hat schon mal darüber berichtet damals anonymisiert.
00:02:48: Für unseren Podcast hat sich Judith entschieden dass sie mit ihrem echten Namen und ohne bearbeiteter Stimme auftreten möchte.
00:02:55: Ich habe nichts zu verstecken.
00:02:56: ich hab nix falsch gemacht.
00:02:58: ich muss mich für nichts schämen.
00:02:59: von daher wieso sollte
00:03:00: Das Judith heute hier sitzt, hat mit einer Entdeckung zu tun die sie vor ungefähr eineinhalb Jahren auf ihrem Smartphone macht.
00:03:07: Ganz zufällig!
00:03:28: Vielleicht kennt ihr das, man hat einige Chats schon archiviert und sieht dann bei WhatsApp nur noch diese kleine Benachrichtigung dass da grundsätzlich neue Nachrichten in den archivierten Chats dazugekommen sind.
00:03:39: Man schaut ewig nicht nach was da genau eintrudelt weil es eh nur die Theatergruppe ist bei der man schon seit drei Jahren nicht mehr mitspielt.
00:03:46: Aber Judith fällt auf dass ihre Whatsapp-Chats extrem viel Speicherplatz einnehmen.
00:03:52: Deshalb sieht sie dann doch mal nach.
00:03:54: Dann bin ich in diese Archivierten Chats gegangen und dachte mir, wer zur Hölle schickt mir hier drei Tausend Führer Nachrichten oder so aus?
00:04:00: dem Klickte da drauf.
00:04:01: Und dann war da ein Schwall an chronographischen Materialen,
00:04:06: an
00:04:06: Big Picks Direkt, an Videos mit Sound.
00:04:09: Da hatten wir auch eine Aufnahme von einem Genital, dann eben auch Fotos und halt ein wahnsinniger Schwall an diesen Bildern.
00:04:17: Ich war erst mal so was zur Höllen!
00:04:18: Ich war wirklich geschockt, ich war wirklich gestockt und auch erstmal angewidert und angeekelt.
00:04:22: Die Bilder kommen von einer Nummer, die Judith gar nicht eingespeichert
00:04:26: hat.
00:04:26: Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, wer der Absender
00:04:28: ist.
00:04:28: Nachdem sie den Schock dann erst mal verdauert hat versucht sie das Ganze zu verträngen aus Selbstschutz wie sie sagt.
00:04:35: Ich habe es von mir weggeschoben und diese Reise gemacht, kam zurück hatte dass mein Mann auch schon erzählt ja natürlich auch so was zur Hölle er hast eine Idee wer das ist.
00:04:43: Zu diesem Zeitpunkt hat Judith schon eine Vermutung wer der absender sein könnte.
00:04:48: Ich wusste, das war eine Person mit der ich studiert hatte.
00:04:51: Ich habe ein zweites Studium gemacht.
00:04:53: die Klassen waren da sehr klein.
00:04:54: in meiner Gruppe waren drei Personen.
00:04:56: wir hatten einen Gruppenchat.
00:04:57: Judith sagt dieser Mann ist dem Studium schon immer irgendwie unangenehm aufgefallen.
00:05:03: er hat anzügliche Sprüche gemacht zum Beispiel Grenzen überschritten.
00:05:08: sie gleicht die Handynummer von der die Dickpicks geschickt wurden mit den Nummern im Gruppen Chat ab volltreffer.
00:05:15: Zu dem
00:05:15: Zeitpunkt wusste ich dann erst mal den Vornamen, wusste wer das ist und dachte okay jetzt gehe ich zur Polizei.
00:05:20: Und mache eine Anzeige.
00:05:22: Judith geht also zu einer Wache um die Sache zu melden aber dort am Schalter reagieren die Beamten nicht so wie sie sich das erwartet hätte.
00:05:29: Zum einen wurde ich von den zuständigen Beamten nicht irgendwo hingebeten dass ich zumindest mal kurz erzählen kann.
00:05:35: Ich stand im Eingangsbereich mit meinem zu dem Zeit- punkt einen halbjährigen schreienden Kind aufm Arm.
00:05:40: Es gab weiter Parteienverkehr und ich sollte das erzählen.
00:05:43: Judith soll die Fotos gleich an diesem Empfangsschalter herzeigen, was ihr in der Situation gar nicht recht ist.
00:05:50: Ich sagte, ich will das nicht anschauen vor allem mich mit meinem Sohn hierher.
00:05:52: Judith versucht den Beamten ihren Fall so gut wie möglich zu erklären aber sie wird abgewimmelt.
00:05:58: Sie haben es nicht weiter aufgenommen?
00:05:59: Waren komplett ratlos und sagten naja so, es ist halt nicht illegal.
00:06:09: Mal kurz zur zeitlichen Einordnung.
00:06:11: Das war alles im Frühjahr twenty-fünfundzwanzig.
00:06:14: Den Dick-Pick-Paragrafen gab es damals noch gar nicht.
00:06:17: D.h.,
00:06:18: die Beamten haben in dem Fall recht, Judith's ehemaliger Kommilitone macht sich mit den Dickpicks nichts
00:06:24: strafbar.".
00:06:25: Ich so, sie wollen mir sagen, da darf ich mir das schicken und meine Einwilligung ... wir können ja nix machen!
00:06:29: Und das hat mich halt erst mal schockiert und gesagt, was ist mit Cyberstocking irgendwas?
00:06:32: Sie so nehmt, ihr würdet nehm... und damit wurde ich weggeschickt.
00:06:36: und das war mein Erlebnis.
00:06:38: Judith ist in dem Moment wie vor den Kopf gestoßen.
00:06:41: Sie kann einfach nicht glauben, dass die Polizei ihr hier nicht weiter hilft.
00:06:44: Dass sie Komilitone ihr einfach Tausende Penisbilder schicken darf um die sie nie gebeten
00:06:50: hat.".
00:06:51: Das hat mich echt runtergehauen weil ich mir gedacht habe es kann doch nicht sein das ich als Frau schon wieder im Bereich wo ich keinen Schutz erfahre und hab dann eben über Social Media über Zeitungen Print usw.
00:07:06: von der Frau Ferkova gehört.
00:07:13: Ich war Kollektivchef in eines Technovereins und habe feministisches Expositive-Partys gemacht.
00:07:17: Und so bin ich dann irgendwie bei TechnoMeToo
00:07:20: gelandet.".
00:07:20: Hier
00:07:21: hört ihr Friederika Fredy Falkova, sie war lange der Wiener Technoszene aktiv und hat vor einigen Jahren Übergriffe und Machtmissbrauch in der Szene öffentlich gemacht.
00:07:31: Ich hab damals auch selber zu den Vorwürfen recherchiert die unter dem Namen Techno MeToo aufgebracht wurden.
00:07:37: Freddy Ferkova hat als Aktivistin eine gewisse Reichweite.
00:07:41: Sie hat einige tausend Follower auf Instagram, vor ungefähr zwei Jahren bekommt sie dort dann Nachrichten – ungewollte Nachrichten!
00:07:48: Da war ich einfach echt sauer weil da war ich ein ganzes Jahr lang in den Medien nur mit Technomy to sexualisierte Gewalt missbrauchen.
00:07:56: und dann schicken wir in einer Woche drei Typen ihre Penis und da habe ich mir gedacht das gibt es ja nicht.
00:08:02: Freddy Ferkova betont, dass sind bei Weitem nicht die ersten Dickpicks, die sie in ihrem Leben zugeschickt
00:08:07: bekommt.
00:08:08: Ich würde sagen, zwölf, dreizehn, vierzehn sicherlich die allerersten Penisbilder beschickt bekommen und überhaupt sexuelle Inhalte
00:08:14: her.
00:08:15: Damals spielt sich das in Ecken des Internets ab, die vor allem Leute im Alter von Freddy Ferkow war und uns noch kennen – also Millenials in ihren Dreißigern, Stichwort, ICQ, Lokalisten usw..
00:08:26: Ich habe, als ich drei zum vierzehn war, wie ich die Anfänge des Internets mitbekommen.
00:08:30: Das dürfte jetzt noch mal viel schlimmer sein mit Snapchat aber schon allein.
00:08:34: damals war das so dass man
00:08:35: als Kind
00:08:36: gegrummt wird.
00:08:37: vor allem als weibliches Kind wird man sehr viel im Internet gegromt.
00:08:40: Groomen davon spricht man wenn eine erwachsene Person sich oft online gezielt das Vertrauen eines Kindes erschleicht um Grenzen zu verschieben Geheimhaltung zu erzeugen und das Kind später oft sexuell auszunutzen.
00:08:54: Damals Als Kind ist Freddy Ferkova verunsichert.
00:08:58: Sie schämt sich für die Bilder, die er zugeschickt
00:09:00: werden.".
00:09:01: Dabei ist sie damit bei Weitem nicht alleine.
00:09:04: Laut einer repräsentativen Umfrage mit fünfhundert Teilnehmerinnen haben vier von zehn Österreicherinnen bereits unerwünscht Nacktbilder halten.
00:09:12: Bei den unter dreißigjährigen sind es sogar alt und sechzig Prozent!
00:09:16: Als sie dann vor zwei Jahren diese Nachricht mit dem Dickpixi reagiert Freddy Ferkhova aber nicht mehr mit Scham.
00:09:23: Also da hat es mir einfach gereicht.
00:09:25: Da war ich einunddreißig oder dreißig zu dem Zeitpunkt, habe schon meine Lebensjahre hinter mir.
00:09:30: mit zwanzig hast du kein Geld und keine Müsse und du weißt nicht wie alles funktioniert.
00:09:35: als Kind sowieso nicht.
00:09:36: Und jetzt bin ich halt eine erwachsene Frau mit einem Job Mit einem Anwalt und mit einer Ahnung wie alles funktioniert.
00:09:43: Was wichtig ist das ganze beginnt ungefähr zur selben zeit also auch Judith die dick pics auf ihrem Handy entdeckt.
00:09:50: Das heißt Damals sind ungewollte Dickpicks eben noch nicht strafbar.
00:09:54: Trotzdem schaltet Freddy Ferkova einen
00:09:56: Anwalt ein.
00:09:57: Mein Name ist Philipp Springer, ich bin Rechtsanwalt in Wien, habe ein breites
00:10:02: Spektrum an Spezialisierungen aber darunter auch Strafrecht und Zivilrecht.
00:10:06: Philip Springer hat Freddy Fercova schon öfter rechtlich beraten als sie damals die Missstände der Technoszene-Anpranger zum Beispiel.
00:10:14: Er erklärt ihr wenn Sie tatsächlich Männer für Dickpiks zur Verantwortung ziehen will muss sie das in Fällen tun, wo sie die Identität des Absenders bereits kennt.
00:10:24: Nur dann kann sie nämlich zivilrechtlich gegen die Belästigung
00:10:27: vorgehen.".
00:10:28: Das ist damals in Österreich schon möglich – man kann auf Unterlassung oder wegen der Verletzung des Persönlichkeitsrechts klagen.
00:10:35: Das kostet aber zum Beispiel erst mal das Honorar des Rechtsbeistands!
00:10:40: Und der Anwalt erklärt Freddy Falco war auch gleich dass er zwar vielleicht eine Entschädigung für Sie rausholen kann Aber die Männer vor der damaligen Rechtslage für die Dickpicks nicht strafrechtlich verurteilt werden können.
00:10:51: Ich
00:10:51: habe mir dann vorgeschlagen, dass wir stattdessen eine politische Kampagne
00:10:54: machen.".
00:10:55: Dass Philipp Springer und Fredy Felcover auf die Idee kommen – Die Gesetzeslücke medial größer zu thematisieren hat einen Grund!
00:11:03: Denn mittlerweile sind wieder einige Monate vergangen….
00:11:05: Und um den Jahreswechsels von Jahrzehntausend-Vierundzwanzig-Fünfundzwanzig ist in Österreich politisch gerade einiges los.
00:11:12: Das war schon zur Regierungsbildungsphase Und ich weiß ganz genau, wenn die Regierung gebildet wird oder wenn politisch halt diese Umschwinge passieren.
00:11:21: Das ist der Zeitpunkt wo du medial was setzen kannst damit es umgesetzt wird und diesen Zeitpunkt wollte ich dann auch zusätzlich
00:11:26: nutzen.".
00:11:27: Freddy Ferko war Beginn also weitere Dickpicks zu sammeln.
00:11:30: «Zuerst habe ich auf Instagram so getan als würde ich ein Only-Fans-Account eröffnen und hab aufreizende Fotos von mir geposted in der Hoffnung dass noch viel mehr Penisbilder kommen.».
00:11:40: Hoffnung in Anführungszeichen.
00:11:42: Friddi Ferkova sagt, das Ganze ist nämlich keine Falle für sie.
00:11:46: Sie habe keinen Mann irgendwie gebeten oder gar dazu gedrängt ihr irgendwas zu schicken.
00:11:52: Es dauert trotzdem nicht lang bis sie das erste Dickpick bekommt.
00:11:56: Aus der Platoire an Penisbildern die ich hatte hab' ich mit meinem Anwalt Dr.
00:12:00: Springer identifiziert.
00:12:01: welche davon sind mit Klarnamen geschickt worden?
00:12:04: es gab dann wirklich zwei Männer die wir identifizieren konnten.
00:12:09: Dafür schalten die beiden sogar extra einen private Ediktiv ein Auf eigene Kosten wieder.
00:12:14: Die Polizei hätte damals in dem Fall ja nicht ermitteln können.
00:12:17: und dann gehen Freddy Verkova und Philipp Springer juristisch gegen die Absender vor, so wie es die Rechtslage halt zulässt.
00:12:24: Das Teil dieser Kampagne haben wir zunächst eine Zivilklage
00:12:27: eingebracht.
00:12:28: sie hat die dann groß
00:12:29: medial
00:12:29: thematisiert.
00:12:30: diese Klage.
00:12:31: Es war eine fremde Person und das ist so.
00:12:33: dadurch dass es nicht strafbar ist die Spicks zu schicken muss ich da selber machen.
00:12:37: die Polizei hilft mir dann nicht.
00:12:38: Freddy Verkova fordert in mehreren Interviews, wie hier mit dem TV-Sender Puls.
00:12:42: Vierundzwanzig das ungewollte Dickpix endlich offiziell unter Strafe gestellt werden und sie bekommt dafür viel Unterstützung.
00:12:49: Also ganz viele fanden es natürlich toll besonders Frauen weil das ist ja etwas was jede Frau irgendwie kennt.
00:12:56: Und die Männer?
00:12:57: Leider Gottes wenn man die Männer fragt dann sagen alle Männer Nein ich würde sowas nie machen und ich kenne niemanden der sowas macht.
00:13:03: Das geht sich alles zahlmäßig nicht aus.
00:13:11: Antonia und ich kennen auch beide mindestens eine Freundin, die schon mal ungewollt ein Dick-Pick bekommen hat.
00:13:17: Selbst ist es uns zum Glück noch nie passiert aber wir fragen uns trotzdem woher kommt dieser Drang den offenbar so viele Männer verspüren Fotos von ihrem Penis zu verschicken?
00:13:28: Ich glaube auch tatsächlich dass viele Männer oder einige Männer die solche Bilder verschicken das als ja Flirtversuch oder als Art der Transaktion sehen.
00:13:37: quasi ich zeigte im Bild.
00:13:40: Das ist Ingrid Brotnick.
00:13:42: Sie ist Autorin und Kolumnistin beim Standard, und sie beschäftigt sich schon lange mit sexualisierter digitaler Gewalt – so auch in ihrem neuesten Buch Feindbildfrau.
00:13:51: Ingrid Brodnick betont aber, Dickpicks dürfen nicht als ungeschickte Anmache bagatellisiert werden nur weil manche Männer sie vielleicht so meinen.
00:14:00: Bilder von seinem Geschlechtsteil zu verschicken und das Ungebeten isst und bleibt eine Grenzverletzung.
00:14:05: Neben übergriffigen Anmachen sind Dickpics aber noch etwas anderes!
00:14:10: Wenn es nicht konsensual ist,
00:14:11: dann
00:14:12: ist das ja auch ein Ausleben von.
00:14:15: ich hab hier das sagen und du hast jetzt gar nichts zu mitzureden.
00:14:18: Ich krieg nicht die Wahlfreiheit ob ich das sehen möchte.
00:14:21: Und Bilder, das kennen sicher viele, die wirken spontan.
00:14:24: Also das ist noch mal vielmal präsenter als wenn ich Text lese, ich kann mich dem Bild so schlecht entziehen.
00:14:30: Ingrid Brotnick sagt vielen Männern dürfte genau dieser Mix aus sexueller Übergriffigkeit und Machtausübung einen richtigen Kick geben ohne dass ihnen klar ist, was da eigentlich genau passiert.
00:14:43: Dieses Machtausüben – das ist so wichtig!
00:14:45: Das muss Menschen nicht bewusst sein.
00:14:47: Wir haben oft ein verzehrtes Bild von Personen die sexualisierte Gewalt ausleben Dass sie genau wissen, was sie bei den Betroffenen bewirken.
00:14:55: Aber in der Praxis wird es oft eher sein, dass das ganz niederschwellig passiert.
00:14:59: Eine kanadische Studie zu dem Thema Dickpicks zeigt, dass viele der Männer, die solche Bilder verschicken laut ihrer eigenen Wahrnehmung harmlose Motive hatten.
00:15:08: Sie erklären die Nachrichten eben zum Beispiel als einen Flirtversuch oder die Aufforderung an die Frau, ein Bild zurückzuschicken.
00:15:15: Einen Punkt in der Studie findet Ingrid Brodnig aber auffällig.
00:15:19: Die Männer, die eher dick pics verschicken hatten auch eine höhere Wahrscheinlichkeit zu Nazismus und z. B., ein Aspekt von Nazismus ist fehlende Empathie und auch eine hohe Wahrscheinlichheit zur Sexismus inklusive feinseligen Sexismus.
00:15:33: Feinseliger Sexismus bedeutet dass die Männer ein sehr negatives Frauenbild haben Also zum Beispiel Frauen gedanklich und auch verbal abwerten.
00:15:41: Aber auch das eigene Männlichkeitsbild spielt laut Ingrid Brotnick eine entscheidende Rolle.
00:15:46: Ich glaube es ist interessant, dass wir beim Thema Dick-Picture mal sehen, glaube ich, dass manche Männer mit ihrem Penis einen eigenartigen Umgang haben also so im Sinne von, dass die Welt darauf gewartet hätte das jetzt zu sehen.
00:15:56: Dazu kommt, daß die Anonymität im Netz die Hemmschwelle für viele Täter extrem niedrig werden lässt.
00:16:03: ein Fakeprofil hier, ein Foto vom Genital Senden.
00:16:08: Manchmal fallen Dickpicks aber auch in den Bereich der Hasskriminalität, sagt Ingrid Brodnick.
00:16:13: Täter verschicken die Bilder bewusst um die Empfängerin zu demütigen – das betrifft vor allem Politikerinnen, Aktivisten oder auch Angehörige von
00:16:22: Minderheiten.".
00:16:23: Das ist nicht der Normalfall, das ist eher so eine Nische.
00:16:26: Und diese Gruppen werden super stark auf Anonymisierung achten –
00:16:30: d.h.,
00:16:30: die Gruppen, die besonders brutal vorgehen, sind aber oft auch die, die schwierigereichbar und diese Fälle gibt es auch.
00:16:37: Was auch noch Einfluss darauf haben dürfte, dass Dickpicks etwas verbreitete sind….
00:16:42: viel zu lang kamen die Täter damit ebenso gut wie immer einfach durch!
00:16:46: Was wir glaube ich an der Debatte so stark sehen ist, dass
00:16:49: Männer
00:16:50: wahrscheinlich in vielen Fällen nicht davon ausgehen, dass sie irgendwelche negativen Konsequenzen haben werden.
00:16:54: Also das vielleicht eine Frau zurückschreibt weh oder bitte lasst
00:16:57: das
00:16:57: aber dass Sie nicht damit rechnen, dass Sie dann vor Gericht landen.
00:17:01: Während die Männer wenig zu befürchten haben trauen viele Frauen sich nicht die ungewollten Fotos zu thematisieren.
00:17:07: Oder sie haben ganz einfach nicht die Kapazitäten dazu?
00:17:10: Das sagt auch Judith.
00:17:11: Auch sie entdeckt die Bilder zum Beispiel genau zu einem Zeitpunkt, in dem ihr Leben eigentlich eh schon gerade ziemlich aus den Fugen geraten ist.
00:17:19: Es ist zu einemzeitpunkt gekommen wo ich ein halbes Jahr zuvor und es immer noch bin Pflegerin für meine Mann geworden bin krankheitsbedingt.
00:17:26: Weil ich grad eineinhalb Jahre davor ist Mutter geworden bin.
00:17:29: und wenn das nur Mutter gehört wird.
00:17:31: sie wissen Postpartum ist ganz anderes Thema dass sich wo es wieder eine Unterstützung für Frauen mangelt.
00:17:39: Judith sagt, sie habe sich zu diesem Zeitpunkt in vielen Bereichen einfach von der Gesellschaft und Politik im Stich gelassen gefühlt.
00:17:46: Dann kommt so was noch obendrauf?
00:17:48: Und du musst das aushalten!
00:17:50: Genauso macht
00:17:50: mich das wütend...
00:17:54: ...und noch eine Frau ist wütent.
00:17:56: Hier sind wir wieder bei Freddy Ferkova.
00:17:59: Sie will nämlich genau das ändern, was dazu führt dass Judith und sie diese Fotos einfach aushalten sollen.
00:18:05: Deshalb geht sie mit ihren Dickpickfällen an die Öffentlichkeit, thematisiert medial wie sie dagegen vorgeht.
00:18:12: In einem Fall kommt das aber gar nicht zum Verfahren.
00:18:15: Da
00:18:15: konnte dann mein Anwalt diese Schreiben los schicken.
00:18:18: Einer der Männer hat ja auch gleich sofort angerufen sich entschuldigt gesagt er ist betrunken gewesen und hat mir sofort Geld überwiesen.
00:18:25: Die Sache kam außer gerichtlich zu einem Ende.
00:18:27: Ein zweiter Fall landet aber tatsächlich im Gerichtssaal.
00:18:30: Der zweite Der hat sich nicht gemeldet auf das Schreiben, da ist es auch zu einem Gerichtsprozess gekommen.
00:18:36: Er ist aber nicht aufgetaucht und ich bin dann, obwohl ich gewonnen habe, auf den Kosten sitzen
00:18:41: geblieben.".
00:18:42: Aber obwohl Freddy Ferco war von diesem zweiten Täter keine Entschädigung und keinen Kostnersatz bekommt, hat sie erreicht was sie eigentlich wollte – Sie hat einen Präzedenzfall geschaffen.
00:18:54: Einen der durch die Medien geht und von dem auch Judith erfährt!
00:18:58: Sie nimmt daraufhin über Social Media Kontakt zu Friedi Verkova auf.
00:19:02: Und hat sie dann angeschrieben und nach ihrem Anwalt gefragt?
00:19:04: Und da bin ich zum Anwaltung gegangen im Mai.
00:19:06: Auch Judith landet mit ihrem Fall also bei Philipp Springer, das ist immer noch im Frühjahr twenty-fünfundzwanzig.
00:19:12: Das heißt es gibt noch immer keine strafrechtliche Handhabe.
00:19:16: Wir können nichts machen!
00:19:17: Wir können das jetzt auch zivil machen aber wir wissen zu dem Zeitpunkt gerade nicht mal Nachnamen.
00:19:21: Wir haben keinen konkreten Anhaltspunkt.
00:19:23: Judith's Studium ist zu demzeitpunkt mehrere Jahre her.
00:19:26: Sie kann sich nur noch an den Spitznamen des Mitstudenten erinnern, Adresse hat sie auch
00:19:30: keine.
00:19:31: Das heißt, sie müsste erst mal einen Privatdetektiv engagieren um mehr über den mutmaßlichen Absender herauszufinden und dann über das Zivilrecht gegen ihn klagen.
00:19:41: Das hieße – noch mehr Geld investieren, dass sie am Ende wie Freddy Falco war womöglich gar nicht erst zurückbekommt.
00:19:48: Aber Philipp Springer sieht da noch ein zweiten Weg.
00:19:51: Er sagt ihr
00:19:53: Wir können eine Sache machen Und das ist warten.
00:19:57: Wir können warten bis zum ersten September, denn dann kommt dieser Paragraph.
00:20:02: Dann wird es strafbar und dann ist Descenten von diesen Videos und Fotos nicht mehr erlaubt – und dann können wir was tun!
00:20:19: Fredy Ferkova hat mit ihrer Aktion zwar eine öffentliche Debatte über das Stick-Big-Verbot angestoßen.
00:20:25: Aber im Hintergrund wurde auf politischer Ebene schon länger über ein solches Gesetz diskutiert.
00:20:30: Das Stick-Big-Verbot ist schon seit Jahrzehnte und zwanzig in dem Politischen Diskurs verankert, damals noch unter der Tokisgrünen Regierung –
00:20:40: das ist Werthe Hausbiechler.
00:20:42: Sie schreibt dem Standard über Geschlechterpolitik und Gleichstellungsfragen Und weil Sie euch gerade auch an den Kopf gegriffen haben, als sie türkisgrüne Regierung gesagt hat.
00:20:51: Ja das kommt uns auch schon vor wie vor einer Ewigkeit.
00:20:54: Zur Einordnung, im Jahr ist es in der Zeit für die ÖVP nach dem Kurzrücktritt unter Kanzler Karl Nehammer weiter mit den Grünen als Juniorpartner.
00:21:03: Es gab damals einen parteipolitischen Hickhack und zwar hatte damalige Staatssekretärin Claudia damals noch Blackholm jetzt Bauer gemeint Gibt es ja nicht, dass da kein Gesetz zustande kommt?
00:21:15: Die Grünen haben in dessen gemeint.
00:21:17: Sie hätten längst einen Gesetzentwurf eingebracht, der aber ignoriert oder einfach nicht kommentiert worden sei.
00:21:25: Ursprünglich kam der Vorschlag also von den Grünen und eigentlich sind auch beide Parteien dafür.
00:21:31: trotzdem bekommen sie das Gesetz nicht verabschiedet.
00:21:34: Letztendlich hat sie es aber daran gespießt, dass die Grünen wollten das Unerwünschte versenden von Dick Bicks über das Verwaltungsrecht regeln.
00:21:43: Und die ÖVB hat gemeint, das ist eine Verharmlosung und wir wollen eine Verankerung
00:21:47: im Strafrecht.
00:21:48: So kommt es, dass der Legislaturperiode für den Zweifel endet ohne dass das Deckpickverbot umgesetzt wird.
00:21:55: Prinzipiell kann man sich schon wundern, warum das nicht schon so ein Jahr und zwanzig gelungen ist.
00:22:00: Man weiß nicht ganz, ist es eben so eine parteipolitische Auseinandersetzung gewesen die eigentlich mit inhaltlichen Gründen wenig zu tun hatte?
00:22:09: Dass das Verbot bei den Regierungsverhandlungen nach Ende der Koalition Thema ist dafür sorgt dann wie wir schon gehört haben auch Freddy Falco war.
00:22:17: Es waren nicht die Initialzündung, die kam durchaus von den Grünen Aber es ist natürlich dann breiter diskutiert worden auch.
00:22:24: Und so kommt es, dass die neue Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS im
00:22:29: Frühsommer-Zw.A.W.,
00:22:31: wenige Monate nach Friedrich Falkowas Initiative das hier verkündet
00:22:35: Es wird
00:22:37: einen neuen Straftatbestand geben
00:22:39: im Rahmen
00:22:41: des Verbots sexueller Belästigung.
00:22:43: Es soll eben verboten werden strafrechtlich, dass Penisbilder unauffordert
00:22:51: an
00:22:52: Personen geschickt werden – Sie kennen das Phänomen?
00:22:55: Das sagt Justizministerin Anna Spora von der SPÖ bei einer Pressekonferenz.
00:23:00: Es ist genau die Nachricht auf die Judith und ihr Anwalt gewartet haben!
00:23:04: Sie wissen jetzt, sie müssen nur noch auf den ersten September warten.
00:23:08: Ab dann gilt das
00:23:09: Gesetz.".
00:23:10: Und ich war da schon sehr wütend.
00:23:13: Ich bin immer noch.
00:23:14: Ich war sehr wüten und habe beschlossen, ich halte es jetzt aus!
00:23:21: Denn die Dickpicks trugen weiterhin ein – obwohl Judith den Absender auf WhatsApp sogar schon mal blockiert hat.
00:23:28: Da beginnt er ihr auf Signal, die Bilder zu schicken.
00:23:31: Später kommt nach einer zweiten Nummer dazu von deraus erschreibt Das endet ja die Fotos dann auch wieder auf WhatsApp.
00:23:37: Judith wird also auf mehreren Kanälen über Monate fast täglich mit Bildern bombardiert!
00:24:04: Über mehrere Wochen sieht sie immer wieder diese Benachrichtigung.
00:24:08: Weißt, dass sich da jemand daran aufgelt, sie zu
00:24:10: belästigen.".
00:24:12: Also selbst wenn du es nicht drauf gehst, du weißt ja das ist kommt, dass diese Bilder kommen und so ein Eindringen und eine Verletzung und so eine Respektlosigkeit.
00:24:23: Und ich habe nichts zu verstecken.
00:24:25: Ich schäme mich nicht.
00:24:25: Trotzdem fühlst du dich beschämt und beschmutzt.
00:24:28: Du hast nichts getan!
00:24:29: Du bist da passiv?
00:24:32: Konditionierten Reaktionen, was mich halt auch einfach so aufgeregt hat.
00:24:36: Aber Judith kann den Absender nicht auf allen Kanälen blockieren wenn sie gegen ihn noch vorgehen will denn damit sie ihnen nach diesem neuen Gesetz anzeigen kann muss er ihr nach dem ersten September noch Dickpicks schicken sonst macht der sich nichts strafbar.
00:24:50: Wir haben es abgewartet und der erste September kam diese Paragraf offiziell da.
00:24:56: wir können etwas tun Und die Fotos hören auf Nichts.
00:25:03: Und was davor gesendet worden ist, war irrelevant.
00:25:12: Judith kann es nicht glauben!
00:25:13: Seit mittlerweile über einem Jahr schickt ihr dieser Mann tausende Penisbilder bis zu dreißig Mal am Tag.
00:25:20: und kaum dass sie sich dagegen wehren könnte, hört er auf...
00:25:23: Ich dachte nur, was zur Hölle?
00:25:24: Habe ich das jetzt im Sonnste ausgehalten?
00:25:26: Was aber auch ganz klar sagt, der wusste schon, was er tut,
00:25:28: ne?!
00:25:28: Der wusste ja schon, dass das jetzt kein Kavaliers-Ding ist sondern dass der zumindest ab dem Zeitpunkt da war ein Kalkül dahinter.
00:25:36: Das heißt, der Absender dürfte eigentlich ja auch gewusst haben dass Judith die Fotos nicht will.
00:25:41: Er rechnet offenbar damit das sie ihn anzeigen könnte wenn es jetzt die Möglichkeit dazu gibt.
00:25:46: also hört er just dann dem tag auf ihr bilder zu schicken als das gesetz in kraft tritt.
00:25:50: sich war richtig wütend.
00:25:52: mein anwalt sagte der wird wieder was schicken
00:25:54: und judiz anwald behält recht.
00:25:57: Und dann kam auch was so nach
00:26:00: sieben
00:26:00: acht neun tagen aber so Dass es nicht strafrechtlich war Das heißt, die Genitale waren verdeckt.
00:26:08: Es war ganz klar Menschen, die definitiv nicht eher sind und damit ist das pornografisches Material aus dem Internet aber keine persönlich anzüglichen Sachen und das fällt dann nicht runter.
00:26:18: Auf einmal hat er auch Fotos geschickt von Darstellerinnen mit sehr obszönen übergroßen erotischen Spielsachen sozusagen ja und hat dann aber auch genitalien mit einem smiley versteckt also auch wieder so dass er rechtlich nicht anzufassen, weil ich konnte nichts tun.
00:26:34: Es ging weiter!
00:26:35: Es ging dann wieder in diesem Schwall von zwanzig dreißig vierzig Fotos und es ging
00:26:39: nicht.".
00:26:39: Judith ist verzweifelt.
00:26:41: Waren all ihre Mühe, ihre Geduld und die Anwaltskosten umsonst?
00:26:46: Darüber sprechen wir der nächsten Folge von Inside Austria.
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00:27:34: Danke fürs Zuhören, und allen die auch hinter den Kulissen an diesem Podcast mitwirken!
00:27:39: Das waren diesmal Rauke Böger, Katharina Zingerle, Lucia Heisterkamp, Musayen Al-Yosef Und Christoph Neube.
00:27:46: Ich
00:27:46: bin Kim Höbe
00:27:47: ich bin Antonia Raut.
00:27:48: Wir sagen Tschüss und Papa.