Der Podcast über die großen und kleinen Skandale Österreichs
00:00:07: Südtirol ist ein ganz besonderer Flecke Erde.
00:00:10: Die einzigartige Natur, die Berge, das Essen der Wein, die Schiebpisten und immer schickeren Wellness-Hotels locken jedes Jahr rund neun Millionen Touristen hierher.
00:00:20: Doch die Geschichte hat den südtiroltive Wunden hinterlassen.
00:00:23: Manche sind bis heute nicht verheilt.
00:00:25: Wir
00:00:26: sind sozusagen eine ethnische Minderheit in einem fremden Staat
00:00:29: Zugehörig
00:00:30: einem Staat
00:00:31: zu dem es eigentlich nie
00:00:33: gehören
00:00:33: wollte.
00:00:34: Diese Anschläge, Attentate waren Ausdruck, Torschieren und Verzweiflung.
00:00:38: Und diese Verletzungen von damals sind bei Leibenicht
00:00:41: aufgearbeitet.".
00:00:43: Denn die malerische Region hinter dem Brenner ist mehr als ein beliebtes Ziel für Touristen – sie gehörte mal zu Österreich….
00:00:50: …und die Zugehörigkeit zu Italien ist bis heute ein Politikum!
00:00:55: In Südtirol leben heute drei anerkannte Sprachgruppen friedlich zusammen.
00:00:59: Doch das war nicht immer so... Und bis heute ist die Südtirol-Frage ein beliebtes Thema vieler rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien von der FPÖ bis zur AfD.
00:01:10: Ja, Südturol ist uns
00:01:11: ein
00:01:11: Herzensanliegen.
00:01:12: Südtirol
00:01:13: ist nicht Italien – das sieht und hört man auch ohne jegliches Geschichtsbewusstsein.
00:01:19: Das
00:01:19: ist halt einmal
00:01:20: eine Unrechtsgrenze!
00:01:22: Ein
00:01:22: Wahrheit
00:01:23: für unsere Südtirole Österreichern.
00:01:26: Ich bin Katharina Zingerle vom Spiegel.
00:01:29: Und ich bin Antonia Raut vom
00:01:30: Standard.
00:01:31: In dieser Reihe von INSAT-Austria geht es um Südtirol, eine bis heute politisch besonders um kämpfte Region.
00:01:37: Wir gehen der Frage nach wieso Südturol heute zu Italien gehört und wieso sich manche immer noch wünschen dass es wieder ein Teil von Österreich wird?
00:01:46: Wir erzählen von der Unterdrückung der deutschsprachigen Bevölkerung und wie Attentäter in den neunzehntundersächsiger Jahren sogar Bomben zündeten um unabhängig vom Rom zu werden.
00:01:56: Wir wollen wissen, welches Interesse rechte Parteien aus Österreich und Deutschland noch immer an Südtirol haben.
00:02:02: Und welche Gefahren von diesen rechten Schulterschlössen ausgehen?
00:02:05: Das ist Folge eins der Kampf um Südtirol.
00:02:08: Wir sprechen hier darüber wie Südturol gegen den Willen der meisten Südturler zu Italien kam Wie der italienische Faschismus ihnen Kultur und Sprache nehmen wollte.
00:02:18: Wir erzählen von geheimen Untergrundschulen, nationalsozialistischen Geheimorganisationen und wie die sogenannte Option sogar
00:02:25: Familien gespalten hat.
00:02:49: Ich bin Katharina Zingerle.
00:02:55: Ich moderiere Insight Austria erst seit kurzem, aber ich bin mit Österreich aufgewachsen.
00:03:00: Denn auch wenn meine deutsche Aussprache es versteckt, ich bin eigentlich in einem kleinen Südtiroler Dorf groß geworden – in Antholz.
00:03:07: Meine Muttersprache ist Deutsch!
00:03:09: Ah, wenn's Magari für Rathdorlet damit nur noch klingt auf dem Modell schräg daten... Und wer deutschsprachig in Südtirul aufwächst Der hat eigentlich eine recht österreichische Kindheit.
00:03:18: Österreichisches Fernsehen, österreichisches Schulbücher auch das Essen und die Kultur sind zum Teil eher tirolarisch als italienisch.
00:03:26: Ich bin ja in Nordtyrola aufgewachsen.
00:03:28: Katharina's Dialekt verstehe ich übrigens problemlos Und so hatten wir beide eine ziemlich ähnliche Kindheit Tom Turbo auf Konfetti TV, Helmi hat uns die Verkehrsregeln erklärt und am Sonntag gab's Spinatknödel während draußen die Blasmusikkapelle aufmarschiert ist um jetzt mal alle Klischees zu bedienen.
00:03:46: Das Spannende ist aber ich bin Österreicherin.
00:03:49: Katarina ist aber Italienerin
00:03:51: Zumindest laut Pass.
00:03:52: So genau weiß ich oft selbst nicht wie ich mich eigentlich bezeichnen soll.
00:03:55: Es hängt nämlich total davon ab mit wem ich spreche und in welchem Kontext.
00:04:00: Klar ist, Österreicherin bin ich keine.
00:04:02: Aber Italienerin allein trifft es halt auch nicht.
00:04:05: und dann werde ich oft gefragt, als was fühlst du dich?
00:04:09: Und die Antwort ist irgendwie immer kompliziert!
00:04:11: Ich bin Südtiroler, hier geboren, lebe hier.
00:04:14: Bin so mit Tiroler- und Angehöriger der österreichischen Minderheit in Italien, den gleichzeitig italienischer Staatsbürger und Europäer.
00:04:22: Ich bin Italiena, deutscher Muttersprache, ich bin Südtiroler.
00:04:24: vor allem.
00:04:25: Wir haben für diese Serie mit unterschiedlichen Menschen aus Südtirol gesprochen.
00:04:29: Mit Historikerinnen, mit Leuten aus der Politik und Journalisten.
00:04:34: Wir wollen verstehen warum ihre Identität als Südtiroler ihnen bis heute so wichtig ist... ...und was die bewegte politische Geschichte der vergangenen hundert Jahre damit zu tun hat.
00:04:44: Und deswegen fangen wir mal ganz von vorne an!
00:05:07: Das ist der Bootsner Bergsteigermarsch eine Art hymne Südtirals.
00:05:11: Hier hört ihr übrigens die Musikkapelle Josef Leitgib aus Anthols Niedertal, bei der ich auch mal mitgespielt habe.
00:05:17: Sie hat das Stück kürzlich extra für uns und für euch bei einer Probe aufgezeichnet!
00:05:21: In dem Lied geht es um die einzigartige Landschaft Südtirols – die Berge, die Natur aber auch das schwere Leid.
00:05:47: Mir als fünfhundert Jahre lang waren Nord-, Ost- und Südtirul ein gemeinsames Tirol.
00:05:52: Südstirul, terminologisch war die südlichen Provinzen von Tirol, einschließlich des Trentino.
00:05:59: Wenn man früher im Jahrhundert von Südtirol gesprochen hat, dann hat man das südliche Tiroll gemeint und es verboten und
00:06:06: drehen.".
00:06:07: Hier hört ihr Brigitte Marzoll – sie ist Südtirolerin und emeritierte Professorin für österreichische Geschichte an der Uni Innsbruck.
00:06:14: Sie erklärt bis zu dem Jahrhundneunzehn ist Süttirol ein Teil der Habsburger Monarchie.
00:06:19: Im Ersten Weltkrieg kämpfen die Südtiroler noch für Österreich.
00:06:22: Italien verhält sich im Krieg anfangs noch neutral, will sich nach außen hin raushalten.
00:06:28: Also die Italiener waren so ein Dreibund mit den Deutschen und der Habsburger Monarchie verbunden aber sie haben sich bei Ausbruch des Krieges also als die Österreich und die Deutschen den Weltkrig begonnen haben, neutral erklärt zunächst.
00:06:41: Haben aber gleichzeitig mit den Gegnern der Mittelmechte schon verhandelt.
00:06:45: Die Enthorn-Mächte Frankreich, Großbritannien und Russland wollen Italien auf ihre Seite ziehen.
00:06:51: Und versprechen dem König und der Regierung in Rom Gebietes gewinne – auch Südtirol!
00:06:56: Italien lässt sich überzeugen und wechselt die Seiten.
00:06:59: Am XXIII.
00:07:00: Mai, da erklärt Italien österreich ungeahnd den Krieg und damit auch Deutschland.
00:07:06: Neben der Ost- und der Westfront gibt es nun also eine dritte Front quer über Alpen.
00:07:11: Hier kämpfen jetzt Südtiroler für Österreich gegen die Italiener.
00:07:16: Also
00:07:16: da wurden die
00:07:17: Kämpfe zum Teil auf zweitausend Meter Höhe geführt und es sind unglaublich viele Soldaten von beiden Seiten auch durch Naturkatastrophen, durch Schnee und durch Kälte und Rungen und sanitäre Bedingungen ums Leben gekommen.
00:07:30: Im Herbst-Ninzehnhundertachzehn gelingt den Italienern dann der Durchbruch.
00:07:34: Die Front in der Po-Ebene bricht zusammen also ein gutes Stück südlichte Alpen.
00:07:39: italienische Truppen marschieren Richtung Norden und stehen plötzlich in Südtirol.
00:07:43: Der erste Weltkrieg ändert bald darauf, dass Habsburg-Reich zerfällt – und Italien bekommt seine Belohnung!
00:07:50: Da war dann die Frage wo wird die Grenze zwischen Italien und Österreich sein?
00:07:54: Und dann wurde die Brennergrenze festgelegt durch seinen Vertrag von San Germain Das
00:07:58: heißt Tirol wird geteilt.
00:08:00: Südturol gehört nach Ende des ersten Weltkriges nicht mehr zum viel kleineren Neunstaat Österreich sondern wird ein Teil Italiens.
00:08:08: Zunächst konnte man das nicht fassen, also weder die Österreicher noch die Südtiroler oder die Deutschsprachigen.
00:08:15: Dazu muss man wissen grundsätzlich war der Region Südturol schon immer ein Grenzgebiet in dem unterschiedliche Sprachgruppen miteinander leben.
00:08:23: da gibt es einmal die deutschsprachige Gruppe dann die italienisch sprachige und was viele nicht wissen die ladinische sprachgruppe.
00:08:31: Ladinisch ist eine romanische beziehungsweise retro-romanische Sprache, die von etwa dreißigtausend Menschen in mehreren Teele an der Dolomiten gesprochen wird.
00:08:39: Und es klingt so...
00:08:44: Katerine verstehst du das eigentlich?
00:08:46: Naja nicht wirklich!
00:08:47: Ich habe mir höchstens einzelne Worte herleiten – auch wenn ich sogar eine Ladinerin in der Familie habe.
00:08:52: Als Teenager habe ich mal so einzelne Phrasen gelernt wie Bunde, guten Tag oder… Schlecht ausgesprochen.
00:09:01: Die Ladiner machen in Südtirol heute rund vier Prozent aus, fast siebzig Prozent sprechen als Muttersprache Deutsch – etwas mehr als fünfundzwanzig
00:09:17: Prozent italienisch!
00:09:26: Das hat die Leute natürlich schockiert, aber vor allem hatten die Menschen damals andere Sorgen.
00:09:31: Sie waren völlig unterernährt und mussten sich um den Alltag kümmern.
00:09:34: Waren schlecht versorgt und haben erst langsam Notiz davon genommen, dass die Italiener dauernd im Land bleiben
00:09:41: würden.".
00:09:42: Das ist Hans Heiß.
00:09:43: Er ist Historiker ehemaliger Landtagsabgeordneter der Grünen in Südtirol UND er gilt als Wandeln des Gedächtnis Südtiros.
00:09:51: Viele Südtiroler reagieren damals mit einer Art Schockstarre auf die neue Zugehörigkeit zu Italien.
00:09:57: Also das war dann eine Annahme, die erst nach zwei bis drei Monaten so richtig gegriffen hat und dann mit dem Vertrag von Sajamé dann definitiv besiegelt wurde.
00:10:06: Dieser Friedensvertrag von Sacha Meur regelt die Neuaufteilung der Gebiete nach dem Ersten Weltkrieg offiziell – und er ist für die Südtirola von Anfang an problematisch!
00:10:16: Da stand relativ genau drinnen, dass Südtirol und das Trentino eben zu Italien kommen sollten.
00:10:22: Und definitiv von Österreich abzutreten werden.
00:10:26: Was nicht drin entstand war allfällige Schutzklausel.
00:10:30: Das Problem damals wie heute ist die Südtirola Bevölkerung noch großteils deutschsprachig.
00:10:36: Auf den gesamten italienischen Staat gesehen ist man aber natürlich eine Minderheit.
00:10:40: Auch dass der Brenner plötzlich die Grenze ist und ab dem Passübergang ein anderer Staat beginnt, fühlt sich für viele einfach falsch an.
00:10:48: Der Schock sowohl in Südtirol als auch in Österreich ist groß – bei einigen scheint er bis heute nicht überwunden!
00:11:00: Der Brenner.
00:11:01: Der Pass über den die meisten Menschen fahren wenn sie aus Deutschland oder Österreich nach Italien reisen.
00:11:07: Vor einigen Jahren stehen hier plötzlich Plakate neben dem Italien-Landesschild am Grenzübergangen.
00:11:13: Südtirol ist nicht Italien steht da drauf.
00:11:15: Aufgestellt hat die Plakate die Partei Südtirola Freiheit, die heute mit zehn Prozent im Landtag sitzt.
00:11:22: Sie fordert Selbstbestimmung.
00:11:23: ein Los von Rom will zurück nach Österreich zu einem geeinten Tirol.
00:11:28: Diese Sehnsucht gibt es auch auf der österreichischem
00:11:31: Seite
00:11:55: Dem Land Tirol die Treue.
00:11:57: Hier übrigens gespielt und gesungen von der Südtiroler Musikkapelle Thais in Vilnius, dieses kennt jeder und jede, die in Tirols je ein Bierzelt betreten hat!
00:12:06: Hier ist es sowas wie die inoffizielle Landeshymne.
00:12:09: Und darin kommt auch der Schmerz vor dass Südtiroll eben nicht mehr zu Tiroll gehört – mehr als hundert Jahre nach dem Zerfall.
00:12:16: Ich war übrigens auch jahrelang bei der Musikkappele meiner Heimatgemeinde in Südtiraul.
00:12:21: Ich saß in der Tracht auf der Bühne und habe ebenfalls dieses Lied zusammen mit den anderen Musikantinnen und Musikanten gespielt und gesungen.
00:12:29: Es gehörte sozusagen zum Standardprogramm.
00:12:32: Inzwischen, so hat man es mir erzählt, spielt es unsere Musikkapelle kaum noch weil immer irgendjemand Gott sei Dank dazwischen rufe während Anderen bei diesen Zeilen beinahe die Tränen in die Augen treten
00:12:43: Stimmt, diese Zwischenrufe gibt es auch in Nordtirol.
00:12:46: Da merkt man wie sehr das Thema die Menschen heute über hundert Jahre später noch immer bewegt und polarisiert?
00:12:53: Vielleicht heute sogar noch mehr als vor einigen Jahren!
00:12:56: Unsichere Zeiten sind ja meistens gut für diejenigen, die die Zeit zurückdrehen möchten – Zurück zu Österreich.
00:13:04: Damit knüpfen Parteien wie die Südtiroler Freiheit an eine vermeintlich gute alte Zeit an.
00:13:11: Ob es die jemals gab, ist eine andere Frage.
00:13:14: Aber für viele Südtiroler ist das Jahr, einem Zäsur.
00:13:18: Plötzlich sollen sie Italiener werden und nicht nur das.
00:13:21: Südtiral bekommt noch nicht mal irgendwelche Autonomiebestimmungen oder Schutz zu sagen für die deutsche Bevölkerung.
00:13:27: Das wollen die Südtörler so nicht akzeptieren.
00:13:30: Es gab natürlich jede Menge Proteste, es gab Schreiben an sich verschiedenen Regierungen, dass dies nichts sein kann...
00:13:37: Brigitte Marzoll sagt, dass es nach Jahrzehnte auch immer wieder den Versuch gibt, offiziell mit Italien und gleichzeitig mit Österreich zu verhandeln.
00:13:46: Allerdings ohne Erfolg!
00:13:48: Und für die deutschsprachigen Südtiroler kommt es noch schlimmer.
00:13:55: Benito Mussolini – einer der Urväter des Faschismus.
00:13:59: Er sammelt im Italien der neunzehnzwanziger Jahre immer mehr Anhänger um sich, auch in Norditalien.
00:14:05: Grundprinzipien des Faszismus sind ja nationale Einigkeit ethnische Reinheit.
00:14:11: Mussolini erhebt die Italiener über alle Minderheiten, die Deutsch- und Ladinesprachigen Südtiroler und ihre Kultur werden zu einer Art Feindbild.
00:14:20: Es gab ja keine Minderhaltengesetze noch zu diesem Zeitpunkt weil der italienische Einheitsstaat von einer bürgerlichen Elitenminderheit mehr oder weniger aus dem Hut gezaubert wurde gegen Österreich.
00:14:35: Die Idee, dass man Minderheiten schützen muss ist ja erst im Zuge dieser ganzen Umweltsungen entstanden und daher waren die Italiener darauf auch nicht vorbereitet.
00:14:45: Und entsprechend massiv war der Versuch dieses Gebiet zu
00:14:48: italianisieren.".
00:14:50: Anfangs ist Italien noch eine Monarchie mit einem regierenden Ministerpräsidenten – die Faschisten sind mehr eine Italienweit operierende Schlägergruppe.
00:14:58: Immer wieder fahren Gruppen von ihnen nach Südtirol, entfernen und zerstören altösterreichische Symbole wie den Doppeladler oder harbsburgische Inschriften.
00:15:07: In Südtirols Hauptstadt Bozum gründet sich, ein Ableger der Fasche di Compatimento.
00:15:13: Das ist musulinis-politische Kampfbewegung aus der später die faschistische Partei wird.
00:15:18: Ein Vorbote dessen –wie brutal– die nächsten Jahre für die Südtirola werden?
00:15:22: Ist das sogenannte Blutsontag am vierundzwanzigsten April, Ein Trachtenumzug soll die Bootsner Messe eröffnen.
00:15:30: Eine Provokation finden die Faschisten, da in Nordtirol gerade eine Volksabstimmung über den Anschluss Tirols an das Deutsche Reich stattfindet.
00:15:38: Das wäre aber noch mal eine eigene Geschichte!
00:15:40: Die Fascisten aus Bozen bekommen jedenfalls Verstärkung von den Kami-Genäre, den Schwarzhemden Mosulinis Kampfgruppe aus dem Süden.
00:15:49: Über dreihundert italienische Fascisten gehen beim Trachten Umzug mit Knüppeln auf die Menschen los, schießen mit Pistolen und werfen Handgranaten in die Menge.
00:15:57: Ein Mann wird getötet, etwa fünfzig verletzt.
00:16:01: Als das Militär irgendwann einschreitet beschränkt sich dieses im Wesentlichen darauf die gewaltbereiten Faschisten zum Bahnhof zu eskortieren und Es wird zwar ermittelt aber für den Anschlag belangt wird niemand nicht einmal dem mutmaßlichen Mörder.
00:16:16: mit den faszisten will man sich offenbar nicht anlegen Und die werden immer stärker.
00:16:21: Ja, ab dem Jahr neunzehnzwanzig kam noch Faschismus an die Macht und Mussolini-Regime wollte natürlich einen national gleichgeschalteten Staat.
00:16:29: Tutti Italiani eine Sprache ein Volk eine Gemeinschaft.
00:16:34: also es war ein faschistisches Regime und hat eben damit begonnen vor allem den Schulunterricht völlig leicht zu schalten.
00:16:42: Das bedeutet laut dem Historiker Hans Heiß konkret, dass es in Südtirol nur noch italienischsprachige Schulen geben darf bis auf wenige kirchliche Ausnahmen.
00:16:54: Die Region soll italianisiert werden – also sprachlich, kulturell und politisch gleichgeschaltet.
00:17:01: Das hat sich natürlich verheerend ausgewirkt auf der Fahrende Südtihola.
00:17:05: Dann hat man auch die Gemeindeverwaltung gleich geschaltet hat keine Gemeinderäte mehr geduldet, sondern hat faschistische Amtsbürgermeister eingesetzt.
00:17:15: Faschistischer Podestass – das waren sozusagen einzelne Regierende in den Gemeinden und in den Kommunen so kleine Duchess, die dort regiert haben.
00:17:22: Und es war vor allem auch die deutsche Presse weitgehend
00:17:26: verboten.".
00:17:27: Außerdem versucht man durch Zuwanderung aus dem südlicheren Italien die Sprachgruppenverhältnisse zu ändern.
00:17:33: Während vor dem Ersten Weltkrieg kaum Menschen mit italienisch als Muttersprache in Südtiro leben sind es in den neunzehntreißiger Jahren schon über zwanzig Prozent.
00:17:41: Das faschistische Regime siedelt große Industriebetriebe in Südtirol an und holt dafür gezielt italienische Arbeitskräfte.
00:17:49: Die Bootsner-Industriezone wird zum Symbol für die faschistsische
00:17:53: Italienisierungspolitik.".
00:17:54: Und diese Gleichschaltung geht noch weiter!
00:17:57: Die Menschen sollen auch ihre österreichischen bzw deutschen Namen ändern, sie sollen richtige Italiener mit richtig italienischem Namen werden.
00:18:33: Diese Szene stammt aus dem Fernsehmeerteiler verkaufte Heimat von Felix Mitterer.
00:18:39: Die Filme zeigen die traumatischen Folgen des italienischen Faschismus, aber auch des Nationalsozialismus und der Optionen Südtirol.
00:18:46: Was die Option ist dazu kommen wir noch.
00:18:49: Wir haben Mitterers Drama sogar in der Schule gesehen.
00:18:52: Es war Teiles Lehrprogramms.
00:18:54: Felix Mitterer hat auch mehrere Theaterstücke zum Thema Südturol geschrieben.
00:18:58: Es ist ein unglaublicher Rand auf diese Stücke voll mit Notewollerstaunlicherweise.
00:19:03: Also die Zeit ist im Grunde noch nicht wirklich aufgearbeitet, vor allem auch von italienischer Seite nicht.
00:19:08: Das fand langsam an dass auch der Italiener sich mit diesen Themen was hier in Südhol eigentlich passiert ist beschäftigen.
00:19:15: aber es ist sehr lange von italianischer Seite tabriziert worden.
00:19:20: Was Brigitte Marzoll meint, kenne ich aus dem Alltag.
00:19:23: Wie oft ist es mir früher passiert dass Touristen vor allem aus den südlicheren Regionen Italiens nicht verstanden haben warum Italienisch nicht meine Muttersprache sei?
00:19:31: Wieso wir überhaupt Deutsch sprechen würden Es sei doch Italien In Sizilien hätten sie nie etwas von der Geschichte Südtiro's gehört.
00:19:38: Das war so der Klassiker.
00:19:39: Aber
00:19:39: es isst doch auch irgendwie alles zweisprachig oder
00:19:42: Ja?
00:19:42: das stimmt auch zumindest theoretisch aber trotzdem gibt es deutsch und italienischsprachige Schulen Und übrigens auch ladinische.
00:19:49: Ich war in Deutschland und habe italienisch eben als Zweitsprache gelernt.
00:19:54: Das ist im ländlichen Südtirol eigentlich auch das Standard, wobei die grünen Südturol gerne ein paar Klassenzüge einführen würden, wo beide Sprachen gleich viel unterrichtet
00:20:02: werden.".
00:20:03: Das sorgt aktuell für Diskussionen – da kommt den Einigen offenbar sofort die Sorge um die deutsche Muttersprache wieder hoch!
00:20:09: Mit einer Italenisierung hat es aber freilich nichts zu tun — dieser nämlich ganz anders aus.
00:20:14: Da wurden wie ein Felix Mitteras Film tatsächlich selbst Namen geändert….
00:20:18: Viele haben sich natürlich auch ein wenig angepasst, haben auch italienische Nachnamen angenommen.
00:20:24: Ein Herr Wieser, der vor Herr Wießer hieß hat sich im Brati umbenennen lassen damit er dann zu vorteilen kam.
00:20:32: Historiker Hans Heiß sagt Auch die deutschen Ortsnamen mussten, in den letzten Jahren, im Jahr de Valle Aorina aus Bozen wurde Bolzano aus Antal, aus Stärzing wie Peteno.
00:20:46: Diese Namen hatte sich Ettore Tolomei ausgedacht, ein extremer italienischer Nationalist.
00:20:52: Der hat in Florence auch eine Zeitschrift herausgegeben und hat ein genaues Italianisierungsprogramm für Südtirol entwickelt.
00:21:00: Sämtliche Berg- und Ortsnamen ins Italienische hat er bereits um Jahrzehnte umgewandelt.
00:21:08: theoretisch also hat eben eine Stadt wie Brixen in Bressanone umgewandelnt hat einem Berg wieder Klokka-Kopf in Wetter Italia ungedauft auf dem Papier und hatte sozusagen eine Strategie, wie nach dem Anschluss an Italien Südtirole im Polkomen gleichgeschaltet werden sollte.
00:21:25: Im Jahr nineteenhundertsechzehn veröffentlicht er schon sein offizielles Ortsnamenverzeichnis – als Südtiral noch gar kein Teil Italiens ist!
00:21:33: Nach diesem Verzeichnis werden die Orte schließlich unter den Faschisten auch umbenannt werden.
00:21:37: Ptolomei baut dabei auf der warnwitzigen Idee einer römischen Urbevölkerung auf.
00:21:42: Das war fanatisch.
00:21:43: Er wünschte sich, dass die Südtiroler ihren deutschen Fairness ihre deutsche Oberfläche verlieren würden.
00:21:51: und wenn man daran kratzen würde hat Tholomei gesagt dann kommt die römische Urbevölkerung von Südtirol wieder
00:21:57: heraus.".
00:21:57: Die italianisierten Ortsnamen finden sich heute aber immer noch auf Ortstafeln – wenn auch neben den deutschen Ursprungsnamen und manchmal den ladinischen!
00:22:06: Sogar der Name Tirol mit all seinen Ableitungen wird neunzehntundundzwanzig verboten.
00:22:11: Das Gebiet Südtirol heißt ab da nur noch Alto Adige, übersetzt Oberedge.
00:22:16: Die Edd das ist der größte Fluss in Südtirol, der durch Bozen fließt und in die Alria mündet.
00:22:21: Offiziell ist Alto Adice übrigens immer noch der italienische Name Südtiros.
00:22:26: man hört inzwischen aber auch schon mal Suttirolo oder Suttirolese.
00:22:30: Auf mehreren Ebenen hat es diese Assimilationsversuche gegeben und sie haben sich relativ traumatisierend ausgewirkt.
00:22:37: also die Leute waren schon recht schockiert.
00:22:39: Aber es ist gewissermaßen auch eine gewisse Widerstandsfähigkeit entstanden, weil nämlich in den Dörfern draußen hat die Italienisierung nicht besonders gewirkt.
00:22:48: Man war unter sich – es gab zwar die italienische Schule aber der Rest waren eigentlich nur einheimisch so dass man sich sozusagen weiterhin über Wasser gehalten hat.
00:22:57: Während den Städten wie Bozen ganze neue italienischen Viertel entstehen passiert die Italianisierung gerade auf dem Land nur formell.
00:23:05: Die Menschen fühlen sich hier weiterhin als Tiroler, nicht als Italiener und wollen das auch ihre Kinder die deutsche Sprache in Wort- und Schrift lernen.
00:23:13: Ab Mitte der neunzehntzwanziger Jahre gründen sie deshalb geheime Untergrundschulen.
00:23:18: Muss man es sich so vorstellen dass in den Nörfern draußen nach der offiziellen Schule die Kinder nach Hause geschickt wurden?
00:23:25: Die Lehrerin hat gesagt an Bambiniandata Casa geht nach Hause Kinder Und dort dann am Nachmittag ist heimlich in den Familien, in den Bauernhöfen auch versteckt.
00:23:38: In den Heu-Schäunen eben Unterricht in deutscher Sprache eben angeboten worden von Hilfslehrerinnen und stark unterstützt natürlich auch damals aus der Weimar Republikam Anfang, von woher sehr viele Lehrmittel gekommen sind – auch die Lehrerinnen finanziert wurden.
00:23:58: Bücher und Schulhefte werden aus Österreich und Deutschland über die Berge ins Land geschmuggelt.
00:24:03: Katakompenschulen, so nennt man diese Geheimschulen.
00:24:06: Damit vergleicht man sich mit den ersten Christen, die von den Römern verfolgt wurden und sich in den Katakompten trafen.
00:24:12: Das Projekt Untergrundschulen hat aber auch eine Schattenseite.
00:24:15: Es waren Leute, die unprofessionell waren und nicht wirklich zu Lehren erzogen wurden.
00:24:20: Und die haben also den Kindern damals wenigstens lesen und schreiben und solche Dinge beigebracht.
00:24:25: Also da gibt es auch in meiner Verwandtschaft leute,
00:24:27: die dann immer
00:24:28: noch Probleme mit der Autografie hatten weil sie in so einer Kaffeekommenschule
00:24:31: waren
00:24:32: oder nicht ordentlich Deutsch gelernt
00:24:33: haben.
00:24:34: Abgehalten wird dieser heimliche Unterricht laut der Historikerin Brigitte Marzoll auf den Kirchen was auch eine Schutzfunktion hat.
00:24:41: Und trotzdem sind natürlich manchmal die entdeckt worden und die mussten mit strengen Straßen rechnen.
00:24:47: So auch Angela Nicoletti, sie ist heute eine der bekanntesten Katakomben-Lehrerinnen jener Zeit.
00:24:53: Für manche ist sie eine Ikone des zivilen Widerstands und wird als Helding gefeiert.
00:24:58: Immer wieder wird sie von der faschistischen Polizei abgefangen, verhört und bedroht.
00:25:03: Nicolatti wird schließlich festgenommen und ihrer Heimatgemeinde verwiesen – nur wenige Jahre später stirbt sie an einem Lungenleiden.
00:25:11: Manche sagen, der tödliche Verlauf ihrer Krankheit sei eine Folge der Haftbedingungen gewiesen.
00:25:21: Es gab viel Anpassung aber auch viel inneren Widerstand und Abneigung und vor allem meine Hinwendung zum Großdeutschen Reich ab dem Jahr neunzehntreißig.
00:25:30: Hans Heiss sagt die Italianisierung das brutale Vorgehen gegen alle, die sich nicht assimilieren wollen all das führt bei vielen Südtirolern zu einem regelrechten Hass auf alles Italienische Und zu einer Verklärung des Deutschen.
00:25:44: Das war sozusagen die Hauptvorstellung und diese Vorstellung, dass Südtirol irgendwann mal erlöst würde hat die Leute auch motiviert hier durchzuhalten und sich nicht ganz leicht zu schalten.
00:25:57: Die Südtiroler halten also an ihren deutschsprachigen Wurzeln und Tiroler Traditionen fest – auf Österreich als Schutzmacht hofft aber eigentlich keiner.
00:26:06: so wirklich!
00:26:08: Österreich war geschrumpft auf eine kleine Alpenrepublik.
00:26:13: Nicht mehr die große Habsburger Monarchie, sondern wirklich ein mittiger Kleinstad der kam zum Leben hatte und das war für Südtirol nur eine begrenzte Orientierung.
00:26:23: Zudem hat sich Österreich auch zunehmend ab dem Jahr die Wiener Regierung Mussolini angenähert Und hat sich gewissermaßen mit dem Feind der Südtiroler verbündet.
00:26:33: Also da war schon eine gewisse Distanzierung zwischen Österreich, vor allem Wien und Südtirol.
00:26:39: die Verbindung zum Bundesland Tirol zu Nordtirol ist natürlich
00:26:42: geblieben.".
00:26:43: Stattdessen hoffen immer mehr Südtihroler auf ihn.
00:26:59: Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im Jahr und hier gibt es Österreich nicht mehr.
00:27:05: Am Brenner verläuft plötzlich die italienisch-deutsche Grenze – in Südtirol wächst die Hoffnung, dass Hitler auch Südturol heim holen wird!
00:27:29: Hitler ist nämlich auf Staatsbesuch nach Rom gefahren, zu Mussolini im Mai.
00:27:35: Im Mai ist durch Südtirol gefahren und die Zugstrecke wurde flankiert von vielen Südtirolen, die dem Führer wie man damals sagte zuwinken wollten und ihn bitten wollten eben endlich Südtironen nach Deutschland zuholen.
00:27:49: Aber nix da!
00:27:50: Hitler fuhr durch und die Vorhänge des Erzuges waren sozusagen heruntergelassen, also ein deutliches Zeichen dafür, dass Hitler sich nicht für Südtirol interessieren würde.
00:28:01: Hitler hat etwas ganz anderes im Sinn.
00:28:04: Statt sich mit den italienischen Faschisten anzulegen und Südturol heim zu holen, schließt er einen Pakt mit Mussolini – Den Stahlpakt!
00:28:13: Es entsteht die Achse Berlin-Ruhm.
00:28:16: Dem Wunsch der Südtiraler Deutsche zu werden erteilt Hitler eine Absage.
00:28:20: Das ist mein unerschütterlicher Bild.
00:28:24: Und mein Vermächtnis an das deutsche Volk, dass es
00:28:26: deshalb die von der Natur zwischen uns beiden aufgerichtete Alpengrenze für immer als eine unanlassbare
00:28:33: Ansiedt.".
00:28:34: Das sagt Adolf Hitler in den Besuch in Rom.
00:28:38: Die von der naturaufgerichteten Alpengrenze.
00:28:41: Das ist genau das Narrativ, das italienische Nationalisten und Faschisten nutzen – Der Alpenhauptkam und der Brenner als natürliche Grenze.
00:28:50: Besonders eine Gruppe will das nicht akzeptieren!
00:28:53: In Südtirol selbst hingegen hat sich ein sogenannte völkischer Kampfring gegründet.
00:28:59: Das waren illegale Nationalsozialisten, die gehofft haben trotzdem in Kooperation mit den deutschen Nationalsozialisten das zu erreichen dass sie heim ins Reich geholt
00:29:09: werden.".
00:29:10: Der Völkische Kampfring eine Bewegung die streng hierarchisch nach dem Führerprinzip aufgebaut ist und sich am Programm der NSDAP orientiert.
00:29:19: Der VKS verankert damit den Nationalsozialismus in Südtirol im Form einer Organisation.
00:29:24: Und er spielt später bei der sogenannten Option eine Schlüsselrolle, propagiert das Weggehen.
00:29:30: Auf der einen Seite fällt die Ideologie der Nationalsocialisten in Südtirol also auf fruchtbaren Boden
00:29:35: und es gab auch eine kleinere Gruppe von Südtironen wie sich mit dem Nationalsoziellismus identifiziert haben, haben gesagt dass ist eine Ideologie die wir teilen können Eine Volksgemeinschaft, ideale Gleichsinn.
00:29:50: Eine Volksgemeinschaft von Deutschen.
00:29:53: Die Juden der Antisemitismus waren Südtirol bereits gut, leider Gottes sehr gut
00:29:58: verankert.".
00:29:59: Auf der anderen Seite war Südturol aber schon immer ein sehr katholisches Land, sagt Heiß und es gibt viele Gläubige die den NS-Staat ablehnen.
00:30:08: Es gab nicht wenige Südtiroler, die sagten Deutschland ist ein gottloser Staat Er unterdrückt die Kirche, er ist wirklich nicht von einer Ideologie besetzt dieser deutsche Staat mit der wir uns identifizieren können.
00:30:24: Während die Nationalsozialisten im Südtirol der neunzehntreißiger Jahre also durchaus Sympathisanten haben geht der Plan der italienischen Faschisten nicht auf.
00:30:33: Die Italienisierungsmaßnahmen schaffen es nicht aus den deutschsprachigen Südturolern und der Anführungszeichen richtige Italiener zu machen.
00:30:45: Hitler und Mussolini stehen also vor einem Problem.
00:30:48: Südtirol ist und bleibt ein Gebiet mit einer ethnisch durchmischten Bevölkerung, wobei Mussolinin die Region italianisieren will und Hitler das Gebiet zwar nicht annektieren möchte aber die deutsche Bevölkerung dann doch nicht ganz ignorieren kann.
00:31:02: Deshalb einigen sich die beiden faschistischen Regime auf einen Kompromiss
00:31:06: Und in Zuge dieses Abkommens wurde dann immer mehr klar, dass Hitler nicht Südtirol wieder zurückholen wird.
00:31:14: Sondern
00:31:15: Heim ins Reich würde bedeuten die Südturoler werden eben ausgesiedelt.
00:31:20: Südtirol bleibt also.
00:31:21: Italien soll alles Deutsche ablegen und sich vollständig zu Italien bekennen.
00:31:26: Die Südtiroler sollen ihre deutschsprachige Kultur komplett ablegen – und wer das nicht möchte kann gehen!
00:31:33: Zwischen Himmler dem Reichsführer der ISS und dem italienischen Polizeipräsidenten Bokini wurde ein Vertrag ausgearbeitet, wo man gesagt hat das Land bleibt bei Italien aber die Südtiroler deutscher Sprache und die Ladiner zum Teil sollen die Möglichkeit erhalten sich zwischen zwei Alternativen zu entscheiden.
00:31:54: Diese Wahlmöglichkeit ist heute als die Option bekannt.
00:31:58: Die Südtirola haben die Wahl entweder bleiben sie in Italien behalten die italienische Staatsbürgerschaft und passen sich an.
00:32:06: Oder sie optieren für die deutsche Staatsbürgerschaft und wandern nach Nazi-Deutschland aus, wo ja auch Österreich inzwischen dazugehörte.
00:32:13: Wobei Wahl hier vielleicht etwas zu positiv klingt – es ist ja eine erzwungene Entscheidung!
00:32:18: Mit dem Optionsabkommen will Mussolini so Hans Heiß zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
00:32:29: Damit wäre sozusagen das Problem Südtirol gelöst gewesen.
00:32:33: Diese nörgeligen, widerständigen und italienfeindlichen Südturoler würden so hat man gehofft zu einem wesentlichen Teil des Land
00:32:41: verlassen.".
00:32:42: Diese Umsiedelung wird im NS Chagon auch als völkische Flurbereinigung bezeichnet – und meint eine geplante ethnische Neuordnung von Gebieten.
00:32:51: Und für die Südtirola wird es zu einer Scheinwahl bei der es nur falsche Entscheidungen gibt!
00:32:56: Die Darbleiber wurden beschimpft als Verräter an der deutschen Sache, die Geherwurden beschimpften als Verreter in der Heimat.
00:33:05: Noch heute erinnern sich Zeitzeuginnen an diese Zeit als ein besonders dunkles Kapitel in der Südtiroler Geschichte.
00:33:12: Die Risse gehen durch Dörfer sogar Familien zerbrechen an der Frage bleiben oder gehen.
00:33:18: Das war natürlich eine Lebensentscheidung die die Leute im Panik versetzt hat, stellen wir uns vor.
00:33:23: Wir müssten uns innerhalb weniger Monate dafür entscheiden, Zelte abzubrechen oder doch in Italien zu verbleiben, wo die Innazionalisierung weitergelaufen
00:33:31: ist.".
00:33:32: Von September bis Ende des Jahres neunzehntonunddreißig können sich Menschen entscheiden und tatsächlich stimmt eine überwältigende Mehrheit dafür zu gehen.
00:33:41: Die Gründe sind unterschiedlich – einer ist sicherlich dieses Gerücht!
00:33:45: Wer bleibt würde nach Süditalien oder zumindest südlich des Po deportiert.
00:33:50: Aber auch die Nazipropaganda trägt ihren Teil bei, überall hängen Plakate wie dieses.
00:33:56: Großdeutschland ruft Heim ins Reich.
00:33:59: Daneben ein Hakenkreuz und eine Familie mit vier kleinen Kindern lachend und winkend.
00:34:05: Also gehen doch viele aus nationalsozialistischer Überzeugung?
00:34:09: Es gibt sowohl diejenigen, die einfach nur deutschnational waren als auch die, die wirklich nationalsozialistisch waren.
00:34:17: Das ist bis heute eine Streitpunkt.
00:34:18: Wer war wo?
00:34:20: wie gesinnt?
00:34:22: Weil ja die Gräben durch die Familien durchgegangen
00:34:24: sind.".
00:34:25: Manche darunter viele Junge hoffen einfach auf ein besseres Leben mit Arbeit und mehr Wohlstand – sie sehen es als Chance!
00:34:33: Südtirol, das muss man dazu sagen, ist zu dieser Zeit sehr arm.
00:34:37: Ende Dezember neununddreißig haben ca.
00:34:39: sechstundachtzig Prozent der deutschsprachigen Südtiruler für die Option nach Deutschland zu gehen gestimmt.
00:34:45: Also das war schon ein Ergebnis mit dem man in Italien nicht gerechnet hat, dass plötzlich so viele Leute sich gegen Italien aussprechen würden.
00:34:53: aber das war die Entscheidung, die allerdings mehrere Hintergründe hatte.
00:34:57: erstens von Italien hatte man die Nase voll Und zugleich haben viele Südtiroler gehofft, wenn wir uns geschlossen für Deutschland entscheiden, dann wird uns vielleicht Hitler doch heim holen und gerührt sein über so viel Treue und Anhänglichkeit.
00:35:12: Aber Hitler hat natürlich den Deubel getan und hat gar nichts
00:35:15: unternommen.".
00:35:16: Und tatsächlich unternehmt auch der Großteil der Deutsch- und Ladinischsprachigen Südtirola erst mal...nichts!
00:35:23: Obwohl sie für die Umsiedlung nach Deutschland gestimmt haben, warten Sie erstmal ab – wann sich Zeit lassen?
00:35:29: Und sie wollen auch erst mal hören, was die ersten Abgewanderten zurückmelden.
00:35:33: Ob Sie wirklich das bekommen, was ihnen versprochen wurde?
00:35:36: Nämlich ein geschlossenes Siedlungsgebiet.
00:35:39: Die Meldungen aus dem Reich waren nicht sehr berauschend!
00:35:42: Die Leute haben gemeldet.
00:35:43: wir sind jetzt in Innsbruck.
00:35:45: Wir wissen nicht wohin wir kommen, welche Arbeit wir kommen und wo wir wohnen sollen.
00:35:51: Also es gab schon relativ deprimierende Rückmeldung.
00:35:55: Für viele ein Grund mehr doch nicht zu gehen.
00:35:58: Fast zweihunderttausend Südtiroler stimmen ursprünglich für die Auswanderung.
00:36:02: Tatsächlich verlassen aber nur seventy-fünfzig tausend das Land, von denen kehren später wieder zwanzigtausende zurück.
00:36:09: Unter denjenigen, die gingen und blieben waren übrigens auch meine Urgroßeltern – und mein Opa der damals ein Teenager war!
00:36:16: Meine Familie federlicherseits stammt ursprünglich aus Lucerne, einer sogenannten Sprachinsel im Trentino.
00:36:22: Also einem Dorf wo es bis heute eine deutschsprachige Minderheit gibt obwohl ringsherum eigentlich alle schon italienisch sprachig sind.
00:36:30: Mein Uroper war Deutschlehrer deshalb war für ihn die Auswanderung quasi unausweichlich.
00:36:36: so kam's dass die ganze Familie nach Nordtyrol zog genauer nach Imst in eine sogenannte Südtirolersiedlung.
00:36:45: Auch mein Papa ist dort noch aufgewachsen.
00:36:56: Das
00:37:12: war also ein wirklich erschütternde Zeit zwischen neununddreißig und fünfundvierzig, das muss man schon sagen für alle Beteiligten.
00:37:20: Und diese Verletzungen von damals sind bei Leibenicht aufgearbeitet.
00:37:25: Bis in die neunziger Jahre hat es noch Familien gegeben, die miteinander nicht gesprochen haben aufgrund der Verletzung der Beleidigungen, der Verfolgung, die vor allem die Italien-Optanten.
00:37:39: neunzehnhundertneuneinzig
00:37:42: bis... dann nimmt der Zweite Weltkrieg noch mal eine Wendung, erklärt Hans Heiß.
00:37:48: So
00:38:10: kommen die Nationalsozialisten doch noch nach Südtirol, weil Italien wieder die Fronten wechselt und sich auf die Seite der Alliierten schlägt.
00:38:17: Und es gab zwanzig Monate lang vom September forty-neunzehntemal bis Mai nineteen fünfundvierzig in Südterol die deutsche Besatzung, die zunext sehr begrüßt wurde, weil man in Süddeo gesagt hat jetzt sind die Deutschen da, jetzt haben wir wieder eine deutsche Verwaltung – sehr gut!
00:38:34: Aber man hat relativ perrasch gemerkt dass diese Deutsche Verwaltungen ziemlich brutal vorging.
00:38:39: Für die deutschsprachige Bevölkerung ist die Besetzung nicht die erhoffte Befreiung.
00:38:44: Die Darbleiber werden politisch verfolgt und viele junge Südtiroler müssen an die Front.
00:38:49: Das war natürlich für viele Familien ein Schock, denn unter Italien war die Einberufung relativ überschaubar.
00:38:56: Und jetzt wurden viele Tausende junger Südtiroler an den Ostfront geschickt und andere Kriegsschauplätze wo sie dann zu acht tausend gefallen sind.
00:39:05: also man hat gemerkt da kommt nicht das Deutschland dass wir erhoffen sondern ein Staat der aus dem der wirklich in die Ecke gedrängt ist und mit aller Brutalität versucht durchzuregieren, doch noch den Krieg zu gewinnen.
00:39:19: Und das hat in Südtirol natürlich dann eine sehr negative Erfahrung
00:39:23: hinterlassen.".
00:39:24: Trotzdem gibt es auch in Südtirol eine Reihe fanatischer Nazis, die bis zum Schluss an einen Enzig-Glauben sagt Hans Heiß.
00:39:31: Doch wie wir wissen – der sogenannte Enzig bleibt aus!
00:39:35: Während die Fanatiker noch hoffen, formiert sich aber auch der Widerstand.
00:39:39: So gründet sich noch am Tag, mit dem der Zweite Weltkrieg endet die Südtiroler Volkspartei – kurz SVP.
00:39:46: Sie versteht sich als Sammelpartei der Deutschen und Ladiner Südtirals um positioniert sich dezidiert gegen die Nazis.
00:39:52: Sie wird sofort zur wichtigsten politischen Kraft im Land und regiert bis heute in Südtironen.
00:39:57: Auch der aktuelle Landeshauptmann Arno Kompaccia gehört ihr an!
00:40:01: Mit ihm haben wir für diese Reihe übrigens auch gesprochen.
00:40:03: Ich habe den ganz am Anfang schon kurz gehört und werde noch mehr von ihm hören….
00:40:12: Nach Kriegsende wird die Weltordnung schließlich neu sortiert, schon wieder.
00:40:17: In Paris sitzt Italien durch den Seitenwechsel wieder mit den Gewinnern am Tisch – muss aber Kolonien und Gebiete
00:40:23: abgeben.
00:40:24: Nur Südtirol will Rom unbedingt
00:40:26: behalten!
00:40:27: Die italienische Regierung hat eben in Paris verhandelt und gesagt Wir wünschen eben, dass Südtirol die Provincia di Bolzano weiterhin bei Italien bleibt ist bitter notwendig.
00:40:44: Weil wenn Italien diese nördlichste Province verliert dann besteht die Gefahr das eben die Italiener umschwenken und aus Zorn sich den Kommunisten zu wenden.
00:40:56: Und damit besteht die Gefahr, dass Italien aus dem westlichen Bündnis raus rutscht.
00:41:01: Die Angst vor dem Kommunismus überzeugt die Alliierten einfach an die USA.
00:41:06: Dazu kommt, dass für die Alliierten ausgeschlossen ist, Südtirol an Österreich zurückzugeben.
00:41:10: Ebenfalls aus Angst vor dem Kommunismus.
00:41:13: Eine Rückgabe in Österreich wurde nicht erwogen.
00:41:16: Österreich war Teil des Großdeutschen Reiches gewesen und war zum Teil sowjetisch besetzt.
00:41:22: Und die Allioten haben gesagt England Frankreich USA.
00:41:25: Wenn wir Südturol an Österreich zurückgeben dann gibt es das Problem, wenn plötzlich ganz Österreich sowjetisch wird.
00:41:32: Dann haben wir ja Ihnen nach die Südtiroler noch mitgeschenkt.
00:41:35: Prost Mahlzeit!
00:41:36: Das sollte nicht
00:41:36: sein.".
00:41:37: Viele Südtirola stehen auch noch vor einem anderen Problem.
00:41:40: Allene, die für Deutschland optiert hatten aber trotzdem im Land geblieben sind werden zu Staaten losen bis zur sogenannten Rückoption, und der italienische Pass ist weg.
00:41:52: den Deutschen haben viele nie bekommen.
00:41:54: sie gelten plötzlich als Ausländer im eigenen Land.
00:41:56: Die Verunsicherung ist groß Und man gehört ja immer noch zum ungeliebten Italien.
00:42:01: Die
00:42:01: Südtiroler selber waren natürlich nicht zufrieden, sie haben sich gesagt wir haben nineteen Ninze in diesen Anschluss an Italien bekommen der ist nicht okay gewesen und haben sich gewünscht eben zu Österreich zurückzukommen.
00:42:14: Diesmal wird den deutschsprachigen Südtirolan aber versprochen eure Sprache und Kultur soll der italienischen gleichgestellt werden und ihr bekommt mehr Möglichkeiten zur Selbstverwaltung Autonomie.
00:42:25: Doch dieses Versprechen wird noch lange nicht ausreichend erfüllt werden.
00:42:29: Es brechen Wiederjahre der Unterdrückung an, teilweise sitzen noch immer Faschisten in Regierungsämtern.
00:42:35: Viele Südtiola wollen das nicht hinnehmen – manche kämpfen politisch für eine bessere Autonomie und anderen gehen die Verhandlungen zu langsam.
00:42:43: Sie werden zu Attentätern!
00:42:51: In said Austria hört ihr überall, wo es Podcast gibt auf der Standard.at
00:43:00: und auf
00:43:01: Spiegel.de.
00:43:02: Wenn euch unser Podcast gefällt folgt uns doch gerne und lasst uns ein paar
00:43:05: Sterne da!
00:43:06: Feedback, Kritik oder Vorschläge zum Podcast
00:43:08: wie immer
00:43:09: gern an Inseldostria.it-spiegel.de
00:43:11: Oder an podcast at thestandard.t.
00:43:14: Unsere journalistische Arbeit könnt ihr am besten mit einem Abonnement unterstützen!
00:43:17: Alle Infos zu einem Standard-Abo findet ihr auf abo.desstandart.t.
00:43:21: Und unsere Hörerinnen und Hörern können mit dem Rabattcode Standard vier Wochen lang das Angebot von Spiegel Plus für nur ein Euro pro Woche testen.
00:43:28: Alle Info dazu gibt's auf spiegel.-de.slash
00:43:31: der Standard.
00:43:32: Alle Links und Infos stehen wir immer auch in den Shownots zu dieser Folge.
00:43:35: Danke euch fürs Zuhören und danke auch allen, die hinter den Kulissen an diesem Podcast mitwirken.
00:43:40: Das waren diesmal vor allem Frau Keböger, Schold Wilhelm Felix Klein, Nina Ulrich, Annika Schulz, Emily Meltzer, Hannah Krause und Leona Sophie Müller!
00:43:49: Ich bin Katharina Zingerle.
00:43:50: –
00:43:51: Ich bin Antonia Raut.
00:43:52: Wir sagen diesmal Pferdenk... ...und Papa!